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Vergangenes Jahr folgten viele Menschen dem Aufruf von Extinction Rebellion, Berlin zu blockieren. Foto: Thilo Rückeis
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24-Stunden-Kundgebung und Bootsdemo in Berlin Extinction Rebellion kündigt deutschlandweite Aktionen an

Ab Montag wollen die Klimaaktivisten demonstrieren, unter anderem in Berlin. Wie der pandemiekonforme Klima-Ungehorsam aussehen soll, blieb zunächst offen.

Selbstgezimmerte Möbel aus hellem Holz, Fensterfront mit Spreeblick: Der Raum, in dem die Klimaaktivisten von „Extinction Rebellion“ (XR) in Berlin ihre Pressekonferenz abhalten, würde sich ebenso gut für Start-up-Konferenzen oder Events von Werbeagenturen eignen. 

Und nicht nur die Location zeigt, dass die Aktivisten auf den Eventcharakter ihrer Aktionen setzen. Auch der Name der heute beginnenden Aktionstage, „Rebellion Wave“, verspricht ein Happening. Ebenso die Worte, mit denen sie angekündigt wurde: Betont geheimnisvoll erklärten die Sprecher, es solle ab Montag dezentrale, teils geheime Aktionen geben, und zwar „in über 45 Städten in ganz Deutschland“. 

XR-Sprecherin Annemarie Botzki sagte am Freitag: „Es wird angemeldete, aber auch nicht angemeldete Aktionen geben.“

Sie sollen sich vor allem an Wirtschaftslobbys und Unternehmen richten, aber auch an die Politik. Das Motto: „Wir blockieren die Blockierer.“

Sicher ist, dass die Blockaden anders aussehen werden als noch im vergangenen Herbst, als XR serielle Straßenblockaden organisiert hatte, unter anderem in Berlin. Jetzt, mitten in der Corona-Pandemie, seien solche Aktionen „nicht angebracht“, sagte Sprecher Tino Pfaff. 

Tino Pfaff stellte auf einer Pressekonferenz geplante Aktionen vor. Die Aktionen in ganz Deutschland ab dem 15. Juni 2020 laufen unter dem Motto "#WeiterSoWarGestern" und richten sich an Konzerne, Regierungen und Lobbyverbände. Jörg Carstensen/dpa Vergrößern
Tino Pfaff stellte auf einer Pressekonferenz geplante Aktionen vor. Die Aktionen in ganz Deutschland ab dem 15. Juni 2020 laufen unter dem Motto "#WeiterSoWarGestern" und richten sich an Konzerne, Regierungen und Lobbyverbände. © Jörg Carstensen/dpa

Die Auftaktaktion für Berlin – „der Kickoff“, wie die Aktivisten es nennen – beginnt Montagmorgen um 10 Uhr: eine angemeldete Kundgebung am Bundeswirtschaftsministerium, die 24 Stunden dauern soll. Kommenden Samstag (20. Juni) soll es dann eine Art Wasserdemo in Berlin geben. 

Und, deuteten die Aktivisten an, man könne sich darauf vorbereiten, dass am Montag in Nordrhein-Westfalen eine Aktion zivilen Ungehorsams stattfinden werde. Dort befindet sich das umstrittene Kohlekraftwerk Datteln 4, das vor zwei Wochen in Betrieb ging. Seit Monaten demonstrieren Klimaaktivisten dagegen. 

Bereits am heutigen Freitagabend startet ein digitales Festival, auf dem sich Aktivisten aus aller Welt und Interessierte bilden und vernetzen können.

Trotz der Corona-Regeln, an die sich die Aktivisten halten wollen, sei mit „vermutlich auftretendem zivilen Ungehorsam“ zu rechnen, kündigten die Sprecher etwas kryptisch an – auch in Berlin. Wie genau der pandemiekonforme Klima-Ungehorsam vonstattengehen soll, verrieten die Aktivisten zunächst nicht.

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Die XR-Sprecher sagten lediglich, dass es sich um „kleine zivil ungehorsame Aktionen“ handeln werde, „die sich explizit an die Verursacher richten.“

Ob das klappen wird? Da schienen sich die Aktivisten am Freitag selbst nicht so sicher. „Von Extinction Rebellion wird viel Tamtam und Aufsehen erwartet“, sagte XR-Sprecher Tino Pfaff. Ob man dieser Erwartung gerecht werden könne, müsste man selbst erstmal sehen.

Extinction-Rebellion-Aktivisten Annemarie Botzki (links), Friederike Schmitz und Tino Pfaff. Foto: Nina Breher Vergrößern
Extinction-Rebellion-Aktivisten Annemarie Botzki (links), Friederike Schmitz und Tino Pfaff. © Nina Breher

Pfaff gab am Rande der Pressekonferenz zu, dass die Coronakrise dem Klimaaktivismus einen Dämpfer verpasst hat. „Ziemlich eingebrochen“ sei dieser in den vergangenen Monaten. Jetzt gehe es langsam wieder los, die Leute seien aber noch zögerlich. 

Wohl auch deshalb hoffen die Aktivisten auf die Öffentlichkeit – nicht zuletzt durch die Presse. „Wir hoffen natürlich auch sehr auf die Zusammenarbeit zwischen den Medien und den Aktivist*innen“, sagte Pfaff erstaunlich direkt. Bei der Pressekonferenz sind 16 Menschen anwesend. Immerhin haben fast alle Kameras mitgebracht. 

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