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Gerade verlegt, schon beschädigt. In Berlin-Schöneberg erinnern die Stolpersteine an die Arztfamilie Davidsohn. Foto: Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg
© Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg

Antisemitismus in Berlin Frisch verlegte Stolpersteine in Schöneberg beschädigt

Erst am Donnerstag sind drei neue Stolpersteine in Schöneberg verlegt worden. Nur einen Tag später wurden sie zerkratzt und mit Säure besprüht.

Seit Donnerstagmorgen erinnern an der Crellestraße 1in Berlin-Schöneberg vier Stolpersteine an die jüdische Arztfamilie Davidsohn, die von den Nationalsozialisten verfolgt und ermordet worden waren. Bereits am selben Nachmittag wurden die dort abgelegten Blumen beseitigt. Am späten Freitagnachmittag entdeckte dann die Koordinatorin für die Stolpersteine im Bezirk, dass die Erinnerungssteine stark beschädigt waren. Sie waren zerkratzt und mit Säure besprüht worden. Der polizeiliche Staatsschutz ermittelt jetzt.

Die Tat muss tagsüber begangen worden sein; und es ist nicht das erste Mal, dass an dieser Stelle das Gedenken an jüdische Menschen beschädigt wurde. Denn die Mitarbeiterin des Bezirksamts war noch am Freitagvormittag am Ort und hat ein Foto von den Steinen gemacht, die an diesem Vormittag noch von einer Spezialfirma poliert worden waren.

Am Donnerstag waren drei Steine verlegt worden; ein vierter lag dort bereits seit März 2019. Auch dieser Stein wurde damals nach wenigen Monaten beschädigt und später ersetzt.

Der Bildungsstadtrat von Tempelhof-Schöneberg, Matthias Steuckardt (CDU), zeigte sich "besonders entsetzt und schockiert" darüber, dass eine solche Tat am helllichten Tag auf einer doch ziemlich belebten Straße verübt wurde. "Als wir die Steine am Donnerstagmorgen verlegten, hielten ständig Menschen an, um zu schauen", sagte Steuckardt. Die Tatzeit zeige, dass sich der Täter ziemlich sicher gefühlt haben müsse. Zudem sei es auch auffällig, dass bereits zum zweiten Mal dort die Gedenksteine beschädigt wurden.

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Steuckardt hat sich am Samstagvormittag selber ein Bild von den beschädigten Steinen gemacht. Sie seien inzwischen ein wenig gereinigt worden; auch habe jemand erneut Blumen niedergelegt.

Der erste Stolperstein erinnert seit März 2019 an die Kinderärztin Erna Davidsohn. Eine Spende ermöglichte es dem Bezirk, jetzt auch Steine für ihre Eltern Heinrich und Martha Charlotte sowie ihre Schwester Ilse setzen zu lassen.

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Als sie aufgrund ihrer jüdischen Abstammung nicht mehr arbeiten durfte, half sie vielen jüdischen Kindern, indem sie sie auf den Transporten ins sichere Ausland begleitete. Sie selbst kehrte jedes Mal wieder zurück nach Berlin und versuchte vergeblich, für sich und ihre Schwester eine Ausreisegenehmigung nach Schweden und die USA zu erhalten.

Beide wurden 1943 nach Auschwitz deportiert, die Schwester wurde sofort ermordet. Erna Davidsohn wurde als Lagerärztin eingesetzt und starb unter den katastrophalen Bedingungen. Ihre Mutter war bereits 1942 nach Theresienstadt deportiert und dort ermordet worden. Der Vater, ebenfalls Arzt, war ebenfalls vom Berufsverbot betroffen und verstarb 1940.

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