Die Villa Borsig auf der Halbinsel Reiherwerder am Tegeler See in Berlin. Die Stiftung für Entwicklungshilfe empfing hier von 1959 bis zum Herbst 2000 Diplomaten aus aller Welt. Foto: Soeren Stache / dpa
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1968 im Tagesspiegel 100. Seminar der Stiftung für Entwicklungsländer in Berlin eröffnet

Gerhard Weis
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Vor 50 Jahren wurde das 100. Seminar der Stiftung für Entwicklungsländer eröffnet

Wie hat der Tagesspiegel das Jahr 1968 begleitet? Wir publizieren regelmäßig einen ausgewählten Text aus der Zeitung von vor 50 Jahren – zur Studentenbewegung, sowie zu anderen Themen, die die Stadt und die Welt bewegt haben. Am 18. Juli berichtete der Tagesspiegel über die Stiftung für Entwicklungsländer.

Das 100. Seminar der Deutschen Stiftung für Entwicklungsländer ist gestern in der Kongreßhalle eröffnet worden. Delegierte aus 19 afrikanischen und asiatischen I Ländern nehmen daran teil. Thema des Seminars ist die Frage der Einführung technische. Neuerungen in der Landwirtschaft von Ländern der Dritten Welt. Wie der Kurator der Stiftung, Fritz, mitteilte, haben in den ersten acht Jahren des Bestehens der Stiftung, die ihren Sitz in der Villa Borsig in Tegel hat, 7000 Gäste aus 90 Ländern an Seminaren und anderen Veranstaltungen teilgenommen.

Der Regierende Bürgermeister Schütz wies in einem Grußwort darauf hin, daß Berlin wirtschaftlich stark genug sei, um an Projekten der Entwicklungshilfe mitzuarbeiten. Er forderte die Industrie-Nationen in Ost und West auf, Mittel und Erfahrungen zusammenzufassen und sie nicht in falsch verstandenem Konkurrenzdenken zu vergeuden.

Der Staatssekretär im Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Hein, teilte in der Eröffnungsveranstaltung mit, daß die Bundesrepublik mit ihrer Entwicklungshilfe unter den 16 Staaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklungshilfe (OECD) im Jahre 1967 den dritten Platz eingenommen habe. 4,5 Milliarden DM hätten die Hilfeleistungen der Bundesrepublik im vergangenen Jahr betragen.

Der Präsident des Kuratoriums der Deutschen Stiftung, der Bundestagsabgeordnete Kahn-Ackermann, sprach sich für eine internationale Partnerschaft in der Entwicklungspolitik aus. Das Hauptproblem der nächsten Jahre werde es sein, "daß wir einem Punkt zusteuern, auf dem wir partnerschaftliche Beziehungen besser und vernünftiger international organisieren müssen, als wir das heute tun". Die Bewältigung dieser Aufgabe setze vor allem auch politische Einsicht voraus.

Bundespräsident Lübke sandte eine Grußbotschaft, in der er betonte, daß keine Mühen gescheut werden dürften, "um die Menschen in den Industrie-Nationen wie in den Entwicklungsländern zu ertüchtigen, den Kampf gegen Hunger, Krankheit, Elend und Unwissenheit aufzunehmen".

 

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