Rückkehrer aus Risikoregionen werden am Flughafen Tegel getestet, andere Passagiere müssen sich bei Bedarf an Arztpraxen wenden. Foto: Britta Pedersen/dpa
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Angriff auf Mitarbeiterin der Charité Coronatests am Flughafen Tegel nach Übergriff abgebrochen

Am Flughafen Tegel verlangt eine Familie, die nicht aus dem Urlaub kommt, einen Coronatest. Die Lage eskaliert, ein Charité-Team zieht kurzfristig aus Tegel ab.

In Berlin sind Mitarbeiter einer Corona-Teststelle tätlich angegriffen worden – sie verließen aus Sicherheitsgründen ihren Einsatzort am Flughafen Tegel. Nach Tagesspiegel-Informationen hat sich eine Familie, die am Flughafen umgehend einen Test auf das Coronavirus verlangte, mit Mitarbeitern der Universitätsklinik Charité gestritten. Die Familie hatte demnach keinen Anspruch auf einen Test, weil sie sich schon neun Tage in Berlin aufhielt; zuvor soll sie in der Türkei gewesen sein. Die Teststelle ist nur befugt, Heimreisende zu testen – für Rückkehrer aus Risikogebieten besteht dabei eine Pflicht.

Familienvater stieß Corona-Helferin weg

Das zuständige Charité-Vorstandsmitglied, Ulrich Frei, sagte: „Am heutigen Sonntag kam es zu einem Zwischenfall mit tätlichem Angriff auf Mitarbeiter der Teststelle. Grund war die Nicht-Durchführung eines Corona-Tests bei einer Person, die keinen Anspruch darauf hatte. Die Situation eskalierte leider.

Daraufhin haben wir die gemeinsame Teststelle von Charité und Vivantes um 18 Uhr für den Rest des Tages geschlossen.“ Er selbst, sagte Frei, habe die am Sonntag freiwillig im Dienst befindlichen Mitarbeiter schützen müssen. „Ab Montagmorgen wird die Teststelle wieder regulär ihren Betrieb aufnehmen.“

Nach Tagesspiegel-Informationen hatte der Familienvater wegen der am Montag beginnenden Kita seiner Kinder einen Test verlangt und während des Streits eine Charité-Mitarbeiterin in ein Absperrgitter gestoßen. Vor Ort waren auch Helfer der ebenfalls landeseigenen Vivantes-Kliniken. Die für den Flughafen zuständige Bundespolizei kennt den Vorfall, verwies aber ans Land. Berlins Polizei bestätigte den Fall.

Wurden Spanien-Heimkehrer nicht getestet?

Nach 18 Uhr landeten in Tegel am Sonntag planmäßig sechs Flüge aus Spanien, einem Risikogebiet. Schon zuvor hatten die Tests für Urlauber für Debatten und Unmut gesorgt. Trotz der Testpflicht für Reisende aus Risikogebieten sollen Rückkehrer laut „Bild am Sonntag“ am Freitagabend nicht auf das Coronavirus getestet worden sein. Als eine Maschine mit 170 Reisenden aus Mallorca ankam, sei das Testzentrum auf dem Flughafen bereits geschlossen gewesen.

Spanien war – mit Ausnahme der Kanarischen Inseln– wenige Stunden zuvor als Risikogebiet eingestuft worden. In einem anderen Fall berichteten Leser dem Tagesspiegel, dass sie am Samstagabend nach einem Aufenthalt im spanischen Andalusien weder am Flughafen noch am Zentralen Omnibusbahnhof getestet werden konnten.

Charité-Vorstandsmitglied Frei teilte zum Angriff am Sonntag und zum „Bild“-Bericht mit: „Derartige Vorfälle sowie irreführende Pressemeldungen, in denen behauptet wird, dass am Freitag um 21 Uhr keine Tests mehr durchgeführt worden wären, gefährden das gesamte Teststellenkonzept sowie die Gewinnung von freiwilligen Mitarbeitern.“

Streit um Zuständigkeiten - Kliniken, Praxen oder Ämter?

In Berlin streiten Kliniken, Praxisärzte und Gesundheitsämter darüber, wer die Tests durchführen soll. Noch werden sie größtenteils von Charité- und Vivantes- Fachleuten absolviert, da die landeseigenen Kliniken vom Senat dafür eingesetzt werden konnten.

Die entsprechende Verordnung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) bleibt dazu vage. Formal wären für ambulante Tests eigentlich keine Klinikmediziner, sondern niedergelassene Ärzte oder Gesundheitsämter zuständig. Letztere sind derzeit vor allem gefordert, Kontaktpersonen von Sars- Cov-2-Infizierten zu finden.

Im Zuge der Probleme an bayerischen Corona-Teststationen sind immer noch nicht alle positiv Getesteten gefunden: Von 46 fehlte auch am Sonntag noch jede Spur. Bei 903 der insgesamt 949 nachgewiesenen Infektionen wurden die Betroffenen inzwischen ermittelt und – mit teils wochenlanger Verzögerung – informiert. Bei 46 sei dies bisher nicht gelungen, teilte Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) am Sonntag mit.

Grünen-Chef Robert Habeck warf Bund und Ländern als „schweres Versäumnis“ vor, nicht gut genug auf Urlaubsende und Schulstart vorbereitet zu sein.

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