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Über's Smartphone läuft heute alles - auch Nachrichten. Foto: AFP/Glyn Kirk
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75 Jahre Tagesspiegel Was wünschen sich Jugendliche vom Journalismus?

Generation Social Media: 7500 junge Leute zwischen 16 und 25 Jahren testen kostenlos das neue Digital-Abo T+. Hier kommen einige zu Wort.

Morgens um zehn betritt an einem sonnigen Septembermorgen die Zukunft die Terrasse das Café S in Friedenau: ein Teil derjenigen Generation, die nicht nur selbst Empfänger von Informationen ist, sondern sich mit den sozialen Medien auch überlegen muss, welche Rolle sie als Sender selbst darin spielen will.

„Man muss es selber in der Hand haben“, sagt Robin Braumann, Jurastudent an der HU. Darauf kommt es an. Er lese den Tagesspiegel, vor Prüfungsphasen deinstalliere er auch schnell mal seinen Instagram-Account.

Robin Braumann sagt, bei seinem ersten Handy durfte man noch auf keinen Fall auf das Browser-Symbol kommen: „Das wurde teuer. Und dann die Roaming-Gebühren!“. Vorbei. Nach dem Abitur ist Braumann, der nicht direkt vom Klassenzimmer in den Hörsaal wechseln wollte, ein Jahr mit Freunden in Neuseeland gereist.

Dort hat er alles von seinem Smartphone aus gemacht: „Das Auto gefunden, Fotos gemacht und gespeichert, die Route recherchiert, Plätze gebucht, Nachrichten gelesen, Kontakt gehalten zu Freunden und Familie und mich für meinen Studienplatz an der Humboldt-Universität beworben.“ Es war großartig, den Zulassungsbescheid irgendwo zwischen Oakland und Hongkong zu bekommen. Und es war toll, dort, wo er gerade war, die jeweiligen Lokalnachrichten auf seinem Handy lesen zu können.

Braumann ist in Friedenau aufgewachsen, „da wurde mir der Tagesspiegel schon in der Schule als seriös empfohlen“. Zuletzt hat ihm eine doppelseitige Reportage über die Arbeit einer Staatsanwältin gefallen. Die beschriebene Frau hatte er vorher selbst erlebt, bei einem Praktikum bei der Staatsanwaltschaft. „Da konnte ich sehen: Ist das glaubhaft, deckt sich das mit meinen Erfahrungen? So etwas schafft Grundvertrauen in die Medien.“

Robin Braumann, 21 Jahre alt. Foto: Privat Vergrößern
Robin Braumann, 21 Jahre alt. © Privat

Solche Reportagen gebe es in den sozialen Medien nicht, dort sprechen die meisten nur für sich selbst, statt die Erfahrungen anderer darzustellen. Da sei der Ausgangspunkt immer die eigene Meinung. Zeitungen wie der Tagesspiegel, sagt Braumann, ziehen dagegen eben ihren Wert daraus, das Pro und Contra einer Sache abzuwägen.

„Ohne Meinungsbildung bleiben Fakten wirkungslos“

Möglich, sagt er, dass das Interesse an der Auseinandersetzung mit seiner juristischen Perspektive zu tun habe. „Ich habe ja in der Schule gelernt: These, Antithese, Synthese.“ Ihm gefällt, wenn in einem Artikel nachvollziehbar ist, wie der Autor zu seinen Schlüssen kam. Da habe er Freude an den Argumenten.

Es sei ja klar, dass die Darstellung der Fakten nicht dauernd durch Meinung verwässert werden soll, aber am Ende, sagt Braumann, sei doch die Einordnung dieser Fakten entscheidend – denn die gebe den Ausschlag, wie eine Gesellschaft reagiert. „Erst die Einordnung von Fakten führt zum Handeln. Ohne Meinungsbildung bleiben die Fakten wirkungslos.“

