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Abstand im Restaurant, nur wenige Touristen Berliner Fernsehturm wieder geöffnet

Die Aussichtsplattform kann wieder besucht werden. Einheimische und Touristen nutzten die Gunst der Stunde und genossen den Blick über die Stadt – ganz in Ruhe.

Normalerweise kommt Andreas Mewes aus dem Erklären gar nicht mehr heraus. Auf der kurzen Fahrt hoch auf die Aussichtsplattform des Fernsehturms wurde er noch vor wenigen Wochen in der vollen Kabine bestürmt mit Fragen in allen möglichen Sprachen. Jetzt steht der Fahrstuhlführer vor den beiden Aufzügen, weist Gäste heraus und wieder hinein, drückt die richtigen Knöpfe, aber fährt selber nicht mit.

„Ein Haushalt oder eine Einzelperson pro Fahrstuhl, das ist Teil unseres Hygienekonzepts“, erklärt Geschäftsführerin Christina Aue. Sie sitzt im Restaurant, wo an den Sechsertischen künftig ebenfalls nur ein Hausstand Platz nehmen darf.

Obwohl aktuell viele Kinder auf der Aussichtsplattform zu sehen sind, werden es hier oben häufig nur zwei Leute pro Tisch sein. „Wir haben ja viele Pärchen zu Gast.“ Jeweils eine Tischreihe muss dazwischen immer frei bleiben.

„Unser Fernsehturm“

Nach achtwöchiger Schließung ist der Fernsehturm am Freitagmittag noch keine Stunde wieder geöffnet. Und trotz aller Einschränkungen verrät jede Geste der Geschäftsführerin, wie breit ihr Lächeln sein muss unter der Maske mit Fernsehturm-Logo. Viele aufmunternde Mails, die sie in den vergangenen Wochen von ihren Stammgästen bekommen hat, haben sie gefreut.

Die Zeit hat sie gut genutzt für notwendige Instandhaltungen und natürlich für die Erstellung des Hygienekonzepts. Und die ersten Begegnungen mit Besuchern, die immer wieder von „unserem Fernsehturm“ gesprochen hätten, haben ihr weiteren Auftrieb gegeben. Stolz deutet sie auf die akkurat geklebten roten Abstandsstreifen mit dem 1,50-Meter-Hinweis. Nur die „Bar 203“, benannt nach ihrer Höhe, muss vorläufig geschlossen bleiben.

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Als der Fernsehturm mitten im Kalten Krieg am 3. Oktober 1969 eröffnet wurde, war er von der DDR vor allem als Fernmeldeturm gedacht, um der wachsenden Bedeutung des Fernsehens gerecht zu werden. Die Besucher spielten anfangs nur eine Nebenrolle. Zum Touristenmagnet hat er sich erst später entwickelt mit zuletzt 1,2 Millionen Besuchern aus 90 Ländern im Jahr.

Vor Beginn der Coronakrise kamen 60 Prozent der Gäste aus dem Ausland, die meisten aus EU-Ländern und den USA. Insgesamt haben bis zum Beginn dieses Jahres schon 61,3 Millionen Besucher von hier aus die Aussicht genossen, die bis zu 70 Kilometer weit reichen kann. Der Fernsehturm gehört zu den zehn beliebtesten Touristenattraktionen des Landes.

Heike Wolf blickt durch die großen Fenster der Aussichtsplattform auf den Tiergarten weit unten. Sie hat im Tagesspiegel gelesen, dass man den Turm jetzt ganz in Ruhe erleben könne. Da entschloss sie sich sofort zu einem Besuch, weil das „natürlich ein schöneres Gucken ist“.

Heike Wolf (r.) und Freundin Ulrike Bergner schwärmen: „Was für eine schöne Stadt!“ Foto: Elisabeth Binder Vergrößern
Heike Wolf (r.) und Freundin Ulrike Bergner schwärmen: „Was für eine schöne Stadt!“ © Elisabeth Binder

Sie ist mit Freundin Ulrike Bergner gekommen. Gemeinsam genießen sie „die große Freiheit“ beim Rundumblick. „Was für eine schöne Stadt!“, seufzen sie. Höchstens 50 Besucher dürfen auf die Aussichtsplattform, ins Restaurant, wenn jeder der 20 möglichen Tische mit jeweils 4 Personen besetzt ist, noch mal 80 Gäste. Normalerweise passen mehr als doppelt so viele Besucher, insgesamt 320, in die dicke Fernsehturmkugel.

Touristen sind auch schon da

Ganz ohne Touristen geht es freilich auch am ersten Öffnungstag nicht. Christiane und Ingo Litera sind aus Köln zu Besuch. Das Familienfest, das eigentlich in Neuruppin geplant war, fiel zwar aus. Und sie staunen auch, wie leer die Stadt ist, vor allem auch am Hauptbahnhof, das hätten sie sich gar nicht vorstellen können.

Aber als sie gehört haben, dass man wieder auf den Turm kann, haben sie sofort online gebucht. „Das wollten wir schon lange mal machen, wir sind ja öfter in Berlin.“ Sie sind glücklich, endlich mal hier oben zu sein. In der Ferne zieht golden glitzernd die Siegessäule vorbei. „Super!“

Uwe Blau aus der Nähe von Naumburg nutzt die erste Stunde, um seinem neunjährigen Sohn die Stadt von oben zu zeigen. „Hier wird ja so viel gebaut.“

Isa Schmidt war zuletzt zu DDR-Zeiten auf dem Fernsehturm. Sie ist mit Ferenc Palatai gekommen, der schon öfter hier war. Sie haben sich beide gefreut, als sie hörten, dass man wieder hier hoch kann. Auch bei ihnen spürt man das Strahlen unter der Maske: „Heute ist unser Ausflugstag.“

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Geschäftsführerin Christina Aue hofft, dass möglichst viele Gäste über die Homepage online reservieren, denn Schlangen vor dem Eingang gilt es zu vermeiden. Kurz nach der Öffnung an diesem Freitagvormittag mussten nur ungefähr ein Dutzend Besucher vor der Kasse anstehen. Die meisten hatten im Internet vorgesorgt.

Fahrstuhlführer Andreas Mewes ist sehr zufrieden. „Die Leute sind ganz entspannt und freundlich, halten sich an alle Regeln.“ Und niemand meckert. „Kompliment!“, ruft er laut.

Fahrstuhlführer Andreas Mewes freut sich über die entspannten, freundlichen Besucher. Fotos: Kitty Kleist-Heinrich/Elisabeth Binder Foto: Elisabeth Binder Vergrößern
Fahrstuhlführer Andreas Mewes freut sich über die entspannten, freundlichen Besucher. Fotos: Kitty Kleist-Heinrich/Elisabeth Binder © Elisabeth Binder

Er trägt die gleiche Maske wie die Geschäftsführerin. Auch er ist sichtlich froh, dass endlich wieder geöffnet ist. „Bitte“, sagt er und deutet auf die offene Fahrstuhltür, aus der gerade eine Familie herausgekommen ist.

Es folgen 40 Sekunden purer Luxus. Wer kann schon von sich sagen, dass er eine Fahrstuhlkabine im Fernsehturm schon mal ganz für sich allein hatte.

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