Die Hohenzollerngruft befindet sich im Untergeschoss des Berliner Doms. Christophe Gateau/dpa Foto: Christophe Gateau/dpa
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Bauarbeiten im Berliner Dom Sanierung der Hohenzollerngruft beginnt

Verena Mayer

Ab dem 1. März wird die Grabstelle der Hohenzollern für drei Jahre umgebaut. Neben umfassenden Renovierungsarbeiten sollen die Räume barrierefrei werden.

Die Hohenzollerngruft im Berliner Dom wird für umfangreiche Bau- und Renovierungsmaßnahmen geschlossen. Die Arbeiten beginnen am 1. März und sollen im Frühjahr 2023 abgeschlossen sein. In dieser Zeit soll die Grabstätte in Anlehnung an historische Pläne umgebaut und saniert werden.

Zudem soll die touristische Infrastruktur des gesamten Untergeschosses, in der sich auch Besucher-WC, Shop und Café befinden, barrierefrei ausgebaut und erneuert werden.

Die Kosten belaufen sich nach derzeitigem Stand auf rund 17,3 Millionen Euro. 10 Prozent übernimmt die Domgemeinde, die als Inhaberin der Gruft auch Bauherr ist. Den Rest teilen sich Bund und das Land Berlin. Ein Teil der Kosten wird aus privaten Spenden der Cornelsen Kulturstiftung finanziert.

Neuer Eingang und mehr Informationen

Bislang kamen Besucher erst am Ende ihrer Tour auf dem Weg zum Ausgang durch die Gruft. In Zukunft gibt es einen gesonderten Eingang über die Predigtkirche im nordöstlichen Teil des Doms.

Dies entspricht den historischen Gegebenheiten, denn früher gelangte man über die an der Nordseite gelegene Denkmalskirche in die Gewölbe. Nachdem diese 1975 auf Beschluss der DDR-Führung abgerissen wurde, wurde auch der Eingang verlegt.

Ein sogenannter „Schwellenraum“ soll inhaltlich und emotional auf den Besuch der Gruft einstimmen. Rund 80 Prozent der Gäste kommen aus dem Ausland. Viele seien aus anderen Kulturkreisen und mit den deutschen Bestattungsriten nicht vertraut, sagte Ausstellungskuratorin Birgit Walter. In der Ausstellung sollen kulturelle Aspekte und der sich wandelnde Umgang mit Leben und Tod thematisiert werden.

Die vielen Kindersärge machen traurig

Daneben wolle man auch auf historische Entwicklungen wie beispielsweise Kindersterblichkeit eingehen. Viele Besucher seien angesichts der vielen Kindersärge sehr betroffen, sagte Walter. Daneben geht es auch um die Geschichte der Gruft und der Hohenzollernfamilie.

Im Zuge der Umbauarbeiten wird auch die Grabanordnung geändert. Bisher waren die Särge in Gruppen aufgestellt und durch Gitter abgetrennt. In Zukunft werden sie, wie es früher der Fall war, in Reihen zwischen den Säulen aufgestellt.

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Man wolle sich mehr an familiären Zusammenhängen orientieren, sagte der verantwortliche Architekt Gerhard Schlotter. Eltern sollen dann beispielsweise neben ihren Kindern liegen. Daneben wird es ein neues Lichtkonzept und eine Klimaanlage geben, um die Särge vor Schimmel und Verfall zu schützen.

Geschichtliche Aspekte berücksichtigen

Bei der Gestaltung der Gruft habe man sich eng mit den Hohenzollern abgestimmt, sagte der Vorsitzende des Domkirchenkollegiums, Stephan Harmening. Die Särge sind als Teil der Innenausstattung des Doms rechtlich im Besitz der Domgemeinde.

Dennoch war es den Bauherren wichtig, die Familie mit einzubeziehen. „Schließlich liegen hier ihre Angehörigen“, sagte Harmening. Die Ursprünge der Gruft gehen zurück ins 16. Jahrhundert, als Kurfürst Joachim II. die Gewölbe unter der ehemaligen Dominikanerkirche am Schlossplatz zur Grabstätte seiner Familie machte.

90 Särge der Hohenzollernfamilie aus 500 Jahren sind in der Gruft bestattet. Foto: Christophe Gateau/dpa Vergrößern
90 Särge der Hohenzollernfamilie aus 500 Jahren sind in der Gruft bestattet. © Christophe Gateau/dpa

90 Angehörige aus dem Hause Hohenzollern sind in den Räumen unterhalb des Berliner Doms bestattet, unter ihnen König Friedrich I. und Königin Sophie Charlotte. Die Särge waren nach dem langwierigen Wiederaufbau des Doms im November 1999 erstmals öffentlich zugänglich.

Besucher schätzen Ruhe und Einkehr

Im letzten Jahr besuchten rund 765.000 Menschen den Dom und die Gruft. Das sei ein Besucherrekord, wie Pressesprecherin Svenja Pelzel sagte. Für die Zukunft rechne man mit weiterem Zuwachs, vor allem wenn gegenüber das Humboldtforum eröffne.

Die Gruft sei ein Ort des Glaubens und der Einkehr, sagte Domprediger Michael Kösling. „Wir haben hier als Kirche einen Schatz, der die existenzielle Dimension des Menschen berührt.“ Der Umbau der Gruft biete nun Gelegenheit, diesen Schatz aufzupolieren und ins Rechte Licht zu rücken.

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