Matthias Andrae koordiniert seit 12 Jahren die Aufräumarbeiten nach dem 1. Mai und anderen Großereignissen. Helena Piontek
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Am Morgen nach dem 1. Mai BSR sammelt 170 Kubikmeter Müll

Manche sagen, das Beste am 1. Mai ist die Stadtreinigung, die alles wieder sauber macht. Matthias Andrae koordiniert den großen Aufwasch seit 12 Jahren.

Wer frühmorgens am 2. Mai in Kreuzberg unterwegs ist, begegnet nicht vielen Menschen. Die Straßen sind leer, der Berufsverkehr steht noch aus. Es ist sechs Uhr morgens, Matthias Andrae lässt seinen Blick über den Kreuzberger Mariannenplatz schweifen und nickt zufrieden: "Eigentlich schon ziemlich sauber." Seit 42 Jahren arbeitet Matthias Andrae bei der Berliner Stadtreinigung (BSR), seit 12 Jahren leitet er als Gesamteinsatzleiter genau solche Großlagen wie die Aufräumarbeiten nach dem 1. Mai.

103 Mitarbeiter sind in Kreuzberg im Einsatz

170 Kubikmeter Müll sammelten Andrae und seine Kollegen, 20 Kubikmeter mehr als im vergangenen Jahr. Schon am Morgen nach dem großen Trubel ist davon kaum noch etwas zu sehen. Die erste Tour in Kreuzberg beginnt um 1 Uhr in der Skalitzer Straße, die zweite dann ab 2 Uhr auf dem Gelände des Myfestes, dann wenn auch die letzten Feiernden nach Hause gegangen sind. Und um 5.42 Uhr startet dann der ganz normale Schichtdienst. Bereits am Vorabend sind BSR-Beschäftigte bei der Demo in Friedrichshain im Einsatz gewesen. 103 Mitarbeiter arbeiten die Nacht in Kreuzberg durch, noch einmal rund 30 fegten die Scherben und Pyrotechnik-Abfälle der "Revolutionären 1. Mai Demonstration" beiseite, insgesamt 60 Fahrzeuge reinigten die verschmutzten Straßenzüge in Friedrichshain und Kreuzberg.

Kaum waren die Demonstranten am 1. Mai von der Straße, begannen die Mitarbeiter der BSR mit ihrer Arbeit. Helena Piontek Vergrößern
Kaum waren die Demonstranten am 1. Mai von der Straße, begannen die Mitarbeiter der BSR mit ihrer Arbeit. © Helena Piontek

Matthias Andrae ist seit Mitternacht im Einsatz, viel Schlaf hatte er nicht in den vergangenen Tagen. Besonders müde sieht der er trotzdem nicht aus. "Der 1. Mai ist zwar anstrengend, aber man lernt auch immer dazu", erzählt der 58-Jährige. Zum Beispiel über das Abfallbewusstsein von Besuchern und Betreibern: "Wir hoffen ja immer, dass die Abfallmengen irgendwann mal dauerhaft rückläufig sind. Und dann stellen wir fest: selbst wenn sie in einem Jahr mal rückläufig waren, steigen sie im nächsten Jahr wieder an."

Die Planung für den 1. Mai 2020 beginnt diese Woche

In den Supermärkten sei es den Leuten wichtig, keine Plastiktüten zu kaufen, auf dem Myfest achte kaum einer darauf, weniger Müll zu produzieren. Wenn die fliegenden Händler fertig sind, lassen einige den Abfall einfach an Ort und Stelle liegen. Und manch ansässiger Gastronom nutzt den Trubel, um seinen Müll kostenlos auf der Straße zu entsorgen. "Dieses Fest hat mit Müllvermeidung wenig zu tun", sagt Andrae. Weil das Maifest als politische Veranstaltung eingestuft wird, bezahlt die Stadt den Abwasch, am Ende also jeder Berliner.

Kein normaler Partyabfall: Auch die Händler lassen ihren Müll oft zurück. Foto: BSR Vergrößern
Kein normaler Partyabfall: Auch die Händler lassen ihren Müll oft zurück. © BSR

Ein weiteres Problem: Plastikbecher und Glasflaschen. Denn neben normalen Abfällen machen vor allem Einwegplastikbecher ein Großteil der Müllmenge aus. "Es müsste konsequenter an einem Konzept gearbeitet werden, wie man Abfall stärker vermeiden kann", sagt Andrae über die Situation im und um das Myfest, Mehrwegbecher und ein vernünftiges Pfandsystem könnten eine Lösung sein.

Und obwohl in diesem Jahr der Verkauf von Glasflaschen in weiten Teilen Kreuzbergs eigentlich verboten war, lag auf den Straßen des Myfests aber vor allem auch an den Müllbrennpunkten haufenweise zerbrochenes Glas auf den Straßen und Gehwegen. Das Schlesische Tor ist so ein Brennpunkt, der Görlitzer Bahnhof ein anderer. Oder der Bereich rings um den Görlitzer Park. Im Park selbst sei die Mülllage aber entspannter gewesen: "Der Anteil an Verschmutzung war in diesem Jahr sogar geringer, als bei MyGörli letztes Jahr."

Dennoch: Obwohl durch das Myfest eine begrenzte Feierzone definiert ist, verteile sich das Treiben jährlich weiter über Kreuzberg. "Viele nutzen die Chance, auch außerhalb des Maifestes zu feiern oder Getränke zu verkaufen. Wir haben dadurch in fast ganz Kreuzberg eine flächendeckende Verschmutzung." Auf der kleinen Fläche ist das dort sogar mehr Müll als in der Silvesternacht.

Ganz sauber sollen die Straßenzüge dann wieder Freitag sein. Dann, wenn übrigens auch schon die Planung für den 1. Mai 2020 beginnt.

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