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Eine Hebamme wiegt im Rahmen der Nachsorge ein Baby - zugegeben, eine gestellte Szene. Julian Stratenschulte/dpa
© Julian Stratenschulte/dpa

Exklusiv Ausbau der Ausbildung Zahl der Studienplätze für Hebammen in Berlin steigt

In Berlin werden mehr Hebammen ausgebildet. Doch ob die Zahl der Fachleute für Geburtshilfe reichen wird, ist ungewiss.

In Berlin ist die Zahl der Studienplätze für Hebammen zuletzt gestiegen. An der Evangelischen Hochschule gab es im vergangenen Jahr 150 Studienplätze, vor sechs Jahren waren es noch 70. Ausgebaut wurden auch die Kapazitäten der landeseigenen Klinikkonzerne Vivantes und Charité: An der Vivantes-Hebammenschule waren es zuletzt 90, an der Charité 72 belegte Studienplätze. Vivantes und die Universitätsklinik arbeiten nun enger zusammen, ab sofort wird die Ausbildung am gemeinsamen „Bildungscampus für Gesundheitsberufe“ absolviert.

Die Zahlen stammen aus einer Antwort von Wissenschaftsstaatsekretär Steffen Krach (SPD), die dem Tagesspiegel vorliegt. Die Frage dazu hatte der Abgeordnete Adrian Grasse gestellt. Der Wissenschaftsexperte der CDU-Fraktion sagte: „Es ist richtig, die Qualität der Ausbildung weiter zu stärken. Die hohen Bewerberzahlen, die seit Jahren sowohl für Ausbildung- als auch Studienplätze um ein Vielfaches höher liegen als die vorgehaltenen Plätze, zeigen zwar die Attraktivität des Berufsbildes. Sie machen aber deutlich, dass die Akademisierung der Hebammenausbildung nicht die alleinige Antwort auf den akuten Personalmangel sein kann.“

So sei die nachträgliche Qualifizierung „altrechtlich ausgebildeter Hebammen“ zu klären, sagte Grasse. Im September 2019 hatte der Bundestag das Gesetz zur Reform der Hebammenausbildung verabschiedet. Angehende Hebammen absolvieren nun ein duales Studium – mit Wissenschafts- und Praxisausbildung.

Das Studium wird mit einem Bachelor und einer staatlichen Prüfung abgeschlossen. Staatssekretär Krach rechnet für die Studienplätze mit anhaltend hoher Nachfrage, auch weil die traditionellen Berufsausbildungen zur Hebamme auslaufen.

Klinikleiter und Berlins Senat sprachen in den letzten Jahren von einem Hebammenmangel. Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) hatte deshalb eine digitale Plattform zur Vermittlung von Hebammen in Auftrag gegeben, um die Fachkräfte „effizienter und zuverlässiger an schwangere Frauen und Familien“ zu vermitteln.

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Ab diesem Jahr erhalten Krankenhäuser bundesweit Zusatzmittel, wenn sie Hebammen neu einstellen. So soll die Personalnot in den Kreißsälen gelindert werden. Angestrebt wird, dass dort eine Hebamme pro Schicht für maximal zwei Schwangere zuständig ist.

In Berlin-Tempelhof teilte das St. Joseph-Krankenhaus, eine der bekanntesten Geburtskliniken der Stadt, am Mittwoch mit, dass 2020 die Zahl der dort geborenen Babys gestiegen sei, 4343 Kinder kamen demnach in dem Haus zur Welt. Mehr Geburten fanden in den Vivantes-Kliniken und der Charité statt. Deren Jahreszahlen sind noch nicht öffentlich. Aus den Krankenhäusern ist zu hören, dass man weitere Geburtshelferinnen suche.

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