Gemeinsam siegen. Die inklusive Sportgruppe der Lebenshilfe beim Training. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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Aktionstage "Gemeinsame Sache" Lebenshilfe feiert Internationales Sportfest

Lena Völkening
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Die Lebenshilfe bereitet das Internationale Sportfest im Jahnpark vor – noch fehlen Helfer. Denn rund 1000 Sportler werden zum Fest erwartet.

Die Frage, ob man nur über eine Treppe in die Turnhalle der Leo-Lionni-Grundschule kommt, ist donnerstags wichtig. Dann trainieren hier im Wedding zwei Gruppen des Sportclubs Lebenshilfe, und ein Sportler ist Rollstuhlfahrer. Die Turnhalle aber ist, wie so viele Schulen, U-Bahnhöfe und Wohngebäude, nicht barrierefrei. Der junge Mann wird donnerstags die Treppe hochgetragen.

Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene trainieren hier gemeinsam. In der Turnhalle laufen und fahren sie im Kreis, zum Aufwärmen. Ihr Trainer Florian, von der Arbeit direkt hierhergekommen, steht am Rand und feuert sie an.

Am Rand sitzt Geschäftsführer Mario Greßmann und zählt auf, wie viele Menschen sein Verein allein an diesem Tag in ganz Berlin in Bewegung bringt: rund 120, in 21 verschiedenen Sportgruppen, in mehreren verschiedenen Stadtteilen. Die meisten von ihnen haben eine geistige Behinderung, bei einigen kommt eine körperliche hinzu. Einige schwimmen, einige machen Fitness, einige trainieren mit ihren Kollegen direkt in ihrer Werkstatt. Insgesamt sind im Verein 800 Sportlerinnen und Sportler in rund 60 Sportgruppen aktiv. Um denen allen ein regelmäßiges Training zu bieten, braucht es viele ehrenamtliche Übungsleiter. Mindestens zwei Trainer leiten jeweils eine Sportgruppe gemeinsam. Doch die Ehrenamtlichen sind, erzählt Greßmann, gar nicht so einfach zu finden.

"Das Angebot in Berlin ist riesig"

„Früher waren viele Studenten unter den Übungsleitern.“ Jetzt, glaubt Greßmann, haben die Studierenden vielleicht durch die straffen Bachelor-Studiengänge nicht mehr genug Zeit oder ziehen schneller wieder in eine andere Stadt. „Außerdem ist das Angebot hier in Berlin riesig“, sagt er. Wer sich ehrenamtlich engagieren will, könnte auch vieles anderes tun.

„Es ist nicht so, dass keiner Interesse hätte“, sagt Greßmann. Doch es sei einfacher, für einmalige Projekte Helfer zu finden als für die regelmäßigen Trainings. Denn dafür braucht es Ausdauer und Zeit. Gerade bei Menschen mit Behinderung sei Kontinuität wichtig. „Wenn in einer Woche auf einmal ein anderer Trainer als sonst da ist, fragen sie: Ist unser Trainer böse auf uns, oder warum ist er nicht gekommen?“ Übungsleiter brauchen eine Lizenz. Dazu kann man beim Sportclub Lebenshilfe die Ausbildung parallel zu den Trainings machen. Der Sportclub bezahlt die Ausbildung.

Maik, Haktan und Tom (v.l.). Oben: Ezzedine, SCL-Geschäftsführer Mario Greßmann, Angelina, Übungsleiter Florian, Bekir, Übungsleiter David und Artun. Foto: Kai-Uwe Heinrich
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„Die älteste Übungsleiterin bei uns ist 83“, berichtet Greßmann. Sie steht in einem Schwimmbad in Marzahn am Beckenrand. Zwei der jüngsten Trainer sind 16 Jahre alt. Als Übungsleiter lernt man, sich durchzusetzen und eine Gruppe bei Laune zu halten. Trainer Florian in der Turnhalle der Leo-Lionni-Grundschule lässt seine Gruppe jetzt Liegestütze machen. Danach wird Fußball gespielt. Seine Kollegin Joy, eine zierliche Frau mit langem Kleid und langem Kopftuch, steht breitbeinig im Tor. Ein dritter Übungsleiter ist an diesem Tag auch anwesend, David. Der macht selbst auch Leistungssport, sein T-Shirt spannt sich über der Brust. „Wer bei uns als Ehrenamtlicher anfängt, leitet immer zusammen mit einem erfahreneren Trainer eine Gruppe“, sagt Greßmann. Niemand werde ins kalte Wasser geworfen.

Rund 1000 Sportler werden erwartet

Bereits seit 1995 gibt es den Sportclub Lebenshilfe, und in fast allen Stadtteilen trainieren Sportgruppen. Noch länger sogar, nämlich seit 38 Jahren, gibt es das Internationale Sportfest, das in diesem Jahr gleichzeitig mit den Aktionstagen „Gemeinsame Sache“ stattfindet. Eine gute Gelegenheit für Greßmann, dazu aufzurufen, auch hier zu helfen. Denn für das Sportfest sucht er noch Freiwillige, die beim Auf- und Abbau helfen und an den Stationen die Sportler beim Kugelstoßen, Leichtathletik oder Torwandschießen beaufsichtigen und anleiten.

Rund 1000 Sportler werden im Jahn-Sportpark in Prenzlauer Berg erwartet. Ab 11 Uhr ist Einlass, von 13 bis 17 Uhr gibt es Wettkämpfe. Als Highlight bringt Sven Marx, der ein Jahr lang um die Welt geradelt ist, um 15 Uhr die Inklusionsfackel ins Stadion. Anders ist, dass hier jeder eine Urkunde und eine Medaille bekommt. Es geht nämlich nicht ums Gewinnen, sondern darum, dabei sein zu können.

Helfer werden vor allem noch für den Abbau und die Betreuung einzelner Stationen gesucht. Kontakt: sportfest@scl.berlin

Machen Sie mit. Wollen Sie – allein, mit Nachbarn, Freunden oder Ihrer Initiative – mitmachen beim Aktionstag von Tagesspiegel und Paritätischem Wohlfahrtsverband? Alle Aktionen finden Sie hier: www.gemeinsamesache.berlin Dort können Sie auch Ihre eigene Aktion anmelden. Bei Fragen: gemeinsamesache@tagesspiegel.de

Sie alle machen mit:

Jeden Tag stellen wir Ihnen hier Projekte vor, die sich noch Helfer wünschen.

Dialog mit Geflüchteten: Keine Gewalt!

Das preisgekrönte Integrationsprojekt „R.future-TV, Flüchtlinge für Demokratie und Menschenrechte“ engagiert sich für ein friedliches Zusammenleben. Am 8. 9., ist die wöchentliche Diskussionsrunde von 17 bis 19 Uhr für alle Interessierten offen. Kommen Sie mit Menschen aus Syrien, dem Irak oder Afghanistan über Gewalterfahrungen, Männlichkeitsbilder und vieles mehr ins Gespräch.

Ort: Treskowstr. 15–16, 13089 Pankow. Kontakt 0157/52 47 86 52. Anmeldung unter: r.future.tv@gmail.com.

Am Lern- und Gedenkort aufräumen

Am Gedenkort Annedore und Julius Leber soll am 8. 9. gemeinsam Unkraut beseitigt, Müll gesammelt und das Gelände hergerichtet werden. Dazu gibt es Infos über Geschichte und künftige Gestaltung.

Ort: Torgauer Straße 25, 10827 Schöneberg. Kontakt: 78704 050. E-Mail: info@stadtteilvereinschoeneberg.de. www.gedenkort-Leber.de

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