Der Müggelturm seit 1889 ein beliebtes Ausflugsziel. Nach einem Brand errichtete die DDR das Bauwerk neu. Nun wurde es saniert. Foto: Matthias Koch/Imago
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Berlin-Köpenick Am 1. Mai eröffnet die Müggelturm-Dachterrasse wieder

Einst war er ein Wahrzeichen von Ost-Berlin, danach gab es hier zwei Jahrzehnte Verfall und Stillstand. Nun ist der Müggelturm wieder da.

Zuletzt war er vor 18 Jahren hier oben, „ziemlich verkommen“ sah es damals aus, erinnert sich Rennradfahrer und Ex-Kulturjournalist Günter Görz. Jetzt sitzt der 81-Jährige vor einer Portion Pommes auf der Müggelturm-Terrasse und beobachtet die Bauarbeiter. „Ein Glück, Mann ... und eine Schande, dass es so lange gedauert hat.“

Der Müggelturm ist komplett aufpoliert und instandgesetzt worden, nach zwei Jahrzehnten Stillstand, Verfall und Ringen um den Wiederaufbau. Innerhalb von vier Jahren hat der neue Eigentümer Matthias Große einige Millionen Euro in das Bauwerk gesteckt. An die großen Zeiten der Ausflugsgaststätte in der DDR will er anknüpfen.

Typisch DDR

Am 1. Mai wird das Hauptrestaurant mit der großen Dachterrasse und insgesamt 1000 Plätzen wiedereröffnet. Die Sänger Frank Zander und Frank Schöbel haben für das große Maifest auf dem Gipfel des Kleinen Müggelbergs zugesagt. Um 11.30 startet das Programm mit einem Auftritt des amtierenden Hauptmanns von Köpenick.

Am Freitag wuselten noch Dutzende Handwerker auf dem Gelände herum, justierten die Fahrstuhltechnik, malerten die Turmgeländer und verlegten Bodenfliesen. Dass nicht alles rechtzeitig fertig wird, trotz Durcharbeiten am Wochenende, erkannte auch der Laie.

Wegen der langen Kälte im März sei man etwas in Verzug geraten, sagt Kerstin Jennes, die Müggelturm-PR-Beauftragte („Ich fühle mich hier wie auf einer Burg.“). Doch was nicht fertig ist, wird eben abgesperrt, das soll die Stimmung nicht trüben. Was noch fehlt, ist auch der Außenanstrich des Turms im Farbton Eierschale.

Der Denkmalschutz verlangte, dass alles wieder so aussehen soll wie anno 1961, als der Neubau in Betrieb ging. Daher leuchten die Fenster- und Türrahmen wieder gülden, wie einst der Palast der Republik, typisch DDR eben.

Mitgebaut hatte auch Günter Görz am Turm. Ein paar Arbeitstunden spendete er, Subbotnik, war so üblich. Ein paar Jahre später feierte er dann Silvester im Restaurant mit Panoramablick auf die Feuerwerke am Langen See und gegenüber am Müggelsee. Das hatte schon was.

1958 brannte der Vorgänger-Turm vollständig ab

Görz kannte auch noch den hölzernen Vorgänger-Turm von 1889, vom Wäschereifabrikanten Spindler im chinesischen Pagodenstil errichtet. Wegen der geringen Größe konnte man damals allerdings nicht weit in die Ferne schauen, heißt es auf der Webseite des Turmbetreibers. 1889 ließ Spindler den Turm erweitern, er wurde mit einer Höhe von 27 Metern am Ostersonntag 1890 eröffnet. Turm und Restaurant entwickelten sich schnell zu einem beliebten Ausflugsziel.

Von der Aussichtsplattform hatten die Besucher einen Panoramablick bis zu 50 Kilometer weit über die Wald- und Seenlandschaft der Region bis hin zur Stadtsilhouette von Berlin. Bereits im Eröffnungsjahr 1890 zählte man etwa 52.000 Besucher. Im Jahr 1928 dann wurden die beiden Treppen zum Kleinen Müggelberg hinauf angelegt.

Die nordöstliche Treppe vom Teufelssee zählt 111 Stufen, die südliche 243 Stufen. Beide Treppen wurden 1953 erneuert. Nach dem Krieg wurde wieder eine Gaststätte für Besucher eingerichtet und 1953 übernahm die HO Köpenick den Betrieb des Müggelturmareals. Doch am Nachmittag des 19. Mai 1958 brannte der Turm vollständig ab.

Der Entwurf für den Neubau stammte damals von einem Studentenkollektiv der Kunsthochschule Weißensee, man orientierte sich an der Bauhaus-Moderne.

Der Turm selbst ist ein schlichter Betonbau, der nur an der Außenfassade mit einem strengen Muster aufwartet. Drinnen gibt es nichts als Stufen und Aussichtsfenster, die oberste Etage ist zwar offen, aber vergittert, diese Vorsichtsmaßnahme gab es früher nicht.

Der Aufstieg auf die knapp 30 Meter lohnt sich trotzdem wegen des baumwipfelfreien Rundumblicks, kostet aber künftig vier Euro, doppelt so viel wie bisher. Dafür gibt es diverse Eintrittsfrei-Regelungen: Am Muttertag für alle Mütter, am Kindertag für Kinder, am Valentinstag für alle Paare ...

Auch eine Hunde-Terrasse ist geplant

Eingeschränkt ist die Freude über das sanierte Gelände noch bei den Hundebesitzern. Die dürfen ihre Liebsten nicht mit auf die Restaurant-Terrassen nehmen, das habe Eigentümer Große so verfügt, wegen der empfindlichen Oberflächen, erzählt Kerstin Jennes, aber auch, um Kinder und Rentner vor zudringlichen Tieren und nervigem Gekläffe zu schützen. Eine separate Hunde-Terrasse ist geplant, aber noch nicht fertig.

Turm und Restaurant sollen ab Mai täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet sein. Wer mit dem Auto kommt, muss die letzten 400 Meter zu Fuß gehen. Am 1. Mai wird es von der Bushaltestelle am Müggelheimer Damm einen Busshuttle geben. Der Müggelturm soll aber vor allem ein Eldorado für Wanderer und Radfahrer werden. Und Rollifahrer? Bis zur Dachterrasse ist alles barrierefrei, dank neuer Aufzüge. Der Turmaufstieg bleibt allerdings Fußgängern vorbehalten.

Günter Görz hat intuitiv alles richtig gemacht. Von Mahlsdorf ist er mit seinem Rennrad losgefahren, nach einem kurzen steilen Antritt rastet er am Müggelturm, um anschließend bequem zum Müggelsee hinabzurollen, den er noch umrunden will. Treptow-Köpenick will ja das Radtouristenparadies Berlins werden, der Turm ist da schon ein Meilenstein auf dem Weg dahin. Ab Juli soll es hier eine Ladestation für E-Bikes geben.

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