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Viele Begegnungen. Stadtteil-Koordinatorin Swantje Ritter und Volkmar Fritzsche wollen die Menschen in Kontakt bringen. Foto: Paul F. Duwe
© Paul F. Duwe

Aktion „Gemeinsame Sache“ in Berlin-Marzahn Das Quartiersmanagement endet – das Engagement bleibt

15 Jahre lang wurde das QM Mehrower Allee gefördert – bis Ende 2020. Anwohner führen nun das soziale Netz selbst weiter. Corona war eine Bewährungsprobe.

Die Anonymität der Großstadt, die hat Volkmar Fritzsche gespürt, nachdem er 2003 nach Marzahn gezogen war. Dagegen wollte er etwas tun – und engagierte sich als ehrenamtlicher Quartiersrat beim Quartiersmanagement (QM) Mehrower Allee. Hier baute er eine Männergruppe auf – die weiterhin aktiv ist. Auch während der Corona-Beschränkungen trifft sie sich, wie so viele derzeit natürlich virtuell.

Die Gruppe aus sieben, acht Männern besteht seit etwa zehn Jahren. Wie kam es zur Gründung dieser Initiative?

„Viele wissen gar nicht, was hier passiert, man läuft einfach aneinander vorbei“, sagt Fritzsche. Das missfiel dem gelernten Heilerziehungspfleger. „Man muss die Leute an die Hand nehmen und sie direkt ansprechen.“

Beim örtlichen Quartiersmanagement, das unter anderem für die soziale Förderung im Stadtteil zuständig ist, fand der gebürtige Mecklenburger Gleichgesinnte. Das Büro unterstützte ihn beim Druck von Handzetteln und mit Aufrufen im Internet. So kamen aktive Männer zusammen und sprachen „über Gott und die Welt“. Mal ging es um gesundheitliche Fragen, dann wieder um Dinge aus dem Wohnumfeld; alle 14 Tage zwei Stunden lang.

Zum Jahresende 2020 wurde das von der Senatsverwaltung installierte Quartiersmanagement aufgehoben. Die Lage im Gebiet hatte sich deutlich gebessert. Nun mussten die Initiativen alleine zurecht kommen – eine neue Situation. Im Nachhinein sagt Fritzsche: „Das QM war insgesamt gesehen ein großer Erfolg. Man hat sich kennengelernt, und es sind viele Kontakte im Quartier entstanden.“

Was ist nach dem Ende der Förderung geblieben?

Zumal die Kiezarbeit nicht gänzlich sich selbst überlassen wurde. Als Stadtteilkoordinatorin übernahm nämlich Swantje Ritter beim Nachbarschaftszentrum des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in der Sella-Hasse-Straße einige der Aufgaben vom früheren QM.

Die Terrasse beim Nachbarschaftszentrum vom DRK ist ein guter Ort zum Beispiel für die Fête de la musique oder die Sitztanzgruppe der Seniorinnen. Außerdem gibt es dort einen kleinen Fußballkäfig und einen schönen grünen Spielplatz für die Kinder, wenn die Mütter mal bei der Beratung im Haus sind. Seniorentreffen, Tischtennis-Turniere und Musik im Freien finden dort statt.

Die Projektleiterin ist sehr gut vernetzt mit den Akteuren vor Ort, etwa mit den Kontaktstellen dem örtlichen Vermietungsunternehmen Degewo und der Wohnungsgenossenschaft Marzahner Tor, aber auch mit Initiativen wie „Sport im Park“, „3000 Schritte gehen“, „Garten der Begegnung“ und dem „Hochzeitspark“.

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Natürlich unterstützt die Stadtteilkoordinatorin auch die Männergruppe von Volkmar Fritzsche. „Ohne die Ehrenamtlichen geht es nicht“, sagt Ritter. „Wir haben es geschafft, dass keine Lücke entstanden ist“, sagt sie heute über die Sorge nach dem Ende des Quartiermanagements. Mit den Aktiven wie Volkmar Fritzsche schaut Ritter über die alten Grenzen des QM-Gebietes mit seinen 8500 Bewohnern hinaus. Alle, die wollen, können hier gern mitmachen, zum Beispiel bei der Aktion „Nennen Sie uns Ihre Lieblingsorte“, die in Kooperation mit dem Integrationsprojekt „BENN – Berlin entwickelt neue Nachbarschaften“ stattfindet.

Nachbarn kümmern sich in der Pandemie umeinander

15 Jahre lang hat das Quartiersmanagement die soziale Infrastruktur an der Mehrower Allee fester geknüpft. Die Corona-Zeit war dafür nun eine echte Bewährungsprobe. Beim DRK-Seniorentreff wurden Einkaufshilfen organisiert, es gab spezielle Telefonkontakte, ein regelmäßiges gemeinsames Kaffeetrinken im Freien und kleine Gartenkonzerte zur Abwechslung.

„Wir haben gemerkt, wie engagiert die Nachbarn sich umeinander gekümmert haben. Auf diese Solidarität können wir gut aufbauen“, sagt Ritter.

Und natürlich ist die Hoffnung groß, dass die alten „Errungenschaften“ aus der QM-Zeit wie der 2007 gegründete Garten der Begegnung an der Ludwig-Renn-Straße auch wieder ein Ort der unbeschwerten Treffen werden kann.

Gleiches gilt für den Hochzeitspark, der im November 2007 mit den ersten 49 Bäumen an der Alfred-Döblin-Straße aufgebaut wurde und inzwischen auf genau 247 Exemplare angewachsen ist. Bei Anlässen wie Taufen, Eheschließungen oder Firmenjubiläen wurden neue Setzlinge eingegraben – die jährlichen Pflanzfeste waren ein Highlight im Quartier.

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Der Hochzeitspark ist ein gelungenes Zeichen für das Zusammenwirken in Marzahn – und das soll nun auch bei der „Gemeinsamen Sache“ wieder sichtbar werden. An zwei Aktionstagen am 13. und 18. September 2021 gehen engagierte Menschen aus der Nachbarschaft gemeinsam auf Müllsammeltour.

„Wir wollen auch praktisch zeigen, dass wir uns für unser Quartier starkmachen. Und damit man uns gut sehen kann, tragen wir dann auch spezielle Westen“, kündigt Swantje Ritter an. Interessierte Nachbarn können gern dazu stoßen und helfen. Nach der Aktion gibt es zum Dank für alle übrigen Anwohner:innen auch noch etwas zu essen und zu trinken.

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