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Aus Spielsucht Berliner Buchhalterin verzockt 1,4 Millionen Euro

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Um am Online-Glücksspiel teilzunehmen, vergriff sich eine Buchhalterin fast 400 Mal am Geld ihrer Arbeitgeber - bis die Kanzlei mit acht Mitarbeitern pleite war.

Das Spiel mit dem Glück begann als Spaß am Abend. 20 Euro setzte Jeannette N. ein und verfolgte gespannt die Kugel beim Roulette. Sie setzte anfangs auf „rot“ oder „schwarz“ und gewann auch mal ein paar Euro. „Ich wollte eigentlich nur gewonnenes Geld verspielen, nicht meinen Einsatz“, sagte die Finanzbuchhalterin am Montag vor dem Amtsgericht Tiergarten. Doch sie habe nicht aufhören können und deshalb Straftaten begangen. 396 Mal vergriff sie sich am Geld ihrer Arbeitgeber und zweigte insgesamt fast 1,4 Millionen Euro für sich ab.

Die Angeklagte, eine 45-jährige Mutter eines Sohnes, befindet sich seit sechs Monaten in Untersuchungshaft. Die Anklage lautet auf Untreue und Betrug, gewerbsmäßig begangen. Jeannette N. war Angestellte einer Anwaltskanzlei, als sie im August 2012 erstmals ihre „gewonnenen Erkenntnisse und erteilten Befugnisse“ ausnutzte und Geld auf ein eigenes Konto umleitete.

Bis die Firma pleite war

Falsch- und Umbuchungen wurden ihr Metier. Bis Ende 2014 waren es den Ermittlungen zufolge genau 881 699 Euro, die sie in der Kanzlei für sich abzweigte. Bis die Firma mit acht Mitarbeitern pleite war. „Das brachte ich aber nicht mit mir in Verbindung“, behauptete Jeannette N. nun und beschrieb sich immer wieder als Opfer des Online-Zockens. „Das Casino meldete sich auch bei mir, schenkte mir nach Verlusten Geld.“ Das habe sie eingesetzt und verloren. „Ich bin spielsüchtig.“

Jeannette N. will ihr kriminelles Treiben verdrängt und das Zocken vor der Familie verheimlicht haben. Nachts sei sie mit ihrem Laptop in die Küche gegangen und habe sich bei einem Online-Glücksspiel eingeloggt. Stets sei es Roulette gewesen. „Man wagt immer mehr.“ Einmal habe sie 20 000 Euro gewonnen und sofort verzockt, einmal 40 000 Euro in einem Urlaub.

Drei Arbeitgeber – zwei Kanzleien und eine Sicherheitsfirma – schädigte sie laut Ermittlungen. Dass es sich um eine Millionensumme handelt, habe sie erst hinterher begriffen. „Ich bin geschockt“, so die Frau. Ihr Lebensgefährte und das gemeinsam gekaufte Häuschen hätten mit den Taten nichts zu tun. Der Prozess wird am 26. März fortgesetzt.

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