Die Friedrichswerdersche Kirche von Karl Friedrich Schinkel in Berlins Mitte ist durch Bauvorhaben in ihrer direkten Umgebung akut gefährdet. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
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Berlin-Mitte Friedrichswerdersche Kirche durch Baustelle dauerhaft geschädigt 

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"Kann nicht mehr korrigiert werden": Die Schäden durch die Baustelle neben der berühmten Friedrichswerderschen Kirche in Berlin sind groß.

Die Bauarbeiten im Umfeld haben die Friedrichswerdersche Kirche in Berlin-Mitte nachhaltig geschädigt. Sie führten zu „erheblichen Bewegungen der Kirchenfundamente“, erklärte Kulturstaatssekretär Torsten Wöhlert (Linke) nach einer Anfrage aus dem Abgeordnetenhaus. Dies habe eine Verformung des Deckengewölbes zur Folge gehabt, „die nicht korrigiert werden kann“, heißt es in seiner am Dienstag veröffentlichten Antwort. Die bleibende Verformung des Baus habe vermutlich „dessen statische Reserven dauerhaft reduziert“.

Nebenan entstanden Luxusbauten - es kam prompt zu Rissen

Die Kirche wurde bis 1831 nach Plänen des preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) errichtet. Es war Berlins erstes Gotteshaus im neugotischen Stil. Bis zur Schließung im Jahr 2012 diente der Bau als Museum über das Wirken Schinkels und für Skulpturen des 19. Jahrhunderts. Baugruben für Luxuswohnungen in seiner unmittelbaren Nachbarschaft führten jedoch zu starken Rissen im Mauerwerk. Die Exponate wurden in andere Museen ausgelagert.

Wöhlert erklärte, die noch laufende Sanierung sei erfolgt, um den Bau statisch zu sichern, Risse zu schließen und den historischen optischen Gesamteindruck wiederherzustellen. Nach Abschluss der Gewölbesanierung würden derzeit der Wiedereinbau der historischen Fenster, die Sanierung der Altartreppen sowie die Reparatur der Böden und des Südportals vorbereitet. Es sei nicht absehbar, wann der Kirchenbau wieder eröffnet werden könne.

Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz hatte bereits vor drei Jahren gegen die Bauarbeiten protestiert, die um die Kirche erfolgten. „Wir sind entsetzt, wie mit einem Denkmal von internationalem Rang umgegangen wird“, betonte Konsistorialpräsident Jörg Antoine. Die Bebauung führe nicht nur zu massiven Schädigungen an der Substanz der Kirche, sondern zwänge sie auch „bis zur städtebaulichen Bedeutungslosigkeit“ ein. Eigentümerin der Friedrichswerderschen Kirche ist die Kirchengemeinde in der Friedrichstadt. Langfristig genutzt wird sie von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. (KNA)

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