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Der Flughafen BER, Terminal 1, in voller Pracht. Foto: dpa
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552 Millionen Euro – und zwar ganz schnell Der BER braucht noch im Dezember frische Kredite

Die Flughafengesellschaft muss noch in diesem Jahr Darlehen in Höhe von 552 Millionen Euro beantragen. Ein finanzielles Sanierungskonzept wird diskutiert.

Um die Coronakrise zu überleben, wird die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB), die den BER betreibt, noch in diesem Jahr Anträge für niedrigverzinsliche Darlehen in Höhe von 552 Millionen Euro stellen, um die Zeit bis Oktober 2021 zu überbrücken.

Die Zeit eilt, weil die Sonderregelung für Staatshilfen an deutsche Flughäfen, die mit der EU-Kommission abgestimmt ist, sonst nicht mehr in Anspruch genommen werden könne, sagte die FBB-Finanzchefin Aletta von Massenbach am Donnerstag im Beteiligungsausschuss des Abgeordnetenhauses.

Diese Kredite werden wohl nicht reichen. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup bestätigte, dass 2021 insgesamt 660 Millionen Euro benötigt würden, um über die Runden zu kommen. Das Unternehmen hat für das nächste Jahr Szenarien entwickelt, nach denen 30 Prozent der Passagierzahlen von 2019 möglich sind, also gut 10 Millionen Fluggäste.

Auch 2021 vielleicht nur 30 Prozent der normalen Passagierzahl

Das entspräche dem Niveau dieses Jahres. Vor Corona hatte die FBB mit rund 37 Millionen Fluggästen gerechnet. Die Folgen des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 wurden bereits mit Zuschüssen der FBB-Eigentümer in Höhe von 300 Millionen Euro gemildert.

Der Bund und Berlin hätten schon überwiesen, Brandenburg zahle nächste Woche, sagte die FBB-Finanzchefin. Ein Sonderproblem des Berliner Flughafens sei es, dass „der Investitionszyklus erst einmal abgeschlossen, aber noch nichts abbezahlt ist“. Das Unternehmen könne vorerst keine Rücklagen bilden.

Europaweit fehlen den Airports 30 Milliarden Euro

Europaweit fehlen den Airports übrigens 30 Milliarden Euro, um die Betriebskosten decken zu können. „Die Auswirkungen der Finanzkrise 2007/08 und der Terroranschlag am 11. September 2001 in New York sind nichts gegen diese Pandemie“, sagte von Massenbach. Als positive Nachricht konnte der FBB-Chef Engelbert Lütke Daldrup nur vermelden, „dass der erste Monat am BER weitgehend reibungslos verlaufen ist“.

Die Strategie der drei Flughafengesellschafter kritisierte er scharf: „Der FBB wird wie immer knapp gehalten und in die private Finanzierung gedrängt“. Er empfahl den staatlichen Eigentümern, über die Verschuldungssituation des FBB nachzudenken, „dann kommt man schnell zu grundsätzlichen Überlegungen“.

Teilentschuldung des BER in der Diskussion

Was das heißt, sagte im Ausschuss der Linken-Politiker Carsten Schatz: „An einer Teilentschuldung wird die FBB wohl nicht vorbeikommen“. Auch der Grünen-Abgeordnete Harald Moritz geht davon aus, dass der Airport ein Sanierungskonzept braucht.

Eine Teilprivatisierung wird von SPD und Linken in Berlin aber grundsätzlich abgelehnt. Diese Debatte helfe auch nicht aus der Krise, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD). Denn der Bund dürfe seine Anteile erst in zwei Jahren verkaufen. Außerdem sei der BER langfristig „eine große Chance für die Region“.

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