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Im Osten Berlins soll es bald mehr Arztpraxen geben. IMAGO
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Update Arztpraxen äußerst ungleich verteilt Berliner Osten soll bis zu 130 neue Hausärzte bekommen

In Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Lichtenberg fehlen Praxen. Die Kassenärztliche Vereinigung will mit Millionen-Hilfen nun Mediziner ansiedeln.

Bis zu 130 neue Hausärzte, so der ehrgeizige Plan, sollen sich im Osten Berlins niederlassen. Das zumindest möchte der Chef der zuständigen Kassenärztlichen Vereinigung (KV), Burkhard Ruppert, weil in vielen Kiezen im Osten zunehmend Praxen fehlen. Ruppert sagte am Montag auf einer Veranstaltung in Marzahn aber auch, dieser Prozess werde viele Jahre brauchen. Die KV will dazu ab 2022 bis zu 21 Millionen Euro investieren.

Die KV plant dabei auch, selbst Gemeinschaftspraxen zu gründen – also dort als Organisation wirtschaftlich tätig zu werden, wo dies Ärzte als Einzelunternehmer bislang kaum getan haben. Zudem will die KV wie angekündigt Zuschüsse an selbstständige Ärzte zahlen.

Alle bisherigen Versuche hatten "noch nicht die gewünschten Effekte erzielt; bisher haben sich auf die rund 130 offenen Hausarztsitze nicht ausreichend Niederlassungswillige beworben", schreibt die KV in ihrem aktuellen Mitgliederblatt. Nun werde mit diversen Anreizen nachgeholfen, damit sich Ärzte in unterversorgten Bezirken niederlassen: "Gefördert werden die Kosten der Praxisübernahme mit bis zu 60.000 Euro."

Kommen die Polikliniken zurück?

Vergangenes Jahr war bekannt geworden, dass von Berlins Hausärzten bis 2025 circa ein Drittel, also rund 800 Mediziner, das Rentenalter erreichen wird. Zudem wollen junge Mediziner aller Disziplinen seltener als Selbstständige in einer Einzelpraxis arbeiten, sondern eher als Angestellte. Dies könnte nun in den KV-eigenen Praxen erfolgen, die dann wie die einstigen Polikliniken fungieren. In der DDR waren Polikliniken wohnortnahe Ärztezentren für ambulante Patienten, dort arbeiteten allerdings meist Ärzte aus drei bis vier Disziplinen.

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Blick von Marzahn-Hellersdorf nach Berlin-Mitte. Kitty Kleist-Heinrich Vergrößern
Blick von Marzahn-Hellersdorf nach Berlin-Mitte. © Kitty Kleist-Heinrich

Die KV ist kein privatwirtschaftlicher Verband, sondern eine Körperschaft öffentlichen Rechts. Ihr müssen alle 7200 Ärzte sowie 2800 Psychotherapeuten angehören, die in ihren Praxen gesetzlich Versicherte versorgen. Die mächtige KV verwaltet für die Ärzte die Honorare der Krankenkassen autonom, der Senat hat nur die Oberaufsicht.

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KV-Chef Ruppert stellte die Pläne in Marzahn auf Einladung des örtlichen CDU-Bundestagskandidat Mario Czaja vor. Czaja und die Bürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf, Dagmar Pohle (Linke), diskutierten im Anschluss auf einer Bürgerversammlung über die medizinische Versorgung.

Wie berichtet hatte die KV vergangenes Jahr angekündigt, die Verteilung grundsätzlich verbessern zu wollen. Weil im Westen Berlins seit Jahrzehnten pro Kopf mehr Mediziner arbeiten als im Osten, sollten neue Hausarztsitze nur für Lichtenberg, Marzahn-Hellersdorf und Treptow-Köpenick vergeben werden. Diese Regelung gelte, bis sich die Versorgung angeglichen habe, Grundlage sind die auf Basis örtlicher Sozialdaten errechneten Versorgungsgrade.

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Wie gut ein Bezirk mit Praxen ausgestattet ist, wird dabei in Prozent angegeben. Bei den Hausärzten lag der Versorgungsgrad für Gesamtberlin vergangenes Jahr bei 108,5 Prozent, allerdings sind es in Marzahn-Hellersdorf 90,3 Prozent, in Lichtenberg 84 Prozent und in Treptow-Köpenick 81 Prozent – dagegen 135 Prozent in Charlottenburg-Wilmersdorf.

In den KV-Plänen wird Berlin seitdem in drei Gebiete geteilt: Erstens der gut versorgte Westen sowie Pankow, Friedrichshain und Mitte; zweitens Marzahn-Hellersdorf und Lichtenberg; drittens Treptow-Köpenick.

Ein Versorgungsgrad von 75 Prozent gilt gesundheitspolitisch als unzureichend. Weil sich immer weniger Mediziner mit eigener Praxis niederlassen wollen, wäre der Grad insbesondere in Berlins Südosten bald erreicht, sollten KV und Landespolitik nicht gegensteuern.

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