Er schätze die Geschwindigkeit der Online-Nachrichten bei aktuellen Entwicklungen, wie etwa bei den Corona-Demos in Berlin. Und doch: Er schlage auch gerne eine papierne Zeitung zu mit dem Gefühl, nun einen Überblick zu haben. Online gebe es diesen Moment des Überblicks nie: „Da tröpfeln die Updates unendlich weiter.“

Clara de Groote, 18 Jahre alt. Foto: Privat Vergrößern
Clara de Groote, 18 Jahre alt. © Privat

„Die Corona-Zeit war eine komische Zeit, man war so viel zu Hause, mediale Dinge haben da einen großen Raum eingenommen. Aber diese Monate waren ein Schub für meine politische Entwicklung, ich habe mich informiert, gescrollt, gepinnt und gepostet wie noch nie, weil ich das Gefühl hatte, ich darf nicht nur konsumieren, sondern will auch etwas geben.

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In diese Zeit fiel der Mord an George Floyd in Minneapolis und ich fand es wichtig, mich gegen Rassismus zu engagieren. Seit dem letzten Jahr wohne ich in Berlin, weil ich im dritten Semester als Jungstudentin an der Hanns Eisler klassisches Schlagwerk studiere. Aber weil alle Vorlesungen nur online abliefen, habe ich zuletzt wieder bei meinen Eltern in der Nähe von Frankfurt gelebt.

Mit meinen drei Geschwistern haben wir ein Black-Lives-Matter-Plakat gemalt und es an unser Haus gehängt. Es ist das erste Mal, dass ich so etwas gemacht habe. Mein Vater hat eine allgemeinmedizinische Praxis und zu Hause hatten wir immer viele Zeitschriften aus dem Wartezimmer.

„Mein Engagement hat mich fast aufgefressen“

Wenn mich heute ein Thema interessiert, suche ich nach ausführlichen Beiträgen dazu, etwa die Netflix-Doku ,13th‘ zur Geschichte des Rassismus in den USA. Zuletzt habe ich den sechseinhalbstündigen Podcast mit Alice Hasters von der ,Zeit‘ gehört: „Was sollen weiße Menschen über Rassismus wissen?“, dafür habe ich eine ganze Woche gebraucht. Oft habe ich dabei gekocht.

Dabei habe ich gar nicht so viel Zeit, ich muss auch üben, mich auf Wettbewerbe vorbereiten. Viele Angebote und Apps sind ja darauf ausgerichtet, dass man möglichst lange hängen bleibt, aber ich telefoniere ohnehin lieber mit meinen Freunden, als dauernd Nachrichten zu schreiben.

Wenn man ein Instrument spielt wie ich, ist man gewohnt, auf vieles zu verzichten. Ich habe Rockmusik gespielt, sogar Metal, bin dann aber durch Zufall zum klassischen Zweig gekommen. Es gab Zeiten, da hatte ich in acht Wochen acht Konzerte in verschiedenen Städten, und es war klar, dass ich nicht auf jedem Geburtstag meiner Klassenkameraden dabei sein konnte.

Mein Engagement hat mich zuletzt fast aufgefressen und mir ist klar geworden, dass ich nicht von hier aus den Rassismus in Amerika verändern kann.“

Julian Gause, 16 Jahre alt. Foto: Privat Vergrößern
Julian Gause, 16 Jahre alt. © Privat

„Ich kenne den Tagesspiegel schon lange, allerdings in zerschnittenem Zustand. Bei uns in der Familie gibt es ein lustiges Ritual: Mein Opa, der fünf Minuten von uns entfernt wohnt, hat die Zeitung abonniert und liest sie von der ersten bis zur letzten Seite. Wenn er morgens zum Tennis fährt, macht er kurz bei uns halt und bringt die Artikel, die ihm besonders gut gefallen, vorbei.

Für mich hat er zum Beispiel oft Berichte über den Klimawandel dabei, weil er weiß, dass ich mich dafür interessiere. Oder über Sozialpolitik. Manchmal sagt er, wenn er mir einen Artikel in die Hand drückt: ,Julius, ich möchte gern mit dir darüber reden!‘ Wir haben völlig andere Perspektiven. Mein Großvater hat den Krieg erlebt. Mit 17, kaum älter als ich, war er Vollwaise und kam nach Deutschland, ohne die Sprache zu können. Ich habe dagegen ein ziemlich komfortables Leben.

