Michael Mueller, Dr. Stefan Franzke, Berlin-Partner, und das Ballett des Friedrichstadt-Palast, beim Hoffest. Foto: DAVIDS/Sven Darmer
© DAVIDS/Sven Darmer

19. Hoffest des Regierenden Bürgermeisters Zwischen Spargelessen und Mauerfall-Performance

Rund 4000 Gäste haben im Roten Rathaus gefeiert - und durften einen exklusiven Blick in den künftigen U-Bahnhof werfen.

Berlin zeigt sich immer von einer neuen Seite, selbst für die Stammgäste des Hoffestes, zu dem der Regierende Bürgermeister Michael Müller am Dienstagabend geladen hatte. Erstmals konnten die rund 4000 Gäste einen exklusiven Blick in den imposanten künftigen U-Bahnhof werfen. Das war schon mal eine Steilvorlage für eher unpolitische, aber dafür zukunftsfrohe Kommentare.

Darauf konzentrierte sich auch der Gastgeber in seiner Eröffnungsansprache. Auch wenn manches noch besser und schneller gehen könne: „Berlin hat sich toll entwickelt. Darauf kann man auch mal stolz sein.“ Ähnlich sah das Enrique Avogadro, der Kulturminister von Buenos Aires, der als besonderer Gast begrüßt wurde. Die beiden Städte sähen zwar unterschiedlich aus, ähnelten sich aber in ihrem Spirit. Viele argentinische Künstler lebten in Berlin und umgekehrt.

Ein eigenes Motto gab es nicht, im Mittelpunkt sollte das von den Ideen und dem Engagement möglichst vieler Bürger getragene freie, dynamische und weltoffene Berlin stehen. Unter den Gästen seien viele, die sich in den 30 Jahren seit dem Mauerfall für die Entwicklung der Stadt eingesetzt hätten, sagte Müller. Eine besonders farbenfrohe Mauerfall-Performance hatten Künstler vom Friedrichstadtpalast mitgebracht.

Unterstützt vom schönen Sommerwetter, zeigten sich die großen Player der Stadt mit Spielen, Speisen und Schautafeln von ihrer besten Seite. Partner wie die Berliner Wasserbetriebe, die „Bar jeder Vernunft“, die Lotto-Stiftung, der Friedrichstadt-Palast, die Freunde des Deutschen Herzzentrums, Brain City, Curry 36, der Kinderzirkus Cabuwazi, die Messe, die Deutsche Oper und der VBKI vermittelten ein ganz eigenes sprudelnd positives Berlin-Gefühl.

Die Berliner Meisterköche hatten manche Gerichte auch um das Thema Mauerfall herum kreiert. Viele Prominente wurden im Laufe des Abends erwartet, darunter Frank Zander, Ehrenbürgerin Margot Friedlaender, Staatsministerin Monika Grütters, Dieter Hallervorden, Renate Künast und immerhin 71 Botschafter.

Die Einstimmung auf das Fest fand für einige Gäste schon am Vorabend statt und hätte nicht symbolgeladener sein können. Mit vier Regierenden Bürgermeistern der Stadt, einem amtierenden und drei ehemaligen, bei einem festlichen Spargelessen zu sitzen, ist in diesen Tagen ein ganz besonderes Erlebnis. Es vermittelt den Eindruck einer politischen Stabilität, die derzeit in weiter Ferne zu sein scheint.

Am Montagabend sind im Restaurant Hugo ganz oben im Hotel Interconti auf Einladung der Berliner Pressekonferenz die Spitzen der Gesellschaft zusammengekommen, und darunter eben auch Michael Müller, Klaus Wowereit, Walter Momper und Eberhard Diepgen, dreimal SPD, einmal CDU.

Nur die kurzfristige Absage der CDU-Bundesvorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer, die Gastgeber Thomas Klein in einer launigen Begrüßungsansprache als „Rücktritt von der Rolle des Ehrengastes“ an diesem Abend verkauft, lässt darauf schließen, dass die politische Welt gerade nicht ganz so junisonnig ist, wie sich das frühlingshafte Berlin von hier oben präsentiert.

Podium mit Tagesspiegel-Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff

Während manche Gäste noch über die verpasste Chance für die CDU-Chefin sprechen, die doch hier vor einem ebenso meinungs- wie reichweitenstarken Publikum in ihrer Festrede manches hätte zurechtrücken können, sammelte sich vor dem Mikrofon schon ein Podium aus Ines Pohl, Chefredakteurin der Deutschen Welle, TV-Produzent Claus Strunz und Tagesspiegel-Herausgeber Stephan-Andreas Casdorff, die in einem kleinen Meinungsfeuerwerk eine Fülle von Impulsen für die Gespräche des Abends generierten.

Mäzenin Ruth Cornelsen lauschte ebenso wie die Senatorinnen Ramona Pop und Regine Günther. BVG-Chefin Sigrid Nikutta trug zum blauen Hosenanzug das BVG-Tuch, „weil es so ein praktischer Schutz gegen Klimaanlagen ist“. Deren Aufgabe übernahmen beim Hoffest die reichlich eingesetzten Fächer der Damen. All denen, die den Abend aus welchen Gründen auch immer zu heiß fanden, blieb immer noch die Flucht in den coolen neuen U-Bahntunnel.

Zur Startseite