Flammschutzmittel können den Brand von Styropor nur verzögern, nicht verhindern. Ein Blitz setzte im Juli ein Styropor-Lage in Wittenberge in Brand. Foto: Jens Wegner/dpa
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Flammschutzmittel Styropor-Stau
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Verbände fordern die Rücknahme der Bundesratsentscheidung

Tatsächlich wäre es nach Ansicht des BDE das Beste, die Einstufung von HBCD-Styropor als gefährlichen Abfall zurückzunehmen. Einen Verbündeten dafür hat der Verband im Bundesland Sachsen gefunden. Laut BDE will der sächsische Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) bei der Umweltministerkonferenz, die Anfang Dezember in Berlin tagt, einen entsprechenden Antrag einbringen. „Der Freistaat Sachsen hält die Einstufung styroporhaltiger Abfälle als gefährliche Abfälle für unverhältnismäßig“, bestätigt die Pressestelle des sächsischen Umweltministeriums.

Auch die Bauwirtschaft fordert die Umweltminister auf, HBCD-haltige Dämmstoffe nach dem Vorbild Österreichs künftig nicht mehr als gefährlichen Abfall einzustufen. Denn: „Die Gebäudesanierung kommt ins Stocken, weil die Unternehmen nicht wissen, wie sie ausgebautes Dämmmaterial wieder loswerden. Das kann nicht im Sinn des Klimaschutzes sein“, teilt der Zentralverband des Deutschen Baugewerbes mit.

Verbrennen per Ausnahmeregelung erlaubt

Mit der hessischen Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) wird eine Rücknahme aber wohl nicht zu machen sein. Inoffiziell war zu erfahren, dass vor allem Hessen die Einstufung von HBCD als gefährlicher Abfall im Umweltausschuss des Bundesrates betrieben hat. „Eine Aufhebung der Klassifizierung von HBCD als Gefahrenstoff wird aus Sicht des Landes Hessen nicht verfolgt“, teilt ein Sprecher des Umweltministeriums dazu mit.

„Die Entscheidung darf nicht aufgrund der Interessen von Lobbyisten aufgeweicht werden“, findet auch Peter Meiwald.

Inzwischen ist der größte Druck aus dem Markt genommen, weil viele Bundesländer das vermischte Verbrennen von HBCD-haltigen Platten zusammen mit anderem Müll per Ausnahmeregelung erlaubt haben. Ein Paragraf des Kreislaufwirtschaftsgesetzes gibt das her. Alles wie vorher also, nur um den Preis viel höherer Kosten? Hat der Bundesrat einen Schildbürgerstreich verzapft?

Recyclingverfahren wird noch nicht angewandt

Umweltschützer sehen das anders, nämlich vom Beginn der Kette her: „Wenn ein Stoff als POP eingeordnet wird, ist die Folgekette einzuhalten“, sagt Rolf Buschmann. Das „bedenkenlose Hantieren mit HBCD“ hätte schon viel eher aufhören müssen. Für Buschmann ist wichtig, dass Styropor jetzt auch getrennt gesammelt werden muss. „Baustoffe machen rund 70 Prozent des Abfallaufkommens aus, das darf man nicht unterschätzen“, sagt er.

Im getrennten Sammeln könnte sogar eine Chance liegen. Denn nun gibt es viel mehr sauber sortierten Styroporabfall auf dem Markt. Genug, um eine vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung entwickelte Methode wirtschaftlich anzuwenden, sagen die Wissenschaftler. Sie können Styropor chemisch lösen und reines Polystyrol zurückgewinnen. Gleichzeitig wird der wertvolle Rohstoff Brom gesammelt und kann wiederverwendet werden.

Eines hat die Ächtung von HBCD auf internationaler Ebene ganz sicher erreicht: Der Stoff wird inzwischen durch das ungefährliche PolyFR ersetzt.

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