„Ich mag den Kontrast zur permanenten Reizüberflutung“

Ich wohne bei meinen Eltern in Tempelhof und besuche die 11. Klasse des Eckener-Gymnasiums. Dort hat uns unsere Politik-Leistungskurs-Lehrerin auf das kostenlose Tagesspiegel-E-Paper-Abo für junge Leser aufmerksam gemacht. Ich habe schnell zugegriffen, denn mir gefällt, dass ich die Zeitung jetzt auf dem Handy lesen kann: mittags im Bus oder abends, wenn ich von den Hausaufgaben genervt bin.

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Dann scrolle ich einfach runter, bis mich eine Schlagzeile kriegt. Meistens sind es Themen, die für mich emotional behaftet sind, wie zurzeit Moria. Am interessantesten finde ich längere Artikel, die mir Hintergründe liefern. Dass man ein bisschen Energie reinstecken muss, um sie zu lesen, stört mich nicht. Ich mag den Kontrast zur permanenten Reizüberflutung in den sozialen Medien, wo jeder Post um zwei, drei Sekunden deiner Aufmerksamkeit kämpft. Trotzdem verbringe ich natürlich auch viel Zeit dort.

Facebook ist das Medium der Generation meines Bruders, der sechs Jahre älter ist als ich. Mein Favorit ist seit Jahren Instagram, weil hier normale Menschen aus ihrem Leben berichten und nicht nur ,Influencer‘. Ich bin konservativ, was soziale Medien angeht. Wenn etwas Neues auftaucht, wie zum Beispiel Tiktok, muss ich andere fragen: ,Wo geht es lang? Wo muss ich jetzt draufdrücken?‘ Die Rolle mag ich nicht. Für Tiktok bin ich zu alt.“

Charlotte Baron, 17 Jahre alt. Foto: Privat Vergrößern
Charlotte Baron, 17 Jahre alt. © Privat

„Vor drei Wochen bin ich von Berlin nach Osnabrück gezogen. Seitdem lese ich morgens den ,Checkpoint‘. Wenn ich nicht verschlafe. Dadurch, dass darin oft kleine Berliner Themen behandelt werden, bleibe ich mit meiner Heimatstadt in Kontakt.

In Berlin war ich bei Fridays for Future auf der untersten Ebene engagiert: als Schuldelegierte. Wenn es Konflikte mit der Schulleitung gegeben hätte, hätte ich vermittelt. Aber bei uns gab es keine Probleme. Hier in Osnabrück mache ich ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bei der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.

Ich arbeite in einer Ausstellung mit dem Titel ,Planet Gesundheit‘, bei der es um einfache Dinge geht, die unsere Gesundheit und die unseres Planeten beeinflussen. Wie Chemie im Haushalt. Im Tagesspiegel interessieren mich besonders Artikel zu Umweltschutzthemen, aber auch welche über Wirtschaft, wenn es um größere Fragen geht: zum Beispiel welche Wirtschaftssysteme generell möglich sind. Große Interviewformate lese ich auch sehr gern, sofern mich der Interviewpartner interessiert.

„Unsere Generation liest vor allem digital“

Wenn ich dem Tagesspiegel etwas raten sollte, dann würde ich der konkreten Lebensrealität junger Menschen mehr Raum zu geben: wie Beziehung oder Berufsorientierung. Auch könnten mehr Artikel unterhaltsamer gestaltet sein, was nicht heißen soll, dass jeder Bericht einen ,Fun-Faktor‘ haben muss.

Letztlich müssen sich Zeitungsmacher im Klaren darüber sein, dass unsere Generation vor allem digital liest. Es ist einfach handlicher. In der gedruckten Ausgabe musste ich nach jedem Artikel gefühlt drei Sportübungen machen, um die Riesenseiten umzublättern.

