Die Berliner Galerie Daniel Marzona zeigte auf der Kunstmesse in Marseille den georgischen Künstler Vajiko Chachkhiani. Foto: ART-O-RAMA 2018 / Karim Grandi-Baupain
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Art-O-Rama Messe in Marseille Neuer Hafen

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Berliner Kunst zu Gast in Südfrankreich: Auf der kleinen, feinen Messe Art-O-Rama in Marseille waren sechs Galerien aus der deutschen Hauptstadt dabei.

Es tut sich etwas in Marseille. Seit in die südfranzösische Metropole für ihre Rolle als Europäische Kulturhauptstadt massiv investiert wurde, zum Beispiel in ein Zentrum für zeitgenössische Kunst, gilt die Stadt als Geheimtipp unter Künstlern. Sie suchen den rauhen Charme des Schmelztiegels, der Marseille seit der Antike und besonders in den letzten Jahrzehnten für Menschen aus den unterschiedlichsten Gegenden ist. Die offenen Unterschiede zwischen Arm und Reich, die sozialen Spannungen scheinen im Zusammenspiel mit dem mediterranen Klima eine Stimulanz für Künstler darzustellen.

Seit zehn Jahren versucht die kleine Messe Art-O-Rama, Marseille auch als Marktplatz auf die Landkarte zu bringen, mit durchaus beachtlichem Erfolg. Als nicht gewinnorientierte Veranstaltung bietet sie am letzten Augustwochenende jungen Galerien eine preisgünstige Plattform für etwas gewagtere Präsentationen als auf klassischen Messen mit ihrem Regelwerk und Verkaufsdruck.

Die Art und Weise der Präsentation spielt eine Rolle

Berliner Galerien schätzen die Art-O-Rama, die eine Ahnung davon vermittelt, was die untergegangene ABC in Berlin hätte sein können. Sechs der 26 teilnehmenden Galerien in Marseille stammen aus der deutschen Hauptstadt. Wesentlich trägt zu dem Eindruck auch die Standarchitektur bei, in der die Galerien ihre Projekte präsentieren. Bis zu 20 Meter Wand kann jeder Teilnehmer nutzen, die Art und Weise spielt eine Rolle.

Das Ergebnis sind völlig unterschiedliche Herangehensweisen. Die Pariser Galerie Allen hat ihre Wand einfach auf den Boden gekippt und nutzt diese als sehr flachen Sockel für eine Gruppenschau mit Skulpturen von acht Künstlern. Zu den wenigen, die sich für eine klassische Kojenarchitektur entschieden haben, gehört ausgerechnet Joseph Tang, einer der angesagten Junggaleristen in Paris.

Buntes bei der Galerie Klemm's auf der Art-O-Rama. Foto: ART-O-RAMA 2018 / Karim Grandi-Baupain
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Die Berliner Galerie Klemm’s hat ihren Künstlerinnen Fiona Mackay und Émilie Pitoiset Carte Blanche bei der Standgestaltung gegeben, die sie genutzt haben, um den Galerienamen in monumentalen Lettern als Hintergrund für ihre Werke, Skulpturen und Aquarelle auf die Wand zu malen. Das Künstlerduo estrid lutz emile mold hat für Neumeister Bar-Am, ebenfalls aus Berlin, einen Blechrahmen aus dem Trockenausbaubedarf mit zehn Meter Länge errichtet, an dem auf jeder Seite ihre Werke hängen, Vexierbilder von dystopischem Chaos.

Aufwertung der Adresse durch die Kunst

Eine weitere Berliner Galerie, Exile, hat ihre Wand ziehharmonikaartig gefaltet, so dass sich je nach Laufrichtung Einzelpräsentationen von Erik Niedling oder Paul Sochacki ergeben. Daniel Marzona, ebenfalls von der Spree, hat den georgischen Künstler Vajiko Chachkhiani ein verlassenes Zimmer voller Leerstellen als Stand bauen lassen. Die Kölner Galerien Phillip von Rosen und Drei setzen als Erstteilnehmer auf Einzelpräsentationen von Rebecca Ann Tess und Anna Virnich.

Parallel zur Messe eröffnete gleich eine ganze Straße mit neuen Galerien und Showrooms in unmittelbarer Nähe des berühmten Vieux Port. Die Adresse soll recht offen durch Kunst aufgewertet werden. Der Großteil der Häuser in der Straße gehört einer Immobiliengruppe, die die leerstehenden Ladenlokale auf drei Jahre der Kunst gegen Betriebskosten öffnet. Das ist kühl geplante Gentrifizierung.

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