Die vier Angeklagten im Prozess um die 2017 aus dem Bode-Museum gestohlene Münze hüllen sich in Schweigen. Foto: Paul Zinken/dpa
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Berlin-Mitte Goldmünz-Prozess: Angeklagte schweigen

Mitglieder der Großfamilie R. und ein Ex-Wachmann schweigen im Prozess um die gestohlene Goldmünze. Die Verteidiger sprechen von einer dürftigen Beweislage.

Eine zwei Zentner schwere Goldmünze wurde vor knapp zwei Jahren aus dem Berliner Bode-Museum gestohlen. Nun hat der Prozess gegen vier Männer am Landgericht begonnen, denen Diebstahl in einem besonders schweren Fall vorgeworfen wird. Sie sollen für den ebenso dreisten wie spektakulären Diebstahl der 100 Kilogramm schweren und millionenteuren Goldmünze „Big Maple Leaf“ aus dem Museum verantwortlich sein.

Knapp zwei Jahre nach dem Coup, der international für Aufsehen sorgte, schwiegen die Angeklagten am Donnerstag im Gericht. Drei der Männer gehören der arabischstämmigen Großfamilie R. an – ein Clan, der in der Vergangenheit immer wieder im Visier der Ermittler war.

Nun sind es die Brüder Ahmed R. und Wayci R. sowie ihr Cousin Wissam R., die auf der Anklagebank sitzen. Daneben ihr mutmaßlicher Komplize Denis W., der damals in dem Museum als Wachmann tätig war. An einem Spalier von mehr als drei Dutzend Journalisten mussten die 20- bis 24-Jährigen vorbei, um in den Saal zu gelangen. Verteidiger reagierten angespannt. Die Vorsitzende Richterin bewahrte die Ruhe.

"Beweislage ist dürftig"

Anders als die Angeklagten selbst, meldeten sich ihre Verteidiger am Donnerstag lautstark zu Wort. Die immensen Ermittlungen gegen ihre Mandanten hätten „keinen einzigen durchgreifenden Beweis hervorgebracht, dass sie die Goldmünze gestohlen haben“, sage einer der Anwälte. Die Beweislage sei „äußerst dürftig“, es sei „einseitig ermittelt“ worden. Dabei habe sich der damals diensthabende Wachmann vorschriftswidrig verhalten. „Er hätte die Zerstörung der Vitrine wahrnehmen müssen.“

In der Nacht zum 27. März 2017 waren drei schwarz gekleidete Männer über die Hochbahntrasse der S-Bahn zum Bode-Museum gegangen. Sie hatten ihre Gesichter vermummt. Eine ausziehbare Leiter, die sie bei sich hatten, diente als Brücke von der Bahnstrecke zum historischen Gebäude. Unbemerkt gelangten die Einbrecher über ein Fenster im zweiten Stock ins Museum. Das Fenster im Raum 265, die Herren-Umkleidekabine, soll nicht am Alarmsystem des Hauses angeschlossen gewesen sein. Es soll bereits seit 2013 defekt gewesen sein.

Ein Zeitfenster von 16 Minuten blieb den Dieben für den Coup. Sie scheuten dafür auch keinen Lärm. Das Panzerglas der Vitrine, in der sich die Münze befand, wurde zertrümmert. Anschließend wurde die Münze mit einem Rollbrett durch Flure und Räume des Museums zum Fenster in Raum 265 geschoben. Von dort wurde sie auf die Gleise gekippt, abgeseilt und mit einer Schubkarre zum Fluchtauto geschafft. Seitdem ist sie verschwunden.

Die Münze wurde vermutlich eingeschmolzen

„Big Maple Leaf“ gilt als die zweitgrößte Goldmünze der Welt. Sie hat einen Durchmesser von 53 Zentimetern. Es wurden nur fünf Exemplare von der kanadischen Münze mit dem Bildnis von Königin Elisabeth II. geprägt. Als Leihgabe eines Privatmannes war sie seit 2010 im Bode-Museum zu bestaunen. Ermittler befürchten, dass sie zerteilt oder eingeschmolzen und Stück für Stück verkauft wurde. Im Juli 2017 wurden die Angeklagten mit deutscher Staatsbürgerschaft festgenommen. Sie kamen aber bald wieder frei.
Als erster Zeuge nun ein Kommissar. Eine Hundertschaft habe das Haus durchsucht, so der Zeuge. „Auf der Suche nach einem Dieb, der sich mit einer ganz normalen Münze vielleicht noch im Haus aufhielt“. Sie hätten unter anderem Schleifspuren entdeckt. Am ersten Verhandlungstag sollten auch mögliche Sicherheitsmängel im Museum erörtert werden. Doch dafür reichte die Zeit nicht. Der Prozess um gemeinschaftlichen Diebstahl in besonders schwerem Fall geht am Montag weiter.

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