Es werde Licht. Im Obergeschoss mit den markanten Fenstern haben 1200 Besucher Platz. Foto: Sophia Emmerich / Promo
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Berlin-Friedrichshain Postbahnhof eröffnet unter neuer Führung

Zuletzt war es um die Location am Ostbahnhof ziemlich ruhig geworden. Die neuen Betreiber wollen dem Ort zu neuem Glanz verhelfen.

Einst wurden hier täglich tausende Sendungen sortiert, später wild gefeiert: Doch am Postbahnhof – zentral gelegen zwischen Eastside Gallery und Ostbahnhof, mit genügend Distanz zu eventuell lärmempfindlichen Nachbarn – war es in den vergangenen Jahren recht ruhig geworden. Kaum noch Konzerte, ein paar wenige öffentliche Veranstaltungen, zuletzt etwa beim Gallery Weekend. Ansonsten tauchte die Location in den Berliner Veranstaltungskalendern quasi nicht mehr auf.

Das soll sich nun ändern: Am heutigen Donnerstag will UP Event Creation als neuer Betreiber mit 500 geladenen Gästen ein weiteres Kapitel in der langen Geschichte des denkmalgeschützten Gebäudes einläuten. Wie jetzt bekannt wurde, hatte der Eigentümer bereits im Januar gewechselt, die neuen Besitzer wollen anonym bleiben.

Um den Betrieb zu sichern, musste zunächst denkmalgerecht renoviert werden. Die Kosten dafür seien in „Millionenhöhe“ gewesen, konkreter wollten die Betreiber nicht werden. Unter anderem wurde eine Treppe nach Originalvorlagen wiederhergestellt.

"Wir wollen den historischen Wert erhalten"

Auch wegen der Sanierung sei zuletzt aus dem Postbahnhof nicht viel zu hören gewesen, erklärt Jill Schwiegershausen, Geschäftsführerin von UP Event Creation. Sie war bereits für den vorherigen Betreiber im Postbahnhof tätig. Die Arbeiten in dem Backsteingebäude mit den markanten Rundbogenfenstern im Obergeschoss seien nun abgeschlossen, die Auftragsbücher voll. „Uns ist daran gelegen, den historischen Wert zu erhalten, ein denkmalgeschütztes Gebäude, das Charakter hat, wenn in der Stadt die Gebäude charakterloser werden.“

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Das 1907 eröffnete Ensemble war bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ein wichtiger Knotenpunkt des preußischen und ostdeutschen Bahnpostverkehrs, auch zu DDR-Zeiten belud die Post hier Waggons, sortierte und schickte Pakete weiter. Die 90er Jahre brachten Partys, 2004 schließlich den Fritz Club, der bis 2015 vor allem Studentinnen und Studenten anzog.

Postbahnhof-Trio. Jill Schwiegershausen will dem Gebäude mit Sebastian Preetz (li.) und John Farrell Leben einhauchen. Foto: Sophia Emmerich / Promo Vergrößern
Postbahnhof-Trio. Jill Schwiegershausen will dem Gebäude mit Sebastian Preetz (li.) und John Farrell Leben einhauchen. © Sophia Emmerich / Promo

Mittlerweile haben sich im nördlichen der beiden Gebäudeteile die Reisesuchmaschine Kayak und die Softwarefirma Perdoo niedergelassen. Auch Zalando hat sich hier im Rahmen seines Campus Flächen gesichert. In der südlichen Halle stehen künftig rund 2100 Quadratmeter auf zwei Etagen für Konzerte, Konferenzen, Ausstellungen und Firmenevents zur Verfügung, 1700 Menschen können hier feiern oder arbeiten. Ein internationales Team kümmere sich um die Planung, hieß es.

Das Konzept "Bahnhof als Location" gibt es auch in Kreuzberg

Der Konzertbetrieb soll 2020 so richtig anlaufen, wenn die Räume auch dafür fertiggestellt sind. Für den Herbst kann sich Jill Schwiegershausen ein Oktoberfest vorstellen, vielleicht werde man auch einen Weihnachtsmarkt organisieren.

Alte Bahnhöfe als Kultur- und Eventlocations – dass das Konzept aufgehen kann, zeigt etwa die Station Berlin am Gleisdreieck. 1875 wurde hier der Dresdener Bahnhof eröffnet, von 1907 an nutzte die Post das Areal 90 Jahre lang. Heute finden hier auf 23 000 Quadratmetern Events wie die Digitalkonferenz Re:publica und verschiedene Messen statt.

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