Sonniges Wetter am Alexanderplatz. Foto: Hauke-Christian Dittrich/dpa
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Berlin-Alexanderplatz Sieben Stunden in der Sonne arbeiten

Miriam Dahlinger
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Wer auf dem Alexanderplatz arbeitet, kann sich kaum vor der Hitze schützen. Es gibt keinen Schatten.

Die Hitze knallt schon vormittags um elf Uhr unerbittlich auf den Alexanderplatz. Schatten sucht man vergebens. Wo normalerweise Touristen geschäftig durcheinanderwuseln und Fotos vor der Weltzeituhr oder dem Fernsehturm machen, ist heute kaum etwas los. Nur um Kerek Kaynak hat sich eine kleine Schlange an Menschen mittleren Alters gebildet. Sie tragen praktische Sandalen, kurze Sommerkleider oder Shorts und wedeln sich mit bunten Fächern Luft zu.

Hitze ist schlecht fürs Geschäft

Der 47-jährige Kaynak trägt kurze Hosen, einen knallroten Sonnenhut und ein breites Lächeln im Gesicht. Er verkauft Tickets für die Hop-on-hop-off-Busse, die Touristen kreuz und quer durch die Hauptstadt karren. „Bevor es zu heiß wird, wollen die Menschen noch möglichst viel von Berlin sehen“, erklärt er den Andrang auf die frühen Stadtrundfahrten. Ab mittags sehe das schon anders aus, da sei die Hitze geradezu tödlich fürs Geschäft. „Der heißen Mittagssonne will halt niemand direkt ausgesetzt sein und unsere bunten Doppeldeckerbusse haben ja leider kein schattenspendendes Sonnendach“, sagt er.

Kaynak selbst steht in diesen Tagen täglich sieben Stunden in der Sonne. Die Luft flimmert unerbittlich über dem Alexanderplatz. Mittlerweile komme er aber mit den ungewöhnlich hohen Temperaturen gut zurecht, sagt der Ticketmann. Er nimmt die Hitze gelassen: „Alles super, so kann ich wenigstens an meiner Anfängerbräune arbeiten.“

Zum Beweis hebt er die nackten Beine in die Luft. Außerdem sei es in der Türkei, wo er geboren wurde, noch wesentlich heißer. „Wo ich herkomme, ist es im Sommer eigentlich täglich über 40 Grad Celsius.“

Bevor die Touristen schwitzend in den Rundfahrt-Bus steigen, gibt ihnen Kerek Kaynak noch etliche Tipps, wo man am Zielort im Schatten gemütlich Currywurst essen könne. Wurststände gibt es zwar auch am Alexanderplatz. Jedoch bleibt hier die Kundschaft bisher noch aus. „Die Leute essen bei dieser unglaublichen Hitze ja fast nichts“, schimpft ein Verkäufer und wendet dabei energisch eine Bratwurst auf seinem Rost. „Hier am Grill ist es besonders unerträglich heiß“, klagt er. „Da hilft alles nichts, nur viel trinken und hoffen, dass es endlich mal kühler wird.“

Schwitzen unter schusssicheren Westen

Ordentlich heiß wird es an diesem Rekordsommertag auch unter einer schusssicheren Weste, weiß Polizist Mirco W. „Wir sind zum eigenen Schutz angehalten, die Weste nicht abzunehmen“, sagt der Polizeibeamte. Aber schon ohne Hitze ist die Polizeiarbeit hier wahrlich kein Vergnügen. „Wir sind immer im Einsatz, da gibt es keine Pause. Mittags mal nach Hause zu fahren, ist bei unserem Job nicht drin.“

Mircos Arbeitszeiten variieren je nach Einsatzlage. Jedoch müssten die Kollegen im Funkwagen trotz der Hitze oftmals zehn bis zwölf Stunden arbeiten. „Das ist natürlich nicht angenehm, aber wir erfüllen hier eben unsere Pflicht“, sagt Mirco W. Und sein Kollege fügt noch hinzu: „Aber wenn wir Glück haben, ist unser nächster Einsatzort irgendwo, wo es gut klimatisiert ist.“ Der Beamte lacht. Hoffentlich gibt es dort Anlass, etwas länger zu bleiben. Miriam Dahlinger

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