Rebstöcke und Pfähle am Weinberg wurden zerstört. Foto: Grün Berlin GmbH
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Berlin-Marzahn Erneuter Vandalismus auf dem IGA-Gelände

Wieder haben Unbekannte auf dem IGA-Gelände in Marzahn gewütet. In den vergangenen Monaten sind dort 40.000 Euro Sachschaden entstanden.

Dieses Mal traf es den Weinberg. Menschen mit Behinderung haben ihn vor drei Jahren im Marzahner Kienbergpark angelegt. Seit dieser Woche ist nichts mehr von ihm übrig: In der Nacht zu Mittwoch haben Unbekannte jeden einzelnen Rebstock an dem 400 Quadratmeter großen Hang abgebrochen, die Pfosten, an denen die Pflanzen rankten, herausgerissen. Der Schaden beläuft sich auf 6000 Euro.

Was ist los im Nordosten der Stadt? Im Jahr 2017 blickte die ganze Stadt auf Marzahn-Hellersdorf, die Internationale Gartenausstellung (IGA) mit ihrer Seilbahn zeigte den Bezirk von einer ganz neuen, blühenden Seite. Inzwischen trüben immer wieder mutwillige Zerstörungen das Bild vom ehemaligen IGA-Gelände – dem frei zugänglichen Kienbergpark genauso wie in den kostenpflichtigen Gärten der Welt nebenan. Seit Anfang 2018 sind deswegen Kosten in Höhe von mehr als 40.000 Euro entstanden.

Der Vandalismus war nach der IGA nicht zu Ende

Proteste gab es bereits, als 2016 die Bauarbeiten zur IGA begannen. Sie richteten sich gegen die Umzäunung des Kienbergs, der bis dahin für alle immer frei zugänglich gewesen war und nun in die Gartenschau einbezogen wurde. Protestschreiben wurden aufgehängt, Bäume beschmiert, Zäune umgestoßen. Die Bezirkspolitik diskutierte deshalb, ob es nicht besser wäre, den Kienbergpark auch nach der IGA eingezäunt zu lassen und ihn abends zu schließen - doch entschied sich dagegen. Es galt das Versprechen, das die Politik vor der IGA abgegeben hatte: Nachher sollte es einen Volkspark geben.

Was sich niemand erklären kann: dass der Vandalismus nach der IGA nicht zu Ende war. Im März 2018 wurden nachts 17 Zierkirschen in den Gärten der Welt abgesägt und eine weitere beschädigt. Sie waren ein Geschenk aus Japan zur Wiedervereinigung. Die Grün Berlin, die die Gärten und den Kienberg bewirtschaftet, schätzte ihren Wert wegen Alter und Seltenheit auf mehr als 100.000 Euro. Sie pflanzte neue Bäume für 15.000 Euro. Im Dezember 2018 folgten weitere Beschädigungen am Kienbergpark: herausgerissene Baumverankerungen, zerstörte Natursteinmauern, demolierte Zäune. Auch in einen Aufenthaltsraum für Kinder und Jugendliche wurde eingebrochen, außerdem die Technik aus dem Stromgerät eines Beweidungszauns entwendet.

Aggression richtet sich inzwischen auch gegen Tiere

Zweimal war auch das golden verkleidete Informationszentrum des Bezirks Ziel von Vandalismus: Im Februar 2018 zerstörten Unbekannte maßgeschneiderte Fassadenteile; am Neujahrstag 2018 wurden fünf große Scheiben mit Steinen eingeschlagen und die Außenwand beschmiert. Allein das kostete 5000 Euro.

In keinem der Fälle wurden bisher Täter gefasst. Und die Aggression richtet sich inzwischen sogar gegen Tiere: Im Rahmen der Wiederbeweidung des Wuhletals hat die Grün Berlin vom Aussterben bedrohte heimische Schafe, Kühe und Pferde im „Arche-Park“ angesiedelt. Seit Monaten tauchen nun wiederholt Zettel mit Bildern der Tiere auf und der Überschrift „R.I.P“, englisch für „Ruhe in Frieden“. „Die Zerstörung hunderter Weinpflanzen und die Todesdrohungen gegen seltene Tiere zeigen die Skrupellosigkeit der Täter“, kommentierte ein Sprecher der Landesfirma Grün Berlin die Vorfälle am Mittwoch.

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