Gedenken an die Opfer des Anschlags vom Breitscheidplatz Foto: AFP/Odd Andersen
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Update Berlin gedenkt der Terroropfer vom Breitscheidplatz „Ein dunkler Tag für uns alle“

Um 20.02 Uhr läuten die Glocken der Gedächtniskirche – zum Zeitpunkt des Anschlags von 2016 auf den Berliner Weihnachtsmarkt. Die Anteilnahme ist groß.

Die zwölf Kerzen auf dem Altar in der Berliner Gedächtniskirche leuchten vor den Angehörigen, den Opfern, den Politikern und Besuchern, die an diesem Abend gekommen sind. Es ist ein Tag, der 19. Dezember, an dem viele das Leid, die Trauer und das Trauma wieder schmerzhaft verspüren. Das Leid, das sie genau vor drei Jahren erlitten, als sie ihre Freunde und ihre Angehörigen durch den Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz verloren haben.

„Es war der dunkelste Tag für viele hier. Und ein dunkler Tag für uns alle“, sagt Pfarrer Martin Germer in der Andacht. „Diese Kerzen, sie leuchten auch für die Verletzten.“ An diesem 19. Dezember 2016 wurden zwölf Menschen auf dem Weihnachtsmarkt getötet und mehr als 100 Menschen verletzt.

Bischof Christian Stäblein nimmt die Metapher des Lichts in seiner Ansprache auf. „Trauer seitdem, Trauer und Trauma bei Familien, Paaren, Ersthelfern, Angehörigen, unserer Gesellschaft. Das Dunkel geht nicht weg, wenn wir es verdrängen“, spricht der Bischof. „Zeigen und sagen: das Dunkle, der Tod, der Mord, der Terror, das ist nicht stärker, das behält nicht die letzte Macht.“

Das Licht komme aus dem Riss, dem Mahnmal für die Opfer des Anschlags, vor der Kirche. Darauf müsse man vertrauen, „mit Gesten, mit Worten, mit Liedern“. Während seiner Ansprache fühlt man Ruhe, Besinnlichkeit und auch Trost. Angehörige und Opfer schmiegen sich aneinander, weinen und hören anschließend Jocelyn B. Smith zu, die ihr Lied „Shine a light“ singt.

Still bewegt sich nach der Andacht die Gemeinschaft nach draußen vor die Kirche, wo bereits Kränze niedergelegt wurden und die Stufen Windlichtern erhellt werden. Die kleinen gelb-blauen Lichtersterne der Weihnachtsbeleuchtung auf dem Markt erlöschen, die Buden haben ihren Verkauf eingestellt. Der Weihnachtsmarkt wird dunkel.

Gegenüber, vor dem Bikini-Haus, bleiben Passanten stehen und hören auch den Worten von Chen Elyakim zu, die ihre Mutter durch das Attentat verloren hatte. Die junge Israelin erzählt, dass sie erst zwei Tage nach dem Anschlag vom Tod ihrer Mutter erfahren hatte. Ihre Mutter galt als vermisst. „Es war ein Kampf zwischen Hoffnung und Verzweiflung.“ Aber sie sei sicher, dass ihre Mutter in den letzten Minuten glücklich gewesen war.

Pfarrer Germer bittet die Weihnachtsmarktbesucher in einer Minute der Stille den Menschen zu gedenken. Und es wird ruhig, das Lachen, die Gespräche verstummen. Um 20.02 Uhr, zum Zeitpunkt des Anschlags, erklingen zwölf Glockenschläge im Gedenken an Anna und Georgiy Bagratuni, Nada Cizmar, Fabrizia di Lorenzo, Dalia Elyakim, Lukasz Urban, Sebastian Berlin, Christoph Herrlich, Klaus Jacob, Angelika Klösters, Dorit Krebs und Peter Völker. Dann ertönt leise Geigenmusik, die das Gedenken beendet.

„Bleibende Verletzung in unserer Gesellschaft“

Vor der Gedenkveranstaltung hatte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) im Bundestag gesagt, die Opfer seien nicht vergessen. Der Anschlag habe tiefe Wunden, Trauer, Schmerzen und Traumata sowie „eine bleibende Verletzung in unserer Gesellschaft“ hinterlassen. Es sei deutlich geworden, dass die freiheitliche Demokratie verwundbar sei, sagte Schäuble. Müller hatte zuvor gemahnt, es dürfe nicht zugelassen werden, dass „solche Untaten einen Keil in unsere Gesellschaft treiben“. Unsicherheit und Angst sollten nicht das Leben bestimmen.

Der islamistische Attentäter Anis Amri war am 19. Dezember 2016 mit einem gekaperten Lastwagen in den Weihnachtsmarkt gefahren. Er hatte zuvor den Lkw-Fahrer erschossen und tötete dann bei dem Anschlag elf Besucherinnen und Besucher des Marktes. Dutzende Menschen wurden verletzt, viele von ihnen schwer. Amri wurde später auf der Flucht in Italien erschossen. Mehrere parlamentarische Untersuchungsausschüsse versuchen seitdem, Fehler und Versäumnisse von Behörden aufzuarbeiten. (mit dpa)

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