Ohne Einweg. Der neue Laden "Der Sache wegen" in Prenzlauer Berg. Foto: Lars von Törne
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Abfallvermeidung in Berlin Neuer "Unverpackt"-Laden in Prenzlauer Berg

Antonia Bretschkow
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Nun hat der zweite Laden in Berlin eröffnet, der ausschließlich Lebensmittel ohne Einwegverpackungen anbietet.

Das fühlte sich falsch an. Während ihres Studiums jobbten Sima Kaviani und Christiane Sieg in Bioläden. Und schnell wurden sie es leid, alle Waren vor dem Einsortieren aus drei, vier Plastikverpackungen zu befreien. „Ich habe die Hintergründe gesehen, die ursprüngliche Philosophie und die ökologischen Werte waren im Großhandel verloren gegangen“, sagt die heute 28-jährige Sima Kaviani rückblickend. Überfluss und billige Verpackungen dominierten den Konsum.

Mit ihrer Einstellung traf Kaviani, die im Iran geboren ist und in Sachsen-Anhalt Biotechnologie studiert hat, jedoch in ihrem Umfeld auf wenig Verständnis. Während sie ihre Wohngemeinschaft mit frisch gekochten Mahlzeiten beglückte, griff ihre Mitbewohnerin unbeeindruckt zu Oetker-Kuchen und Fertigsuppen.

Plastikfrei, bio, fair, vegan

Bis sie vor drei Jahren in Berlin auf die gleichaltrige Christiane Sieg traf, die aus Cottbus stammt und Biologie studiert hat. Beide verfolgten ähnliche Ideen, gemeinsam begannen sie, daraus ein Projekt zu entwickeln. Sie schafften es, einen Kredit aufzunehmen und über Crowd-Funding und Spenden knapp 10.000 Euro zu sammeln.

Seit Dezember vergangenen Jahres betreiben sie das Geschäft „Der Sache wegen“ in der Lychener Straße in Prenzlauer Berg – eine Art Anti-Supermarkt, in dem man nicht die Qual der Wahl habe, weil ihr Sortiment nicht von Masse, sondern Qualität lebe. Es gehe darum, die Berliner zu bewussterem Konsum zu bewegen und dazu, sich mit einzelnen Produkten auseinanderzusetzen.

Da hatte bereits Milena Glimbovski Pionierarbeit geleistet und 2014 ihren plastikfreien Supermarkt „Original Unverpackt“ in der Wiener Straße in Kreuzberg eröffnet. Sima Kaviani und Christiane Sieg geht es allerdings nicht nur darum, ihre Waren ohne Einwegverpackungen anzubieten. Alle ihre Produkte sollen zudem auch palmöl- und möglichst zuckerfrei, fair gehandelt, bio, regional sowie vegan sein.

Deocreme, Tahin, Gurken aus dem Spreewald

Das Konzept scheint gut anzukommen. Im Laden herrscht reger Betrieb, ein Kinderwagen nach dem anderen wird von jungen Eltern die kleine Eingangsrampe hinaufgerollt, ein Lastwagen hält, der Lieferant steigt aus: „Tachchen, einmal ‚Rapunzel’!“, ein Mann fragt nach unverpackter Deocreme, eine junge Mutter füllt gleich drei ihrer mitgebrachten Gläser bis zum Rand mit Tahin.

Reich könne man mit dem Laden nicht werden, sagen die Geschäftsführerinnen, aber er findet Anklang. Immer mehr lokale Hersteller wenden sich an die beiden. In der Kühltheke liegt frisch hergestelltes Tofu aus Kreuzberg. Auf einem Tisch steht eine Flasche Rhabarberschorle aus Berlin, die Gurken im Gemüseregal stammen aus dem Spreewald.

Das Projekt sei anstrengend und teuer, sagen Sima Kaviani und Christiane Sieg, aber durch und durch eine Herzensangelegenheit. Noch können sie sich keine Gehälter auszahlen, aber das sei ihnen die Mühe wert – „der Sache wegen“.

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