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Symbolbild: FFP2-Schutzmaske mit der Aufschrift Inzidenz und grünem und rotem Pfeil, Symbolfoto Inzidenzwert Foto: imago images/Christian Ohde
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Exklusiv 20, 35 oder 50? Nicht zielführend! Amtsärzte fordern Abkehr von Lockerungen nach Inzidenzwert

In einem Schreiben an den Berliner Senat haben alle zwölf Amtsärzte eine veränderte Lockerungsstrategie gefordert. Sie kritisieren „NoCovid“-Konzepte scharf.

Berlins Amtsärzte fordern, Lockerungen nicht mehr an generelle Inzidenzwerte zu knüpfen. Es sei „nicht zielführend, Eindämmungsmaßnahmen an Inzidenzen von 20/35/50“ zu koppeln, heißt es in einer Stellungnahme aller zwölf Amtsärzte, die dem Tagesspiegel exklusiv vorliegt.

Das Papier wurde am Wochenende an die Senatskanzlei geschickt. Dort wird in Vorbereitung auf die Ministerpräsidentenkonferenz am 3. März gerade an Öffnungsszenarien gearbeitet. „Diese Inzidenzen bilden nicht das wirkliche Infektionsgeschehen ab“, schreiben die Amtsärzte. Sie seien von Testkapazitäten und dem Testwillen der Menschen abhängig. „Dadurch kommt es zu Schwankungen, die nicht die infektiologische Lage widerspiegeln.“

Es sei ein Unterschied, ob Inzidenzen durch Cluster-Ausbrüche oder breite Durchseuchung zustande kämen und auch, welche Altersgruppen infiziert seien, argumentieren die Mediziner. Stattdessen schlagen sie vor, Maßnahmen nach den möglichen Konsequenzen einer Erkrankung auszurichten.

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Sie wollen „intensive Maßnahmen der Infektionsprävention“ für Alte und Kranke und gleichzeitig eine Abmilderung der Maßnahmen für andere Gruppen wie Schulkinder. Es soll deshalb in Zukunft eine nach Alterskohorten ausgerichtete Inzidenzanalyse als „Frühwarnsystem“ geschaffen werden.

Für welche Altersgruppe die Inzidenz gilt, ist entscheidend

Aus dem Kreis der Amtsärzte hieß es, es sei ein gewaltiger Unterschied, ob eine Sieben-Tages-Inzidenz von 50 herrsche, alle Infizierten symptomfreie Kinder seien und die über 80-Jährigen schon durchgeimpft wären oder ob bei einer Inzidenz von 50 vor allem Risikogruppen betroffen seien. Demnach müsste man auch die politischen Maßnahmen entsprechend justieren.

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Sogenannte „NoCovid“-Strategien, wie sie von führenden Wissenschaftlern erarbeitet wurden, kritisieren die Amtsärzte scharf. Diese würden „den Lebenswirklichkeiten nicht gerecht“, heißt es. Diese Modelle würden andere Fragen der öffentlichen Gesundheit völlig außer Acht lassen.

Die Leiter der bezirklichen Gesundheitsämter fordern den Senat außerdem auf, finanzielle Mittel zur Verfügung zu stellen, um „insbesondere zu dem wissenschaftlichen Stand der Impfungen“ aufzuklären. Ein hoher Durchimpfungsgrad sei „eine entscheidende Säule“, um sich Lockerungen leisten zu können.

Am Montag kehren in Berlin wie in vielen anderen Bundesländern die Klassen eins bis drei als erste wieder in den Präsenzunterricht zurück. Die Präsenzpflicht ist allerdings ausgesetzt, der Unterricht findet im Wechselmodell statt. Die Inzidenz in Berlin sinkt seit Tagen nicht mehr, sondern stagniert. Am Sonntag lag sie bei 56,5 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche.

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