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Gemeinsam nach Stettin wollen Bahn, Berlin und Brandenburg, hier bei der Vertragsunterzeichnung 2020. Foto: DB / Oliver Lang
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Bahnstrecke nach Polen soll schon 2025 fertig sein Ein Jahr schneller nach Stettin

Der Ausbau der Eisenbahnstrecke nach Polen soll ein Jahr schneller fertig werden, nämlich schon 2025. Dies sagte Bahnvorstand Ronald Pofalla am Dienstag beim Start der Bauarbeiten. 

Der Ausbau der Gleise zwischen Berlin und Stettin ist das wichtigste Projekt im Bahnverkehr zwischen Polen und Deutschland. Nun kommt Tempo in die Sache: Statt 2026 sollen nun schon 2025 die ersten Züge mit Tempo 160 fahren. Dies kündigte Bahnvorstand Ronald Pofalla am Dienstag beim symbolischen ersten Spatenstich in Angermünde an. Man habe die Bauplanung beschleunigt, sagte Pofalla.

Die 49 Kilometer lange Strecke wird zweigleisig für Tempo 160 ausgebaut, elektrifiziert und mit dem neuen europäischen Signalsystem ETCS ausgerüstet. Die Fahrzeit zwischen Berlin und Stettin verkürzt sich dann um 20 auf künftig 90 Minuten. Da bei den meisten Verbindungen derzeit in Angermünde umgestiegen werden muss, verkürzt sich die Fahrt für sehr viele Fahrgäste sogar um 30 Minuten. Ab 2025 soll es wesentlich mehr durchgehende Züge geben. 

Der Ausbau kostet 600 Millionen Euro, von denen Berlin und Brandenburg jeweils 50 Millionen Euro zuschießen. Es gibt aber Hoffnung, dass die EU diesen freiwilligen Anteil der Länder ganz oder teilweise übernimmt. Für die EU-Kommission genießt die Strecke Priorität, da sie zum "Transeuropäischen Vorrangkorridors Nordsee Baltikum“ gehört. Dies ist wichtig für den Güterverkehr, hat aber auch praktischen Nutzen für Berliner: Die Fähren nach Schweden ab Swinemünde lassen sich dann schneller und bequemer erreichen.  

Noch ist die Strecke weitgehend eingleisig, und dies 31 Jahre nach der politischen Wende. Die DDR hatte nur das 19 Kilometer lange Stück Angermünde nach Passow ausgebaut, weil dort das Gleis in die damals republikwichtige Raffinerie Schwedt abzweigte. Die restlichen 30 Kilometer wirken wie eine idyllische Nebenstrecke irgendwo und nicht wie der Anschluss der deutschen Hauptstadt an die Ostsee.

Wegen Mängeln an den Gleisen müssen die Züge seit Jahren auf einem langen Abschnitt auf Tempo 50 abbremsen. Die scheidende Berliner Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) sprach es am Dienstag offen aus, wer bislang gebremst habe: die Deutsche Bahn. Diese sei lange "sehr verhalten bei dem Projekt" gewesen, habe "zum Glück aber die Meinung geändert". Auch Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke sagte, dass "vieles viel zu lange gedauert" habe. Wie berichtet, kam erst Bewegung in die Sache, nachdem beide Länder eine Kostenbeteiligung zugesichert hatten.

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Eine gute Nachricht gab es auch aus Polen. Arnold Bresch, Vorstand für Investitionen bei der polnischen Staatsbahn PKP, sagte am Dienstag, dass auch die letzten zehn Kilometer von der Grenze bis Stettin-Gumience ein zweites Gleis bekommen werden. Zuletzt hatte es Gerüchte gegeben, dass Polen sich das zweite Gleis sparen will. 

Auch nach der Feier in Angermünde bleibt die Frage offen, welche Züge auf der neuen Strecke fahren werden. Benötigt werden Eloks, die beide Stromsysteme "vertragen". Diese sind aber noch nicht bestellt, hier wird die Zeit knapp, warnen Experten. 

So rumpeln die Züge nach Stettin, das Bild entstand aus dem Führerstand eines Zuges in Stettin Gumience. Foto: Jörn Hasselmann Vergrößern
So rumpeln die Züge nach Stettin, das Bild entstand aus dem Führerstand eines Zuges in Stettin Gumience. © Jörn Hasselmann

Für Pendler und Touristen hat der Ausbau zunächst wenig Nachteile. Im ersten Bauabschnitt wird der Abschnitt nach Passow erneuert, zum Teil benötigen die Züge länger. Hart kommt es dann 2024: Dann wird der 30 Kilometer lange Abschnitt von Passow bis zur Grenze für 16 Monate gesperrt, Fahrgäste müssen dann in den Bus umsteigen oder über Pasewalk einen weiten Umweg fahren. 

Die fünf Stationen Passow, Schönow, Casekow, Petershagen und Tantow werden modernisiert. Die Bahnübergänge an der Strecke werden nicht beseitigt, dies ist erst bei Streckengeschwindigkeiten über 160 bindend vorgeschrieben. Im Sommer hatte es auf dem polnischen Abschnitt einen schweren Unfall mit einem Lastwagen gegeben. 

Die Strecke nach Stettin Grafik: DB Vergrößern
Die Strecke nach Stettin © Grafik: DB

Wie berichtet, ist die Eisenbahnfahrt von Brandenburg nach Polen nur auf wenigen Strecken möglich, bald aber soll über Guben eine neue eröffnet werden

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