Kaum Krach und obendrauf eine Wiese: Der Charme des Deckels. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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Autobahn Fast alle Fraktionen wollen den Deckel

Hamburg hat ihn, Berlin will jetzt auch. Im Verkehrsausschuss bestand Konsens: Der Deckel eröffnet viele Möglichkeiten.

Gut eine halbe Stunde dauerte die Diskussion im Verkehrsausschuss, dann wurde abgestimmt. Alle Fraktionen außer der AfD stimmten für den Antrag der Koalition, der Senat solle aufgefordert werden, eine Überdeckelung von Teilen der Stadtautobahn zu prüfen. "Es zeichnet sich hier ein Konsens ab, dass die autogerechte Stadt der sechziger und siebziger Jahre überholt ist", konstatierte der SPD-Abgeordnete Daniel Buchholz zu Beginn der Debatte. Man solle sich sämliche Infrastrukturflächen der Stadt unter dem Aspekt anschauen, ob sie sich zur Überbauung eignen. "Wir haben hier eine Jahrhundertchance, die wir nutzen sollten", so Buchholz. Die A 100 müsse in Charlottenburg sowieso saniert werden, hier sollte man gleich schauen, ob sich dabei nicht neuer Stadtraum gewinnen lasse, "wo bisher eine laute, stinkende Autobahn die Stadt zerschneidet." Laut Buchholz rede man hier über einen dreistelligen Millionenbetrag.

Hamburg hat den Deckel bereits an drei Stellen seiner Stadtautobahn geschaffen und damit einen großen Erfolg erzielt, insbesondere ist es jetzt für die Anwohner flüsterleise, und die Luft ist auch besser. Die Berliner Grünen hatten sich das Hamburger Projekt im vergangenen Sommer angeschaut und waren begeistert. In Berlin würde das jede Menge Möglichkeiten bieten - sei es, dass Kleingärten darauf angesiedelt werden könnten, Parks und Grünanlagen, oder auch Neubauten, je nach Tragkraft. Jedenfalls könnte der Deckel Ausweichfläche für Kleingärten bieten, deren Areale eigentlich als Baulandreserve vorgesehen sind. Hamburg hat allerdings seine Autobahnen verbreitert; Berlin strebt das nicht an. Die Linke ist trotz wachsender Stadt sogar für einen teilweisen Rückbau auf vier Spuren.

Senat will lieber Einzelprojekte als einen Masterplan

Linke und Grüne waren sich einig, dass der Deckel ein begrüßenswerter Versuch sei, die "Wunden der autogerechten Stadt zu heilen", die FDP stellte einen Änderungsantrag, um den Wortlaut anzuschärfen, den Senat also zum Handeln zu bringen. Dieser wurde angenommen.

Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) äußerte sich skeptisch, dass ein Riesenprojekt mit Masterplan zu stemmen sei; immerhin gebe es in Berlin theoretisch 500 Kilometer bebaubare Verkehrsfläche. Sie sei deshalb dafür, sich auf Pilotprojekte zu konzentrieren, die auch von der Exekutiven her machbar wären, und daraus zu lernen und Erfahrungen zu ziehen.

Es geht bei der ganzen Diskussion um Autobahnen in Trogbauweise, praktisch ein Tunnel ohne Dach, dem ein Dach mit Abluftanlagen und Luftfiltern aufgesetzt würde. Der Britzer Autobahntunnel ist ein Beispiel dafür, wie das aussehen könnte. Über der Autobahn ist eine Grünanlage mit Spielplätzen und Radweg. Der Stadtentwicklungsausschuss hat sich bei einer Dienstreise nach Barcelona ein ähnliches Projekt angeschaut.

Einzelne Bezirke sind auch dafür

Die Bezirksverordnetenversammlungen von Reinickendorf befasst sich ebenfalls mit der Deckelung der Autobahn, Tempelhof-Schöneberg hat sich bereits dafür ausgeprochen.

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