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Verkehrssenatorin Regine Günther macht sich ihr eigenes Bild von der Elsenbrücke. Foto: Jörn Hasselmann
© Jörn Hasselmann

Abriss der Berliner Elsenbrücke Zum Glück nicht zusammengekracht

Berlins Verkehrssenatorin atmet auf: Die morsche Elsenbrücke hat durchgehalten. In wenigen Wochen ist der Ersatzbau fertig.

„Die Gefahr ist gebannt“, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) sichtlich glücklich: Berlins morsche Elsenbrücke hat durchgehalten. In wenigen Wochen ist der Ersatzbau fertig. Hätte auch die zweite Hälfte der Brücke wegen Einsturzgefahr gesperrt werden müssen, wäre der Verkehr im Chaos versunken.

Ab Anfang 2022 wird der Verkehr zwischen Treptow-Köpenick und Friedrichshain-Kreuzberg provisorisch über die Ersatzbrücke fließen. Danach kann auch der zweite Teil  der alten Elsenbrücke abgerissen werden.

Drei Jahre haben Ingenieure und Verkehrsplaner gebangt, hält die Westbrücke – oder hält sie nicht. Sie hielt, wie Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne) am Mittwoch bei einer Besichtigung der Baustelle regelrecht jubelte. Alle zwei Wochen wurde die Konstruktion geprüft, im Inneren wurden Mikrofone installiert: Wenn ein Stahlseil bricht, dann hätte der Computer es registriert. 

Es war ein Paukenschlag: 2018 waren so große Schäden entdeckt worden, dass die östliche Hälfte der Brücke aus den 60ern, DDR-Zeiten, sofort gesperrt werden musste. Schnell war klar, dass auch der Westteil abgerissen werden muss, denn er ist baugleich. Das Problem: Im Beton verborgen und unzugänglich laufen Stahlseile, die die Brücke zusammenhalten, und die waren in der östlichen Brücke gerissen.

Rad- und Autofahrer müssen sich noch gedulden

Früher fuhren 70.000 Autos pro Tag dort über die Spree. Seit drei Jahren gibt es statt sechs Autospuren nur noch drei, viele weichen über die Oberbaumbrücke aus. Hätte die gesamte Elsenbrücke gesperrt werden müssen, wäre ein kaum vorstellbares Verkehrschaos die Folge gewesen.

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Am Mittwoch begann ein Schwimmkran damit, die fehlenden Mittelstücke einzuheben. Die Teile wurden in Hannover vorgefertigt, hier werden sie nur noch zusammengeschraubt. Das ist wörtlich zu verstehen, 20.000 Schrauben halten 3000 Stahlstücke zusammen, das ganze wiegt 1400 Tonnen. Später können die Teile an anderen Orten wiederverwendet werden.

Ein Schwimmkran hob am Mittwoch das fehlende Mittelstück ein. Foto: Jörn Hasselmann Vergrößern
Ein Schwimmkran hob am Mittwoch das fehlende Mittelstück ein. © Jörn Hasselmann

Ende der Woche soll die Stahlkastenbrücke dann komplett sein, danach werden die Fahrbahnen umgelegt. Etwa zum Jahreswechsel soll sie dann befahrbar sein.

Doch Rad- und Autofahrer werden sich noch gedulden müssen. Sieben Jahre wird es nur drei Autospuren geben, zwei Richtung Alt-Treptow, eine Richtung Innenstadt. Dort wurde zugunsten eines Radweges auf eine Autospur verzichtet.

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Wie aus dem Stabilbaukasten: Das Provisorium besteht aus 3000 Stahlstücken und 20.000 Schrauben.  Foto: Jörn Hasselmann Vergrößern
Wie aus dem Stabilbaukasten: Das Provisorium besteht aus 3000 Stahlstücken und 20.000 Schrauben.  © Jörn Hasselmann

Erst 2028 wird die komplette neue Brücke fertig sein, nach mehreren Etappen: Anfang 2022 wird mit dem Abriss der Westhälfte begonnen. Auf dieser Seite entsteht anschließend der erste Teil der „neuen“ Brücke. Wenn die fertig ist, wird die provisorische Brücke abgebaut und anschließend der zweite der „neuen“ Brücke gebaut. Bislang ist die Verkehrsverwaltung im Zeitplan, den Senatorin Günther 2018 verkündet hatte.

Die neue Brücke wird dann wieder drei Autospuren pro Richtung haben. Der Bau einer Straßenbahn wird konstruktiv und statisch vorbereitet. Sollte die BVG eine Tram dort bauen, würden zwei Autospuren entfallen. Radfahrer und Fußgänger bekommen auf der endgültigen Brücke pro Richtung mehr als sechs Meter Platz.

Platz für die Verlängerung der Autobahn A100 wurde nicht eingeplant. Sollte irgendwann die Entscheidung zum Weiterbau Richtung Ostkreuz fallen, müsste ein Teil der Elsenbrücke wieder weichen. 

Der Zeitplan 
Abriss Ostteil: 2020
Bau Behelfsbrücke: 2021 bis 2022
Abriss Westteil: Ende 2022 bis 2023
Neue Brücke West: 2023 bis 2025
Abriss Behelfsbrücke: 2025/2026
Neue Brücke Ost: 2026 bis 2028

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