Eislaufen auf 18 mal sieben Metern in der Halle am Berghain. Foto:

Berghain Berlins kleinste Eislaufbahn

In dem legendären Technoclub am Ostbahnhof kann man jetzt Schlittschuh laufen. Bahn und Lichteffekte sind jedoch gewöhnungsbedürftig, findet unsere Autorin.

Sonntagnachmittag im Berghain, auf dem Mainfloor geben sie jetzt nochmal alles, gedämpftes Wummern dringt aus dem Technotempel. Ein Großvater mit zwei Enkeln sucht den Eingang. Nein, sie sind natürlich nicht hier, um bis Kitabeginn am Montagmorgen um acht Uhr durchzumachen. Im Berghain – oder vielmehr in der Halle am Berghain, die sich im nördlichen Teil des graubraunen Betonwürfels befindet – kann man jetzt Schlittschuhlaufen, Eintritt ab drei Jahren. Ein Gag, den sich die Macher des derzeit an mehreren Orten stattfindenden CTM-Festivals für „abenteuerliche Musik und Kunst“ ausgedacht haben.

Seit Jahren schon habe man ein Event auf einer Schlittschuhbahn machen wollen, erzählt Jan Rohlf, einer der drei Festivalchefs. Doch alle Bahnen hätten bislang abgelehnt. „Die hatten wohl Angst, dass wir ihr Publikum vergraulen.“ Schließlich hatte jemand im Team die Idee: Wir machen einfach unsere eigene Schlittschuhbahn. Und das Berghain sagte zu.

„Wir wollten etwas, das einfach Spaß macht“

In den 20 Jahren seines Bestehens hat sich das CTM zum festen Termin für Techno-Nerds und Freunde experimenteller Klänge entwickelt. Naturgemäß trifft man hier viele Expats, die wiederum sehr kleine Mützen und sehr große Daunenjacken tragen. Auf den Konzerten, bei den Partys, Installationen und Performances landet niemand zufällig. Ein Lollapalooza der Clubszene ist es nicht, eher eine Art Proseminar – mit so seriösem, exklusivem Anspruch, dass man selbst von regelmäßigen Clubgängern oft nur ein „CTM-was?“ zurückbekommt. Aber von der Eishalle, ja, davon haben selbst Großeltern und Enkel gehört.

„Wir wollten etwas, das einfach Spaß macht“, erklärt Jan Rohlf. „Wofür man kein Vorwissen braucht, wo man die Kinder mitbringen kann.“ Früh übt sich, wer ein Berghain-Stammgast werden will.

Den Haupteingang, vorbei an Tür-Gott Sven Marquardt, müssen sie dafür nicht nehmen. Rein geht es auf der anderen Seite, Ecke Rüdersdorfer Straße, vorbei an der martialischen Soundinstallation „Mantis“ von Nik Nowak und die Treppe hoch in die eigentliche Halle. Hier macht sich ein wenig Ernüchterung breit: Dies ist nicht nur Berlins neueste Schlittschuhbahn, sondern wahrscheinlich auch die kleinste. 18 mal sieben Meter, mehr passen nicht zwischen die Pfeiler. Und das angekündigte Synthetikeis entpuppt sich als weißes Hartplastik. Echtes Eis hätte die Statik des ehemaligen Fernheizwerks nicht mitgemacht. „Auf dem Synthetikeis kann man aber auch ganz normal Schlittschuhlaufen“, versichert Jan Rohlf.

Von Trap und Afrohouse bis Ambient

Die Leute, die nun auf vor Ort geliehenen Schlittschuhen über die Oberfläche staken, sehen das wahrscheinlich ein bisschen anders. Das Synthetikeis bietet kaum Widerstand gegen die Kufen, es ist schlichtweg zu glatt. Immer wieder plumpst jemand hin, den Kindern macht das naturgemäß am wenigsten aus.

Also vielleicht lieber auf das Rahmenprogramm konzentrieren. „Last Christmas“ und Helene Fischer muss man hier nicht fürchten. Jeden Tag legen DJs auf, die Bandbreite reicht von Trap und Afrohouse bis zu Ambient. Allerdings gehen die Sets immer erst um 18 Uhr los, vorher muss man sich mit dem repetitiven Sound von „Mantis“ begnügen, der nach oben in die Halle schallt.

Und die Installation von Christopher Bauder? Zur Erinnerung: Das ist der Berliner Lichtkünstler, der immer wieder mit spektakulären Aktionen in Erscheinung tritt, unter anderem mit der Lichtgrenze zum 25. Jahrestag des Mauerfalls. Nun, auch da hatte man sich vielleicht etwas mehr erhofft. An einer Längsseite der Schlittschuhbahn sind LED-Röhren wellenförmig arrangiert, die bunten Lichter pulsieren im Takt der Musik. Das ist ganz nett anzusehen, vielleicht für ein Stündchen, während man am heißen Kakao von der Bar nippt. Aber nicht bis morgens früh um acht.

Am Wriezener Bahnhof, bis 10. Februar, tgl. 16-24 Uhr, So 14-22 Uhr, Mo geschlossen. Eintritt fünf Euro, Ausleihe zwei Euro. Freier Eintritt für CTM-Besucher. Infos unter www.ctm-festival.de.

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