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Ein Zimmer des Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf ist über Nacht komplett ausgebrannt. Foto: Fabian Sommer/dpa
© Fabian Sommer/dpa

Bei Brand im Berliner Behring-Krankenhaus Personal rettete durch „vorbildhaftes Handeln“ Leben

Mindestens ein Patient ist beim Feuerausbruch in der Berliner Klinik gestorben. Ohne die schnelle Evakuierung wären es wohl viel mehr gewesen.

Schon bei der Anfahrt hätten die ersten Feuerwehrleute, die zum Helios Klinikum Emil von Behring eilten, die Flammen gesehen. Sie hätten weit sichtbar aus einem Fenster im zweiten Stock des Krankenhauses gelodert, berichtete ein Sprecher der Berliner Feuerwehr dem Tagesspiegel. Am Morgen des Karfreitags, 2. April, um 3.54 Uhr hatte die Brandmeldeanlage der Klinik Alarm ausgelöst; neun Minuten später, um 4.03 Uhr, war das erste Löschfahrzeug der Wache Zehlendorf vor Ort.

Eine Minute später folgte der Einsatzleitwagen, kurz darauf auch Wagen aus Steglitz und Lichterfelde. Um 4.09 Uhr war die erste Drehleiter auf dem Klinikgelände. Der Brand war im zweiten Stock des Hausteils D in einem Patientenzimmer ausgebrochen; hier befinden sich die Stationen 24 und 25 der Pneumologie, die Lungenheilkunde. Während die Feuerwehr den Brand bekämpfte, begannen die Klinikmitarbeiter mit der Evakuierung der Patienten.

Die Feuerwehr konnte fünf Personen auf der Brandetage retten. Der mutmaßliche Bewohner des Patientenzimmers konnte dagegen nur tot geborgen werden. “Die Ermittler gehen davon aus, dass es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um den 69-jährigen Patienten, der in dem Zimmer untergebracht war, handelt”, sagte eine Polizeisprecherin am Mittwoch. Die endgültige Identifizierung sei jedoch noch immer nicht erfolgt, erst eine Obduktion könne die Identität des Toten abschließend klären.

Es sind noch weitere Tote zu beklagen. “Noch in der Brandnacht verstarb ein evakuierter Palliativ-Patient, der sich im Sterbeprozess befand”, sagte Klinikum-Sprecher Christoph Kolbe auf Nachfrage des Tagesspiegels. Ein dritter Patient, der laut Klinik ebenfalls bereits im Sterben lag, war wahrscheinlich bereits vor Ausbruch des Feuers tot; die Polizei hat ein Todesfallermittlungsverfahren eingeleitet.

Am Mittwoch teilte das “Emil von Behring” mit, dass über die Ostertage “zwei schwerstkranke Krebs-Patient:innen”, die aus dem Haus D hatten evakuiert werden müssen, verstorben seien. “Ob hier ein Zusammenhang mit dem Brandgeschehen besteht, wird derzeit noch untersucht”, sagte Christoph Kolbe.

Das Personal hat die 70 Menschen im Haus D schnell evakuiert

Wie es den Verletzten gehe – laut Polizei wurden beim Brand sechs Menschen verletzt, drei davon mussten mit schweren Rauchgasvergiftungen intensivmedizinisch behandelt werden – teilte der Sprecher nicht mit. Er verwies auf die Persönlichkeitsrechte der Patienten.

Gesundheitsstadträtin Carolina Böhm (SPD) drückte gegenüber dem Tagesspiegel ihr Mitgefühl für die Angehörigen der Toten aus.

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Dass direkt durch den Brand nur eine Person umgekommen ist, ist wohl zu großen Teilen dem Klinikpersonal zu verdanken. “Das gesamte Haus D wurde von den diensthabenden Nachtdiensten aller Fachbereiche entsprechend der Notfall- und Brandschutzpläne evakuiert”, sagte Klinikumsprecher Kolbe. Siebzig Menschen aus der ersten bis vierten Etage des Hauses, darunter auch Kinder und Jugendliche, seien in andere Teile der Klinik verlegt worden. “Das Personal war auf solche Vorfälle vorbereitet: In unserer Klinik finden jährliche verpflichtende Unterweisungen statt”, führte er aus.

Menschenleben gerettet

“Wir sind davon überzeugt, dass das Krankenhauspersonal durch vorbildliches Handeln in den frühen Morgenstunden des Karfreitags Menschenleben gerettet hat”, sagte der Sprecher der Feuerwehr fünf Tage nach dem Brand dem Tagesspiegel. Binnen kürzester Zeit rund 70 Patientinnen und Patienten zu verlegen, “ist unter diesen Umständen ein enormer Kraftakt und bedarf hoher Disziplin und Koordination”.

Jetzt hat die Aufarbeitung des Feuers begonnen. “Wir sind erschüttert und bedauern zutiefst, dass ein Patient aufgrund des Brandes ums Leben gekommen ist”, schreibt Christoph Kolbe in einer Stellungnahme. “Wir sind allen Ersthelfer:innen sowie allen diensthabenden Kolleg:innen zu großem Dank verpflichtet”, fährt er fort. Alle hätten besonnen reagiert und “mit vollem persönlichen Einsatz dafür Sorge getragen, weiteren Schaden abzuwenden”.

Für Patienten wie Beschäftigte stünden die Krankenhausselsorge, der psychologische Dienst und auch die Geschäftsführung und die Pflegedirektion für Gespräche bereit. Auch “konkrete psychosoziale Angebote” seien gemacht worden. Sein Fazit: “Trotz der Ereignisse und der damit verbundenen Belastung verkraften die Teams die Situation insgesamt gut.”

Die Polizei schließt ein Eigenverschulden nicht aus

Aktuell fänden erste Aufräum- und Sanierungsarbeiten statt. Der Krankenhausbetrieb geht weiter. “Vereinzelt” seien Patienten, die in den ersten Tagen nach Ostern stationär aufgenommen werden sollten, kontaktiert und “individuell beraten” worden, so das Krankenhaus. Nicht aufschiebbare Behandlungen, wie ambulante Chemotherapien, würden durchgeführt.

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Gesundheitsstadträtin Carolina Böhm bestätigte am Mittwochnachmittag, dass die Rettungsstelle des Behring geöffnet sei und die Bürgerinnen und Bürger das Krankenhaus aufsuchen könnten. Der Betrieb laufe schon wieder weitgehend normal. Durch den Brand sei Haus D nur eingeschränkt nutzbar, “dies führt insgesamt zu einem etwas geringeren Angebot an stationären Betten”. Bevor der Krankenhausalltag in den betroffenen Bereichen von Haus D wieder aufgenommen werden könne, “findet in jedem Falle eine Abnahme durch das Gesundheitsamt statt”.

Zu den Ursachen des Brandes wollten sich gegenüber dem Tagesspiegel weder Feuerwehr noch Krankenhaus äußern. Die Ermittlungen dazu, wie es zum Feuer im Patientenzimmer habe kommen können, dauern noch an. Es werde in alle Richtungen ermittelt, sagte die Sprecherin der Polizei, “ein Eigenverschulden kann nicht ausgeschlossen werden”.

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