Es ist nicht das erste mal, dass sich Restaurants nicht an die Gästelisten-Vorschriften halten. Foto: Roland Weihrauch
© Roland Weihrauch

18 Corona-Infektionen nach Restaurantbesuch Suche nach Gästen des Neuköllner „Brauhaus Neulich“ – Kontaktliste fehlerhaft

18 Menschen sind nach dem Besuch in einem Neuköllner Restaurant positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die Besucher ausfindig zu machen ist schwierig.

Das Gesundheitsamt Neukölln ist wegen eines Corona-Ausbruchs auf der Suche nach Gästen des „Brauhaus Neulich“, die sich zwischen dem 16. und 18. Juli dort aufgehalten haben.

Grund für den öffentlichen Aufruf ist die offenbar nur unvollständige Gästeliste des Restaurants. Bisher haben sich 18 Personen, die sich zu dem Zeitpunkt in der Gaststätte in der Selchower Straße 20 in Neukölln aufgehalten haben, nachweislich mit Sars-CoV-2 angesteckt, wie das Amt mitteilt.

Insgesamt 68 Gäste und sieben Beschäftigte stehen unter Quarantäne. Gäste, die ebenfalls vor Ort waren, werden gebeten, sich unverzüglich unter der Nummer 030/90 239 4040 oder per Mail an geshyg@bezirksamt-neukoelln.de beim Gesundheitsamt zu melden. 

Bei der Suche problematisch ist, dass insgesamt 41 Gäste Namen auf dem für Restaurants vorgeschriebenen Kontaktformular falsch oder nur unvollständig angegeben haben. Zudem gebe es Anhaltspunkte dafür, dass die laut Infektionsschutzverordnung vorgeschriebene Anwesenheitsliste nicht zu allen Zeitpunkten ordnungsgemäß geführt wurde.

„Es muss daher davon ausgegangen werden, dass weitere Gäste bisher unerkannt geblieben sind“, teilte das Amt mit. In diesem Zusammenhang wird außerdem ein Ordnungswidrigkeitsverfahren geprüft. 

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„Wer diese Verantwortung nicht ernst nimmt, trägt eine Mitschuld an der weiteren Verbreitung der Infektion, an möglicherweise schweren Krankheitsverläufen und an möglicherweise erneuten tiefen Einschnitten in unser aller Freiheit durch neue harte Eindämmungsmaßnahmen“, sagte der Neuköllner Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU).

Das Brauhaus selbst kam einer möglichen amtlichen Schließung vorweg und schloss seine Türen am 26. Juli. Man gehe der „Sache gemeinsam mit dem Gesundheitsamt gründlich nach“, heißt es in einem Facebookpost.

In Kommentaren unter dem Beitrag äußerten sich Besucher: „Ich war sehr erstaunt, dass Ihr in meinen Augen keine Regeln eingehalten habt. Personal teilweise unmaskiert, Gäste kommen und gehen wie sie wollen (ebenfalls ohne Maske), Tische wie „davor“ angeordnet. Leider wurde auch keine Zettel ausgeteilt, wo Kontaktdaten angegeben werden“, schreibt ein Facebook-User.

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Das Restaurant kündigte an, den Hinweisen nachzugehen und weitere Sicherheitsvorkehrungen einführen zu wollen.

Infektionen auch in Restaurant am Alexanderplatz

Erst vergangene Woche war bekannt geworden, dass sich mehrere Menschen in dem Restaurant „MIO Berlin“ am Alexanderplatz angesteckt haben. Auch hier war die Kontaktverfolgung schwierig, da die Gästeliste ebenfalls unvollständig war und teils falsche Angaben enthalten hatte.

Im MIO sei außerdem „ohne Einhaltung der Abstandsregelungen getanzt und gefeiert“ hieß es vom Bezirk. Weil es auch Berichte zu überfüllten Lokalen in der Torstraße gab, kündigte Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) an, Bußgelder bis zur maximal rechtlich zulässigen Höhe auszureizen. Auch eine Drohung sprach er: „Bitte lassen Sie es nicht so weit kommen, dass Ihr Betrieb wegen massiver Verstöße gegen die Infektionsschutzverordnung von Ordnungsamt und Polizei sanktioniert und in letzter Konsequenz geschlossen werden muss.“

Ramona Pop kritisiert Gastronomen

Im Mai wandte sich Wirtschaftssenatorin Ramona Pop gemeinsam mit Dehoga-Präsident Christian Andresen an Berlins Gastronomen und bat, die Corona-Regeln einzuhalten. Die Wirte sollen "ihrer unternehmerischen Verantwortung gerecht werden und die Hygiene- und Abstandsregeln in Ihren Betrieben konsequent" umsetzen.

Pop und Andresen verweisen in ihrem Brief auf „Bilder und Berichte über Polizeieinsätze in Restaurants", die der „gesamten Branche" schaden würden. Fahrlässiges Verhalten könnte so zu einem Wiederanstieg der Infektionen führen.

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