Ein 28-Jähriger muss sich vor dem Landgericht Berlin für den Mord an seiner Großmutter verantworten. Foto: Jens Kalaene/ dpa
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Berlin-Kaulsdorf Enkel vor Gericht: "Dann habe ich meine Oma erwürgt"

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Ein 28-Jähriger hat seine Großmutter erwürg – vermutlich aus Habgier. Nun muss er sich vor Gericht verantworten.

Er war ihr Lieblingsenkel. Der „heilige Philipp“, der machen konnte, was er wollte, dem sie alles verzieh, den sie großzügig beschenkte. Gisela O. hatte ihm schon ihr Haus übertragen. Doch dann ein Streit, in dem ein Wort das andere gab. Bis Philipp L. angriff. Die 80-Jährige stand in ihrer Küche, als ihr jüngster Enkelsohn von hinten seinen Arm um ihren Hals legte. „Dann habe ich sie erwürgt“, gestand er am Donnerstag vor dem Landgericht. Die Anklage lautet auf heimtückischen Mord aus Habgier. 

Philipp L. ist ein unscheinbarer Mann von 28 Jahren. Verkäufer gab er nun als Beruf an. Es ist eine von vielen Unwahrheiten in seinem Leben. Er habe die Lehre abgebrochen, heißt es. Dass er oft und heftig log, sagte auch der Angeklagte von sich. „Die Leute sollten ein positives Bild von mir haben.“ Nach einem Suizidversuch war er wochenlang in einer Klinik. 

Emotionslos wirkte L., als er sein Verbrechen schilderte. Er sei am 6. Mai 2018 wie so oft bei seiner Großmutter in Kaulsdorf gewesen. Sie hätten noch gemeinsam gefrühstückt. Sie hatte ihm am Vortag ihre EC-Karte gegeben, damit er sich 700 Euro holen und seine Gasrechnung bezahlen konnte. Sie wusste nicht, dass er darüber hinaus für sich rund 1400 Euro ausgegeben hatte. Es war nicht das erste Mal, dass er ihre Großzügigkeit und ihr Vertrauen ausgenutzt hatte.

 Die Großmutter machte ihrem Enkel Vorwürfe

„Oma ist in Rage geraten, weil ich an dem Vormittag Bier getrunken habe“, sagte der Angeklagte. Sie habe ihm massive Vorwürfe gemacht. „Dass ich nichts allein auf die Reihe kriege, wie mein Vater bin, meiner Frau hörig bin“, zählte der Angeklagte auf. Der Streit sei eskaliert. „Sie hatte etwas über meinen Vater gesagt, da habe ich meine Arme um sie geschwungen.“

Zugedrückt habe er. „Ich ließ sie dann eiskalt fallen.“ Als er merkte, dass seine Oma noch atmete, habe er ein Kissen aus dem Wohnzimmer geholt. „So sollte sie mit ihren Krankheiten nicht in ein Krankenhaus kommen.“ Nicht halbtot und möglicherweise ein Pflegefall werden. „Ich nahm das Kissen und drückte es auf ihr Gesicht.“ Minutenlang. Bis sie tot war.

Warum es zu der schrecklichen Tat kam? „Ich kann es nicht erklären, ich zerbreche mir seit Monaten den Kopf“, sagte der Angeklagte. Es sei nicht um Geld gegangen. Das, was er heimlich genommen hatte, habe er schnell zurückzahlen wollen. Was in seinem Kopf vorging?

Wie konnte er den Anblick der toten Großmutter ertragen?

„Ich weiß, dass ich wütend war, weil sie mich mit meinem Vater verglichen hatte.“ Dann sei nur Leere in seinem Kopf gewesen. Er sei aber am Abend zurück in das Haus, um einen Raubüberfall vorzutäuschen. Wie er den Anblick seiner toten Großmutter, die er angeblich liebte, ertragen konnte? „Ich war auf das vernichten von Beweisen fixiert.“

Philipp L. kam immer wieder auf seinen Vater zu sprechen. Dessen Suizid im Februar 2017 sei ein tiefer Einschnitt für ihn gewesen. „Es löste bei mir Schuldgefühle aus.“ Denn der Vater war in Verruf geraten, zumindest bei seiner Mutter. Man hatte ihr mehr als 8000 Euro, ihre Rücklagen, geklaut. Sie verdächtigte ihren Sohn. Ihr Lieblingsenkel schlug sich auf ihre Seite. Er war zu feige, zu gestehen: „Nicht Papa, sondern ich habe das Geld genommen.“

Ging es in dem tödlichen Streit mit der Großmutter um Geld, das er für sich behalten wollte, und um die Drohung, sie könnte ihm das Haus doch nicht schenken? „Nein, um Geld ging es nicht“, so der Enkel. Doch nach Angaben seiner beiden Geschwister hatte Gisela O. früher einmal angekündigt: „Ich nehme ihm alles weg, wenn er nicht die Wahrheit sagt.“ Damals waren rund 1.000 Euro von ihrem Konto verschwunden. Der Prozess geht am Montag weiter.  

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