Freie Fahrt voraus. Foto: imago stock and people
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Bahnverkehr in Berlin-Brandenburg Auf der Schiene bleibt die Einheit aus

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Die Mauer ist gefallen, doch zusammengewachsen sind Ost und West zumindest auf den Schienen noch nicht. An verschiedenen Orten sieht der Fahrgastverband Igeb Nachholbedarf.

Auch 10.317 Tage nach den ersten Löchern in der Mauer ist die Stadt auf der Schiene noch immer nicht zusammengekommen. Nach Ansicht des Fahrgastverbandes Igeb fällt die Bilanz zwiespältig aus: Viel sei zwar geschafft worden – aber vieles, was im Zweiten Weltkrieg, in der Zeit danach und durch den Mauerbau zerstört worden ist, sei noch nicht wieder aufgebaut, sagte der Igeb-Vorsitzende Christfried Tschepe am Dienstag – einen Tag nach dem so genannten Zirkeltag.

Die Bahn und vor allem der Bund haben nach der Einheit weit mehr als zehn Milliarden Euro in die Stadt gesteckt. Profitiert hat vor allem der Fern- und Regionalverkehr mit dem Bau des Nord-Süd-Tunnels und den Stationen Hauptbahnhof, Südkreuz und Gesundbrunnen sowie dem Bahnhof Spandau. Auch S-Bahn-Strecken zwischen Ost und West sowie dem Umland wurden wieder aufgebaut.

Doch obwohl der Bund versprochen hatte, das Netz, das durch die Mauer auseinandergerissen worden war, weitgehend wieder herzustellen, warten Velten, Falkensee oder Rangsdorf noch immer auf die rot-gelben Wagen. Vor allem Velten sei jetzt am Zug, sagte Tschepe.

"Zielnetz" für die Straßenbahn

Schnell müssten auch alle noch eingleisigen Strecken, von denen die S-Bahn besonders viele besitzt, ein zweites Gleis erhalten. Doch selbst für den nur knapp einen Kilometer langen Abschnitt zwischen dem Potsdamer Hauptbahnhof und Babelsberg dreht sich das Rad nur ganz langsam. Nach derzeitigem Stand werde das Gleis erst 2019/20 liegen, sagte Tschepe.

Wiederaufgebaut werden soll nach Ansicht der Igeb auch die Siemensbahn von Jungfernheide nach Gartenfeld und später weiter zur Wasserstadt sowie die Friedhofsbahn von Wannsee nach Stahnsdorf und weiter bis Teltow.

Innerstädtisch müsse es für die Straßenbahn ein „Zielnetz“ geben, damit künftig benötigte Trassen nicht verbaut und Brücken so geplant werden, dass auf sie auch Tramgleise passen. Negatives Beispiel sei die im Dezember 2017 eröffnete Minna-Todenhagen-Brücke über die Spree in Schöneweide.

Bei der U-Bahn soll es nur noch Netzverküpfungen geben. Größtes Tunnelbauprojekt der nächsten Jahre werde aber der Weiterbau der S-Bahn-Strecke S 21 vom Hauptbahnhof zum Potsdamer Platz sein. Eine Kostenschätzung zu den Plänen, die noch weiter reichen, hat die Igeb nicht ermittelt.

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