Zum Corona-Überblick: Alle Zahlen zu SARS-CoV-2 in Deutschland

Die meisten behaupten, sie würden am Pfeil stoppen - aber kaum jemand tut es wirklich

20 Jahre Grünpfeil Als der blecherne Ossi in Deutschland Gesetz wurde

Nachdem eine Studie der Bundesanstalt für Straßenwesen den Grünpfeil unter bestimmten Voraussetzungen für unbedenklich befunden hatte, durfte er 1994 offizieller Bestandteil der StVO werden. Am Stichtag enthüllte Haase ein Exemplar an der Einmündung der Hermsdorfer in die Oranienburger Straße in Reinickendorf. Während manche westdeutsche Städte den Pfeil konsequent und andere gar nicht einführten, eroberte er die westlichen Berliner Bezirke eher allmählich. Die Kritik von Fußgänger- und Blindenverbänden verhallte; der Pfeil hatte ein paar gute Jahre, aber seine Vermehrung ist vorbei: 2007 hingen nach Auskunft der Stadtentwicklungsverwaltung an stadtweit 90 (von insgesamt knapp 2000) Ampelanlagen 110 Blechpfeile. Zurzeit sind es nur noch 69 Stück an 66 Ampeln. Denn die Verwaltungsvorschrift zur StVO verlangt, regelmäßig das Unfallgeschehen an den Kreuzungen auszuwerten. Bei Häufungen muss der Pfeil weg, sofern er als Ursache relevant war.

Daneben gibt es eine Liste von Ausschlusskriterien: Wenn der Gegenverkehr eine separat geregelte Linksabbiegerspur hat, die Ampel an einem Schulweg steht, mehrspurig rechts abgebogen werden darf und wenn rechts ein Zweirichtungsradweg oder Straßenbahnschienen verlaufen, ist der Pfeil von vornherein tabu. Das gilt auch, wenn die Rechtsabbieger beim Vortasten an die Kreuzung just in der Fußgängerfurt oder auf dem querenden Radweg halten müssten, um die Querstraße einsehen zu können.

TU Dresden hat den Pfeil genau untersucht

Im vergangenen Jahr hat die Unfallforschung der Versicherer mit der TU Dresden den Pfeil genau untersucht. An Kreuzungen mit Grünpfeil kracht es demnach kaum häufiger als an anderen. 16 von 61 befragten Städten lehnten den Pfeil aber grundsätzlich ab. Die Entscheidung hänge oft davon ab, ob der jeweiligen Verwaltung die Flüssigkeit oder die Sicherheit des Verkehrs wichtiger sei. Bei den Ausschlusskriterien nehmen es die meisten Städte nicht so genau – und beim korrekten Verhalten der Autofahrer sieht es ganz finster aus: Zwar behaupteten in einer Befragung mehr als 80 Prozent, „meistens“ oder „immer“ am Grünpfeil zu stoppen wie vorgeschrieben. Doch die Beobachtung von fast 1000 Kraftfahrzeugen ergab, dass 77 Prozent nicht anhielten – in Köln ein paar mehr, in Dresden ein paar weniger. Dabei ist der Zwischenstopp erst seit der Nachwendezeit vorgeschrieben. Der Verstoß gehört mit mindestens 70 Euro Bußgeld und drei Punkten in Flensburg eher zu den teuren.

Aus Sicht von UDV-Leiter Brockmann sind die Berliner in diesem Punkt ziemlich gute Ossis: „Im Großen und Ganzen haben die Kraftfahrer hier begriffen, wie es funktioniert: An der Haltelinie anhalten, dann vorfahren bis zur Sichtlinie und abbiegen, wenn es gefahrlos möglich ist.“ Der Wissenschaftler hat aber auch eine schlechte Nachricht: Der Zeitgewinn durch den Pfeil sei „marginal bis nicht vorhanden“. Wer am Pfeil schon bei Rot abbiege, stehe an der nächsten Kreuzung höchstwahrscheinlich umso länger.

Zur Startseite