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Wenige Tage vor dem Finale haben die Handwerker noch reichlich zu tun: Fliesen legen, Wege pflastern, Arbeiten auf dem Dach und in der Konditorei. Foto: Kai-Uwe Heinrich
© Kai-Uwe Heinrich

Bauarbeiten in Berlins Mitte Bleibt die Staatsoper eine ewige Baustelle?

Insider zeigen sich entsetzt über die Zustände auf der Baustelle der Staatsoper. Eine Genehmigung zur Aufnahme des Spielbetriebs fehlt auch noch.

Am 7. Dezember feiert die Staatsoper Unter den Linden 275-Jähriges. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller kommt, Ex-Bundestagspräsident Norbert Lammert auch. „Ein Heldenleben“ von Richard Strauss wird gegeben. Aber das will so gar nicht passen zur Pannenchronik samt nachfolgendem Untersuchungsausschuss dieses Sanierungsvorhabens: Und auch zwei Monate nach dem konzertanten „Präludium“ ist das alte Haus ein Unvollendetes. Kurz vor der offiziellen Einweihung liegt nicht einmal die förmliche Genehmigung zur Aufnahme des Spielbetriebs vor. Die Liste der Mängel ist lang. Trotzdem will die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung das Haus der Pannen möglichst schnell loswerden – und der Staatsoper überlassen.

Die Übergabe soll bereits am kommenden Mittwoch erfolgen, bestätigte die Senatsverwaltung für Bauen. Ein Besuch Unter den Linden wirft aber die Frage auf: Wer wird dann die Heerscharen von Bauarbeitern anleiten, die an der Spielstätte noch im Einsatz sind? Die Staatsoper selbst hat keine Bauabteilung, die Senatsverwaltung für Kultur ebenso wenig. Noch ist das Gebäude vollständig umzäunt. Bauarbeiter kleben Fenster ab, streichen Rahmen und pflastern aufgerissene Gehwege. Auf der Rückseite des Hauses sind reihenweise graue Baucontainer in die Höhe gestapelt. Nicht mal die neue aufwändige Dachkonstruktion ist vollendet: Gerüste stehen auch da noch. Zutritt auf die streng bewachte Baustelle gewähren die Sicherheitsleute nicht.

Haustechnik laufe nicht störungsfrei

Eine, die in dieser Woche in der Oper war, ist „entsetzt“ über das Ausmaß der noch unerledigten Arbeiten: Sabine Bangert ist Vorsitzende des Kulturausschusses im Abgeordnetenhaus und war Mitglied des Untersuchungsausschusses zur Staatsoper. Sie nennt es „höchst fraglich“, ob das Haus in diesem Zustand zum Monatsende überhaupt übergeben werden kann. „Teilweise fehlen Toiletten und Duschen, Garderoben für die Künstlerinnen können noch nicht genutzt werden“. Die Haustechnik laufe nicht störungsfrei. Der Kassenbereich seien nicht fertig. Die „Konditorei“ gleiche mehr einer Baustelle als einem Catering-Bereich. Vor allem in nicht öffentlich zugänglichen Bereichen wirke vieles noch lange nicht fertig. Dabei sei das unabdingbar, damit der Spielbetrieb funktioniert.

Wurden vielleicht die Bauten im öffentlichen Bereich vorgezogen um den Eindruck einer vollendeten Sanierung zu erwecken – ist die Staatsoper ein Haus im Potemkinschen Dorf? Der Bauherr dementiert entschieden: „Das Gebäude sowie die technischen Anlagen haben sich bereits in der Eröffnungswoche im Oktober bewährt und als funktionsfähig erwiesen“, heißt es auf Anfrage bei der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Dass Besucher berichten, es ziehe wie Hechtsuppe auf der Bühne und die Tänzer bekämen kalte Füße, kommentiert die Verwaltung so: „Die Klimatechnik des Hauses läuft in ihren Grundeinstellungen“. Die „Komforteinstellungen“ würden erst noch „schrittweise einjustiert“. Fliesenarbeiten und fehlende Handläufe an Geländern würden bis kommenden Montag gelegt und montiert. Und überhaupt: „Grundsätzlich werden alle Leitungen, welche noch nicht endmontiert sind, bis zur Übergabe des Gebäudes gesichert beziehungsweise final angeschlossen“.

Betrieb als öffentliche Spielstätte noch nicht genehmigt

Gesichert? Das klingt vage genug und sogar die Verwaltung räumt ein, dass Teile des Hauses eben doch erst nach der Abnahme fertig werden. Die Kassenhäuschen zum Beispiel. Von Tücken bei der Technik ist die Rede, so dass sich die Mitarbeiter möglicherweise mit Geldkassette und Klappstühlen werden behelfen müssen. Die Senatsverwaltung sagt dazu nur: „Die Möbeleinbauten werden im Dezember fertig“.

Bei der Staatsoper selbst heißt es auf Anfrage zurückhaltend: „Wir und alle anderen wollen die Spielzeit normal abwickeln“, so der geschäftsführende Direktor Ronny Unganz. Auf die Frage, ob die Staatsoper die Spielstätte übernimmt, sagt er ausweichend: „Wir sind eine Oper und keine Baudienststelle“, letztlich hänge diese Entscheidung davon ab, unter welchen „Auflagen“ dies geschehe. Dass der Betrieb als öffentliche Spielstätte noch nicht genehmigt ist, bestätigt er. Notfalls könne die Staatsoper aber wie beim „Präludium“ im Oktober mit der bestehenden vorläufigen Genehmigung spielen. Brandschutz und Sicherheit der Zuschauer seien gewährleistet.

Kulturpolitikerin Bangert aber fordert: „Wir stehen in Verantwortung gegenüber der Staatsoper, der wir ein funktionierendes Haus übergeben müssen, auch gegenüber dem Bund, der 200 Millionen für die Sanierung beigesteuert hat“. Bisher seien 400 Millionen Euro in die Sanierung des Opernhauses geflossen. Geplant waren ursprünglich 239 Millionen Euro. Und der Spielbetrieb sollte eigentlich längst laufen – seit vier Jahren.

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