Am autofreien Sonntag 1973 schwangen sich die Schöneberger Sängerknaben aufs Rad. Foto: picture alliance / Chris Hoffman
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Autofreier Sonntag 1973 Als die Autos in den Garagen blieben

Wegen der Ölkrise sollten die Bürger 1973 Sprit sparen. So wurde ein Familienausflug zum besonderen Abenteuer. Ein persönlicher Blick zurück.

Sonntägliche Verwandtenbesuche zählten einst im vorpubertären Alter in der Regel nicht zu den beliebten Aktivitäten am Wochenende, wenn es dort keine gleichaltrigen Cousins und Cousinen gab.

Was hatte man dann schon am Montag den Freundinnen in der Schule zu erzählen? Wen interessierten Kakao und Kuchen? Und erst recht Kirchenlieder, die bei einigen Verwandten an der Kaffeetafel abgesungen wurden? Also schnell wieder vergessen, der nächste Sonntag würde besser werden.

Aber dieser eine Besuch brannte sich für immer ins Gedächtnis ein. Das lag weniger an den Gastgebern noch an der Qualität der Torten. Der Weg dorthin war das Besondere an diesem vom Wetter her unfreundlichen Sonntag in der Vorweihnachtszeit.

Der Termin bei der Verwandtschaft war schon Wochen vorher ausgemacht worden. Zu diesem Zeitpunkt war noch nicht klar, dass wir nicht in unser Auto steigen und über die Autobahn die knapp 70 Kilometer von Mülheim/Ruhr nach Langenfeld fahren würden.

Da fährt der Chef noch Bus. Klaus Schütz, damals Regierender Bürgermeister, und seine Frau Heide steigen an einem autofreien Sonntag 1973 ein. Foto:Chris Hoffmann/ picture alliance / dpa Vergrößern
Da fährt der Chef noch Bus. Klaus Schütz, damals Regierender Bürgermeister, und seine Frau Heide steigen an einem autofreien Sonntag 1973 ein. © Chris Hoffmann/ picture alliance / dpa

Denn an diesem Sonntag wie auch an drei weiteren mussten die Autos stehen bleiben. Das Schreckgespenst „Ölkrise“ war allgegenwärtig. Die arabischen Staaten hatten infolge des Jom-Kippur-Kriegs die Erdölfördermengen gesenkt; die Bevölkerung sollte weniger Sprit verbrauchen. Deswegen waren vier autofreie Sonntage angeordnet worden.

Der dunkelgrüne VW-Kombi blieb also in der Garage. Unsere Familie machte sich auf zum Bahnhof. Zu Fuß. Zum ersten – und rückblickend einzigen – Mal sollten wir gemeinsam Eisenbahn fahren.

Und es war sogar ein sogenannter D-Zug, der richtige Abteile hatte. Wir fünf besetzten also eins dieser Abteile, und wir Kinder fühlten uns ziemlich großartig. Die Stunde Zugfahrt war ein unvergessliches Abenteuer. An die Kuchen bei den Verwandten erinnere ich mich nicht.

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