Den größten Teil meiner Zeit am Handy verbringe ich in den sozialen Medien. Ich verwende nach meinem Geschmack zu viel Zeit drauf: drei Stunden am Tag. Aber in Osnabrück ist in Corona-Zeiten abends wenig zu tun. Heute ruhe ich mich aus, wasche vielleicht noch ab und überlege mir, was ich am Wochenende koche. Morgen gehe ich ins Museum. Es gibt nämlich noch eine zweite Umweltausstellung hier in Osnabrück: über die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung aus der Agenda 2030 der UN.“

Malte Kasiske, 22 Jahre alt. Foto: Privat Vergrößern
Malte Kasiske, 22 Jahre alt. © Privat

„So richtig angefangen, Nachrichten, zu lesen, habe ich, als ich in der 11. Klasse ein Jahr lang in den USA in Dallas zur Schule gegangen bin, es war das Jahr, in dem Donald Trump Wahlkampf gemacht hat. Seitdem verfolge ich, was mich auf der Welt interessiert, die amerikanischen Sender wie NBC, auch mal die ,Washington Post‘. Hier in Deutschland lese ich verschiedene Zeitungen online.

Ich wurde in Berlin geboren, bin dann allerdings in Hamburg eingeschult worden und habe dort auch Abitur gemacht. Einige Kontakte in die USA sind geblieben, wir haben auch Familie in den USA, in Austin, Texas. Es war und ist interessant, mitzubekommen, wie die Amerikaner über das politische Geschehen in ihrem eigenen Land denken und berichten und wie sich dies von der deutschen Berichterstattung unterscheidet.

Nun bin ich wieder in Berlin und studiere an der TU Berlin Wirtschaftsingenieurwesen, außerdem arbeite ich als Werkstudent bei einer der drei großen, amerikanischen Unternehmensberatungen. Da wird auch erwartet, dass man weiß, was in der Welt passiert.
Ich lese alles online, nur Bücher will ich immer noch gerne als Produkt in der Hand haben. Wenn ich Zeit habe, etwa im Zug, lese ich verschiedene Medien, um verschiedene Blickwinkel zu bekommen.

„Ich hatte immer Angst, etwas zu verpassen“

Vielleicht bin ich nicht repräsentativ für meine Altersgruppe, aber ich nutze Facebook nicht und bin auch nicht auf Twitter. Früher war ich auf Instagram und habe Snapchat genutzt, aber vor ungefähr anderthalb Jahren habe ich einen radikalen Schnitt gemacht. Ich hatte mich schon öfter erschrocken, als ich am Ende der Woche meine Bildschirmzeit angezeigt bekam: so viele Stunden, in denen ich etwas Schöneres hätte machen können – länger schlafen, ein Buch lesen, mit meiner Mutter telefonieren.

Als ich mal wieder mitten in der Vorlesung eine Push-Mitteilung bekommen habe, habe ich ganz spontan noch in der Veranstaltung meine Accounts gelöscht. Der Effekt war verblüffend: Obwohl ich vorher immer Angst hatte, etwas zu verpassen, habe ich danach überhaupt nichts vermisst.

Ich glaube, die Nutzung von sozialen Medien ist in der Schulzeit so exzessiv, weil man so viel Zeit hat und es da auch eine so große Rolle spielt, was die anderen machen. Man vergleicht sich in dem Alter sehr. Und es besteht eher die Gefahr, dass man zum Außenseiter wird, wenn man nicht mitmacht. Doch spätestens im Studium kann man sich seine Freunde aussuchen. Und seine Medien.

„Man könnte glauben, die Welt läuft aus dem Ruder“

Auf T+ hat mich meine Freundin gebracht. Ich bringe mich meist einmal morgens auf den neuesten Stand und lese dann meistens Nachrichten. Durch Lokaljournalismus bekomme ich Dinge aus der eigenen Stadt mit, die sonst vollkommen an mir vorbeigerauscht wären: etwa das Festival of Lights in Berlin, oder wo gerade gebaut wird.

