Ausverkauft. Seit Singapur einen Zika-Ausbruch bestätigt hat, sucht man Mückenschutzmittel in den Supermärkten vergeblich. Foto: Edgar Su, REUTERS
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Zika-Epidemie Olympia hat nicht zur Verbreitung von Zika beigetragen

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USA, Singapur, Guinea-Bissau - für seine Reise um die Welt braucht Zika keine Massenveranstaltungen. Das bestätigt das Notfallkomitee der WHO. Doch das Virus gebe Forschern noch viele Rätsel auf.

Während der olympischen Spiele in Rio de Janeiro haben sich weder Athleten noch Besucher mit dem Zika-Virus angesteckt. Brasilien habe dokumentiert, wer sich wegen möglicher Zika-Symptome von einem Arzt behandeln ließ – es wurde keine Infektion bestätigt. Die Länder, in die Sportler und Fans zurückkehrten, hätten ebenfalls keine Fälle gemeldet, die mit der Massenveranstaltung in Verbindung stehen könnten. „Das bestätigt unsere Einschätzung, dass das Übertragungsrisiko durch Mücken sehr gering war“, sagte David Heymann, Infektiologe an der London School of Hygiene and Tropical Medicine und Vorsitzender des Zika-Notfallkomitees der WHO am Freitag. „Wir sind zuversichtlich, dass es bei den Paralympics ähnlich sein wird.“

Zika und die damit verbundenen Schäden bei Föten sowie die neurologischen Probleme bei Erwachsenen seien trotzdem ein Gesundheitsnotfall internationaler Tragweite. Seit 2015 hätten 69 Länder und Territorien einen Ausbruch gemeldet, zuletzt gab es 215 Fälle in Singapur und vier in Guinea-Bissau. Ausgelöst wurden sie nicht etwa durch den Virenstamm, der sich gerade seinen Weg durch Lateinamerika bahnt. Vielmehr ergaben Erbgutanalysen, dass Aedes-Mücken in Singapur eine Virenvariante übertragen, die bereits vor 2015 in Asien vorkam. In Guinea-Bissau dagegen ist der afrikanische Stamm des Virus für die Infektionen verantwortlich. Dennoch gebe es Berichte über Babys mit Mikrozephalie. „Es wird noch untersucht, ob es einen Zusammenhang gibt“, sagte Heymann. Dahinter steht die Frage, ob das Virus wirklich erst 60 Jahre nach seiner Entdeckung in Uganda gefährlich wurde. „Vielleicht hatte in Afrika bisher niemand genau genug hingeschaut“, sagte Heymann. „Wir wissen zu wenig über die Evolution des Virus.“

2,6 Milliarden Menschen leben in potenziellen Zika-Gebieten

Entwicklungs- und Schwellenländer in Asien und Afrika sollten sich vorsichtshalber darauf einstellen, Babys mit Hirnschäden oder Erwachsene mit Lähmungen zu versorgen. Insgesamt 2,6 Milliarden Menschen leben dort in potenziellen Zika-Gebieten, errechneten Forscher um Kamran Khan vom St. Michael’s Hospital in Toronto. Besonders bedroht seien 1,2 Milliarden Menschen in Indien, 242 Millionen in China und 197 Millionen in Indonesien, schreiben sie im Fachblatt „Lancet Infectious Diseases“. In ihr mathematisches Modell gingen Wetter- und Flugdaten sowie die Bevölkerungsdichte ein.

Dringend geklärt werden müsse, wie lange eine sexuelle Übertragung möglich ist, sagte Heymann. Offenbar kann sich das Virus nicht nur im Sperma, sondern ebenso in der vaginalen Schleimhaut vermehren. Man könne noch nicht genau beziffern, wie groß das Risiko für den Fötus ist, wenn sich eine Schwangere durch einen Mückenstich oder Sex infiziert, sagte Heymann. Das Spektrum der Einschränkungen reiche jedenfalls über Mikrozephalie hinaus: Manche Kinder neigten zu epileptischen Anfällen oder sie haben Probleme mit Gelenken, Augen und Ohren. Ob zusätzliche Faktoren – von der Ernährung über Genetik und Ko-Infektionen bis zu chemischen Schadstoffen – das Ausmaß der Schäden beeinflussen, werde weiterhin diskutiert. Schließlich sei es auffällig, dass Mikrozephalie-Fälle besonders oft aus dem Nordosten Brasiliens gemeldet werden.

Das Risiko für Lähmungen ist deutlich erhöht

Derweil mehren sich die Hinweise darauf, dass Zika bei Erwachsenen eine seltene neurologische Komplikation nach sich ziehen kann: das Guillain-Barré-Syndrom. Eine nachträgliche Analyse von fast 165.000 Zika-Fällen sowie 1474 Guillain-Barré-Syndrom-Patienten in acht Ländern ergab, dass während eines Ausbruchs das Risiko für die lebensbedrohlichen Lähmungen um das zwei- bis fast zehnfache erhöht war. Männer waren davon öfter betroffen als Frauen, schreiben die Forscher im „New England Journal of Medicine“. Es gebe einen starken Zusammenhang, selbst wenn der ursächliche Mechanismus unklar sei.

In Deutschland sind bislang 146 Zika-Infektionen bekannt geworden. Die allermeisten seien Reiserückkehrer aus den Epidemiegebieten. Mindestens in einem Fall habe es aber eine sexuelle Übertragung in Deutschland gegeben, bestätigt das Robert-Koch-Institut.

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