Beim Netzfest am Gleisdreieckpark lässt sich mit Hilfe der richtigen Software vieles ausprobieren. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
© Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Auftaktveranstaltung zur re:publica Digitales für den Laien auf dem Netzfest in Berlin

Vor der re:publica wird an diesem Wochenende das Netzfest gefeiert. Mit Bastel-Workshops, Vorträgen und Tipps fürs Internet.

Das Hirn ist nachtragend. Wenn es das Wort Bibliothek hört, denkt es an lange Bücherregale, harte Studierstühle und tief in ihre Lektüre versunkene Menschen. Zumindest für Charlottenburg-Wilmersdorf stimmt das so nicht mehr. „Wir haben I-Pads, Gaming Zones und leihen Tolinos aus“, sagt der Bibliotheksleiter Andres Imhof. Es gebe eine Virtual-Reality-Brille für Reisen durchs Weltall und jede Menge Bequemlichkeit. „Wir haben massiv Sofas aufgestellt.“

Die Berliner Bibliotheken sind im digitalen Zeitalter angekommen, daran kann seit Samstag kein Zweifel mehr sein. Beim Netzfest am Gleisdreieck-Park, der Auftaktveranstaltung zur Digitalmesse re:publica, präsentieren sich traditionelle Bildungsinstitutionen neben privaten Initiativen, die das Betriebssystem Linux bewerben oder gegen Antisemitismus und Rassismus kämpfen, wie die „Omas gegen Rechts“. Das Netzfest bietet auch viele Vorträge im beheizten Zelt, noch bis Sonntagnachmittag, und ist anders als die re:publica kostenlos.

2018, beim ersten Netzfest im Vorfeld der Messe, kamen 10 .000 Besucher. Diesmal werden es wegen der Kälte wohl weniger sein. Dabei finden die meisten Mitmach-Angebote in den Ladehallen des Technikmuseums statt. So der Workshop der Technologiestiftung Berlin: „Gestalte deine eigene LED–Leuchtblume“, der hat nicht viel mit dem Internet zu tun, kommt aber gut an. Sechs Jungs sitzen am Basteltisch, der 14-jährige Younes hat mit Büroklammern einen Schaltkreis auf Pappe geklebt und bekommt ein Extra-Lob.

Für Kinder ist auch das Tonstudio interessant, in dem sich Songs komponieren lassen. das nennt sich „Musik-Makerspace“. Draußen zeigt der Verein Audiyou, wie man Hörspiele produzieren und ins Netz hochladen kann, Youtube für die Ohren. Man kann sich auch in ein fertiges Hörspiel hineinmogeln, das ähnelt Karaoke. Leider funktioniert das Internet gerade nicht, das Ausprobieren fällt aus.

Michael aus Tempelhof, aufgewachsen vor dem Internetzeitalter, ist zufällig vorbeigekommen, er macht sich Sorgen wegen des neuen Artikels 13 in der EU-Urheberrechtsrichtlinie, die Sache mit den Uploadfiltern. „Man hat sich ja daran gewöhnt, dass alles kostenfrei ist“ – könnte sich bald ändern. Auch die Datensicherheit beschäftigt ihn. Von Facebook und Twitter hat er sich komplett verabschiedet, außerdem nutzt er einen Browser, der sich keine Seitenaufrufe merkt. Valentin, 21, Werkzeugmacher-Azubi, trägt einen Refugees-welcome-Kapuzenpulli und passt damit gut zum lockeren Image der Bloggerszene, dabei begleitet er nur seine Freundin, die für die Tincon-Messe arbeitet, die sich an Jugendliche wendet und parallel zur re:publica stattfindet.

Valentin interessiert sich für die Werbestrategien der Plattformen wie Amazon oder Google, dazu soll um 15 Uhr ein Vortrag laufen: „Warum Werbung wieder cool ist“, nur leider hat der Referent abgesagt. Ein bisschen größer hatte sich Valentin das Netzfest vorgestellt, tatsächlich wäre noch Platz für weitere Aussteller. Dafür gibt es keine Schlangen an den Imbissbuden. Auch am Sonntag stehen interessante Vorträge auf dem Plan: Instagram für Anfänger, Strategien gegen Cybermobbing und ein Interview mit einer Fridays-for-Future-Aktivistin. Thomas Loy

Netzfest am Gleisdreieck, Ostpark, Eingang am Technikmuseum. Das Programm im Netz: 19.netzfest.de/de/schedule

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