Eine Sache stört mich, für die die Medien aber vermutlich gar nichts können, denn es ist ja auch ihre Aufgabe: Sie berichten ausführlicher über Katastrophen und Dinge, die schieflaufen, als über das, was gelingt: Man liest über Waldbrände, eine Explosion in Beirut, Flugzeugunglücke, den Bürgerkrieg in Syrien – wenn man nur die Nachrichten sehen würde, könnte man glauben: Die Welt läuft aus dem Ruder. Dabei hat sich auch sehr viel verbessert.

Als Gegengewicht lese ich gerade das Buch ,Factfulness‘, ein ,New York Times‘-Bestseller, der anhand von Statistiken zeigt, dass die Welt viel besser ist als das Bild, das wir uns von ihr machen.“

Mascha Wehrmeyer, 20 Jahre alt. Foto: Privat Vergrößern
Mascha Wehrmeyer, 20 Jahre alt. © Privat

Mascha Wehrmeyer, Maske vor dem Mund und Instrumentenkasten auf dem Rücken, fährt am Hauptbahnhof die Rolltreppe ins Untergeschoss hinunter. Sie ist auf dem Weg nach Hamburg, wo sie zwei Konzerte gibt: eines in einem Garten und das andere in einem Club auf der Reeperbahn.

Für Wehrmeyer, die klassische Geigerin ist, sind das eher exotische Orte. Mit Auftritten im Freien hat sie seit Corona Routine entwickelt. „Aber es hat schon seine Gründe, warum wir normalerweise in Konzertsälen auftreten“, sagt sie und lacht. „Draußen ist der Boden oft uneben oder der Wind weht die Notenblätter vom Ständer.“ Das Konzert auf dem Hamburger Kiez ist für sie neu.

Wehrmeyer stammt aus Berlin. Mit zehn Jahren ist sie mit ihrer Familie nach Regensburg gezogen. Zum Studium ist sie in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt: nach Schöneberg, in die Hauptstraße. Ihre liebste Informationsquelle, sagt sie, sei die „heute-show“. Eine Satiresendung. „Und wenn ich an den Beiträgen dort merke, dass etwas Relevantes passiert ist, gucke ich mir nachträglich auf Youtube die ,Tagesthemen‘ an.“

„Ich will meine eigene Sichtweise finden“

Vom Tagesspiegel verspricht sie sich einen geschärften Blick auf Berlin. „Seit ich von zu Hause ausgezogen bin, will ich mich mehr in die Gesellschaft einbringen. Deshalb will ich meine eigene Sichtweise finden, unabhängig von meinen Eltern“, sagt sie. Sie sucht längere Artikel, am liebsten Reportagen.

„Ich habe großen Respekt, wenn Journalisten eine Haltung haben, die mich inspiriert, oder wenn sie ein Thema so darstellen, dass ich begreife: Ja, so funktioniert Gesellschaft“, erklärt sie. In der gedruckten Zeitung, sagt sie, sei es für sie einfacher, diese Art von Stücken zu finden. „Da arbeiten viele Leute dran, die Artikel in der Zeitung zu positionieren, zu sortieren. Die machen sich Gedanken, was wichtig ist. In welcher Reihenfolge man die Sache liest. Online bin auf mich allein gestellt.“

Auf dem Handy scrolle sie runter, bis eine Überschrift interessant klinge. „Manchmal bin ich ein bisschen enttäuscht, wenn ich sie anklicke und sich nur ein kurzer Artikel dahinter verbirgt.“ Wie heute Morgen im Bus. Da las sie, dass ein Mann in Schöneberg angeschossen worden ist. „Ich habe mich gleich angesprochen gefühlt. Das war bei mir um die Ecke!“ Doch mehr als die Nachricht war offenbar noch nicht bekannt.

Der Zug nach Hamburg fährt in den Bahnhof ein. „Mit der Zeit werde ich mich online auch noch zurechtfinden“, sagt sie. Während der anderthalbstündigen Zugfahrt will sie nichts lesen: „Ich will mich sammeln. Der Weg ist so kurz, sonst bekomme gar nicht mit, dass ich in eine andere Stadt unterwegs bin.“

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