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Erzieherin sitzt mit Kindern im Kreis auf dem Boden. Foto: Jan Tepass/imago images/imagebroker
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Ab sofort 300 Euro vom Bund mehr für Erziehende Bildungsverwaltung startet Brennpunkt-Zulage für Kitas

Um mehr Personal für Brennpunktgebiete zu gewinnen, sollen Kita-Mitarbeiter mehr Gehalt bekommen. Gewerkschaften und Kitaträger kritisieren das Vorhaben.

Kita-Mitarbeiter:innen in Berliner Brennpunktgebieten können ab sofort bis zu 300 Euro Gehaltszulage im Monat erhalten. Damit soll deren Engagement in Stadtgebieten mit hoher sozialer Benachteiligung gewürdigt werden, wie die Senatsverwaltung am Mittwoch mitteilte.

Freie und landeseigene Kita-Träger können die Zulage für ihre Mitarbeiter:innen rückwirkend ab dem 1. August beantragen. Im diesem ersten Bewilligungszeitraum sollen rund 500 Einrichtungen bis Ende Januar profitieren. Im nächsten Jahr sind zwei weitere Runden vorgesehen.

„Unser Ziel ist es, mehr Personal für bestimmte Brennpunktgebiete zu gewinnen und diesen Einsatz mit einem finanziellen Ausgleich zu würdigen“, sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Die Tätigkeit in bestimmten sozialen Gebieten sei eine Herausforderung.

Kritik an der Verwendung der Bundesmittel, über die seit zwei Jahren diskutiert wird, kam am Mittwoch von der Berliner Bildungsgewerkschaft GEW. „Eine Gehaltszulage kann die dringend nötige personelle Entlastung in den Einrichtungen in schwieriger sozialer Lage nicht ersetzen“, mahnte Vorsitzende Martina Regulin. Natürlich befürworte man eine bessere Bezahlung von Erzieher:innen, so Regulin. Die Gelder aus dem Gute-KiTa-Gesetz des Bundes, mit denen die Zulagen finanziert werden, sollten aber besser „für die Qualitätsentwicklung der Berliner Kindertagesstätten eingesetzt werden“.

Die GEW setzt sich für mehr Erzieher:innenstellen und multiprofessionelle Teams an Kitas ein – zum Beispiel für den standardmäßigen Einsatz von Sozialarbeiter:innen. „Leider fußt das Modell bisher auf befristeten und unregelmäßigen Finanzierungen“, kritisierte Julia Tecklenborg, Vertreterin eines Zusammenschluss von Kitasozialarbeiter:innen innerhalb der GEW. Berlin habe „die Chance vertan, einen ersten Schritt hin zur regelfinanzierten Kitasozialarbeit zu realisieren“.

Kritik auch von freien Trägern

Auch der freie Kitaträger Fröbel e.V. kritisiert, eine Brennpunktzulage erfülle „in keiner Weise ihren Zweck“. Fachkräftemangel sei schon lange ein allgemeines Problem, keineswegs nur in Brennpunktlagen. „Bei Fröbel kommen zwei Einrichtungen für die Zulage in Frage – in beiden haben wir nicht mehr Probleme Stellen zu besetzen als anderswo“, berichtet Sprecher Mario Weis dem Tagesspiegel.

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Zur Beantragung der Zulage berechtigt sind laut Senatsschulverwaltung nach Kitamitarbeiter in besonderen Sozialräumen – also unter anderem in den aktuell 33 ärmsten Teilen der Stadt, die einem Quartiersmanagement unterliegen. Seit diesem Jahr dabei sind etwa die Thermometersiedlung in Lichterfelde, die Alte Hellersdorfer Straße in Hellersdorf und die Titiseestraße in Waidmannslust.

Zudem werden „Gebiete mit besonderem Aufmerksamkeitsbedarf“ berücksichtigt. Dort ist die soziale Benachteiligung überdurchschnittlich hoch. 42 Bereiche in der Stadt fallen laut dem aktuellsten Monitoring „Soziale Stadtentwicklung Berlins“ von 2019 darunter – unter anderem der Huttenkiez in Moabit, der Oranienplatz in Kreuzberg und der Germaniagarten in Tempelhof.

„Unsere Fachkräfte wünschen sich mehr Zeit für einzelne Kinder“

Die Auswahl der Standorte wirkt auf die Fachleute aber zum Teil willkürlich: „Bei Fröbel ist das einmal zurecht eine Einrichtung in einem besonderen Sozialraum in Neukölln. Aber auch eine Kita, die in einem Neubaugebiet mit gehobener sozialer Infrastruktur liegt", sagte Weis. Ähnliches berichteten auch andere Träger.

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Die Zulage führe außerdem nicht zu Verbesserungen für die Kinder in den sogenannten Brennpunkten, so Weis. Effizienter wäre aus Sicht der freien Träger, das Geld den Einrichtungen zu geben. Die, bekräftigte Weis den GEW-Standpunkt, wünschten sich vor allem sozialarbeiterische Unterstützung, „um die Eltern und Familien für eine Erziehungspartnerschaft mit unseren Einrichtungen gewinnen zu können“. „Das entlastet die Teams. Unsere Fachkräfte wünschen sich mehr Zeit für einzelne Kinder“, sagte Weis.

Auch die von Scheeres selbst einberufene Qualitätskommission, die vergangenen Herbst einen umfassenden Empfehlungskatalog zur Verbesserung der Bildung in Berlin veröffentlicht hatte, empfiehlt eine engere Betreuung von Kindern aus bildungsfernen Familien durch mehr Personal. Ob eine Brennpunkt-Prämie mehr Erzieher:innen anzieht, ist allerdings sehr zweifelhaft – das Kalkül war für die Schulen schon einmal nicht aufgegangen. (mit dpa)

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