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Im Juni des Vorjahres zählten die Detektoren noch 1,8 Millionen Radelnde in Berlin. Foto: imago/snapshot
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Berlin schwingt sich in den Sattel 25 Prozent mehr Radverkehr im Juni registriert

Der Juni war in Berlin ein wahrer Fahrradmonat: Mehr als 2,3 Millionen Radfahrer haben die 16 automatischen Zählstellen erfasst.

Immer mehr Radfahrer tummeln sich auf Berlins Straßen. Mehr als 2,3 Millionen Radfahrer haben die 16 automatischen Dauerzählstellen in Berlin im Juni erfasst, wie aktuelle Daten der Senatsverkehrsverwaltung zeigen. Das gleicht einem Zuwachs des Radverkehrs um mehr als 25 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum – da zählten die Detektoren noch 1,8 Millionen Radfahrer.

Als Radverkehrs-Hotspot galt im zurückliegenden Juni die Jannowitzbrücke im Bezirk Mitte mit mehr als 360.000 Zählungen, gefolgt von etwa 260.000 gezählten Fahrrädern an der Berliner Straße am S-Bahnhof Pankow. Den dritten Platz belegt mit über 250.000 Zählungen die Yorckstraße zwischen Gleisdreieckpark und Flaschenhalspark.

Jeweils 50.000 Radfahrer wurden am Mariendorfer Damm und am Kaisersteg in Treptow-Köpenick gezählt. Die wenigsten Radler gab es an der Alberichstraße Ecke Alfelder Straße in Marzahn-Hellersdorf. Hier fuhren im Juni nicht einmal 24.000 Radelnde vorbei.

Die gewachsene Vorliebe fürs Radeln bringt manchen Fahrradhändler ins Schwitzen: „Teilweise ist der Fahrradladen leergekauft – die Nachfrage kann manchmal gar nicht mehr bedient werden“, sagte Jirko Rienitz, Geschäftsführer bei „Radwelt Berlin Friedrichshain“, dem Tagesspiegel.

Kunden hätten bereits so viele Bestellungen aufgegeben, dass beispielsweise Fahrräder der Marke Shimano erst im August oder September angeliefert werden könnten. Die längeren Lieferzeiten hingen jedoch auch mit der Coronakrise zusammen.

Inzwischen 22 Kilometer Pop-up-Radwege

Mit dem vermehrten Radverkehr hat sich das Straßenbild in den vergangenen Wochen mancherorts drastisch geändert: Mittlerweile sind ungefähr 22 Kilometer an „Pop-Up-Radwegen“ entstanden, weitere Strecken sind geplant.

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Die temporären Radwege sind bis zu zwei Meter breit und entstehen unter anderem auf Spuren, wo sonst Autos parken oder fahren. Der Automobilclub ADAC mahnt, dass die Verkehrsräume nicht vorschnell umverteilt werden dürften, schließlich habe der Radverkehr in der Coronakrise abgenommen.

Eine Tagesspiegel-Auswertung der Zählerdaten von Mitte März bis 1. Mai hatte jedoch schon gezeigt, dass der Radverkehr im ersten Halbjahr 2020 zugenommen hat. Hinzu kommt, dass die Zählungen an der Oberbaumbrücke wegfielen, dort mussten die Detektoren der Fahrbahnsanierung weichen. Im ersten Halbjahr von 2019 war die Oberbaumbrücke jedoch mit über 1,2 Millionen Radelnden noch die meistbefahrene aller Zählstellen.

Wie sich die Berlinerinnen und Berliner ihre Straßen und Radwege wünschen, hat der Tagesspiegel in einer bisher einmaligen interaktiven Befragung mit mehr als 21.000 Teilnehmenden ermittelt. Hier finden Sie die wichtigsten Ergebnisse.

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