Die Grundschule am Koppenplatz ist bekannt für ihre gute IT-Ausstattung, die unterlegt ist mit innovativen Unterrichtskonzepten (Archivbild). Foto: Doris Spiekermann-Klaas
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Berlin-Mitte Berliner Vorzeigeschule verliert ihre Leiterin

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Die Rektorin der Berliner Grundschule am Koppenplatz ist erfolgreich und beliebt. Und doch räumt sie ihren Posten. Über die Gründe schweigen die Beteiligten.

So etwas nennt man wohl eine „Vorzeigeschule“: Die Grundschule am Koppenplatz in Mitte ist nicht nur ein Sehnsuchtsort für viele Eltern, sondern auch ein Schmuckstück der Berliner Bildungslandschaft. Umso verblüffender die Botschaft, dass die für den Aufstieg verantwortliche Rektorin Angela Thiele ihren Platz räumt. Befragt nach den Gründen, verwies Thiele am Donnerstag auf die Senatsbildungsverwaltung: Sie selbst könne nichts dazu sagen, weil ihr „von Amtsseite“ mitgeteilt worden sei, dass sie „keine Auskunft geben darf“.

Allerdings gibt es über Thieles Beweggründe Aussagen im Protokoll einer Gesamtelternversammlung vom April, das dem Tagesspiegel vorliegt. Bei dieser Sitzung hatte Thiele den Eltern mitgeteilt, dass sie die Schule nach zehn Jahren verlassen werde, was laut Protokoll „mit Schock und ungläubigem Staunen“ aufgenommen wurde.

In der Schulaufsicht gab es einen Wechsel

Zur Begründung ist von einem Personalwechsel in der Schulaufsicht die Rede. Seither habe die Schule weniger Unterstützung erfahren. Daher gebe es keine ausreichende Grundlage mehr für inhaltliches konzeptionelles Arbeiten und die Qualifizierung der Lehrkräfte zu „Lernarchitekten“.

Ob Thiele sich so oder ähnlich tatsächlich geäußert hat, war nicht zu erfahren. Allerdings tauchen in dem Protokoll mehrere Aussagen mit ähnlichem Tenor auf. So heißt es auch, dass es abgelehnt worden sei, die Schule zur „Modellschule“ weiterzuentwickeln.

Da war noch alles gut: Angela Thiele und Bildungs-Staatssekretär Mark Rackles (SPD) beim symbolischen Start der Lehrer- und Schülerdatenbank Ende 2016 im Büro der Schulleiterin am Koppenplatz. Foto: Senatsverwaltung für Bildung
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"Von allen Schulräten unterstützt"

Die Bildungsverwaltung erklärte am Donnerstag auf Anfrage, dass die Schule ein „Alleinstellungsmerkmal“ habe, das „von allen Schulräten der Schulaufsicht Mitte unterstützt wird“. Die neue Schulrätin habe erst jüngst Thieles Workshop für die neuen Kollegen besucht, um damit „ihre Unterstützung aufzuzeigen“. Im Übrigen werde die Schule „im Rahmen der zugemessenen Ressourcen“ ausgestattet – wie in der Vergangenheit so auch in Zukunft.

In Mitte Thiele – Mathematikerin, Schulbuchautorin, promoviert – war als Rektorin so erfolgreich, dass sie schließlich – mit 800 Schülern – auf drei Standorte rund um den Koppenplatz expandierte. Der IT-Einsatz spielt im Unterricht eine zentrale Rolle. Ihre gute Ausstattung und ihr guter Ruf wurden ihr allerdings auch geneidet angesichts der Zustände und dem Lehrermangel in Mitte, wo es besonders viele Brennpunktschulen gibt. Wie berichtet, sind kaum noch ausgebildete Grundschullehrer auf dem Markt.

Dem Vernehmen nach will Thiele sich künftig mehr in der GmbH „Elementare Lernarchitektur“ engagieren, um ihren Ansatz und ihr Konzept verstärkt auch anderen Schulen zugänglich zu machen.

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