Auf der Lauer. Spürhund Mono findet Bettwanzen sogar in Steckdosen. Foto: Tim Wegnerp

Parasiten als Urlaubssouvenir Mit Spürhunden gegen Bettwanzen

Jan Berndorff
0 Kommentare

Sie lieben menschliches Blut, krabbeln ins Gepäck und lassen sich in immer mehr Hotels nieder. Hunde sollen die Parasiten nun stoppen.

„Mono, such!“ Der zweieinhalb Jahre alte, schwarze Rhodesian Ridgeback-Labrador-Mischling wedelt mit dem Schwanz und macht sich, Nase voran, an die Arbeit. Schnüffelt mal links, mal rechts durch einen schmucklosen Raum irgendwo im Frankfurter Flughafen. Dann weckt eine Steckdose sein Interesse. Er legt sich davor und schaut sein Herrchen an. Treffer! Mono hat soeben eine kleine Kolonie von Bettwanzen aufgespürt. „Fein!“ lobt Hundeführer Heino Pollmann und zückt ein Leckerli.

Die "Tapetenflundern" sind kaum aufzuspüren

Mono ist ein Bettwanzen-Spürhund, ausgebildet am Frankfurter Flughafen, wo sich der Betreiber Fraport eine europaweit einzigartige Hundestaffel zum Aufspüren dieser Parasiten hält, die sich seit einigen Jahren weltweit ausbreiten.

Der Mensch ist der Hauptwirt der etwa einen halben Zentimeter großen, rotbraunen Blutsauger. Wenn er nachts schläft, krabbeln die Insekten aus ihren Verstecken, klappen ihren Saugrüssel nach vorn und stechen zu. „Die Stiche von Bettwanzen sind ähnlich lästig wie die von Mücken“, sagt die Biologin und Wanzenexpertin Arlette Vander Pan vom Umweltbundesamt. Nur wird man Bettwanzen, anders als Mücken, kaum wieder los. Vor der Blutmahlzeit sind sie so flach wie Papier und gelangen in jede Ritze in Betten, Schränken, Kleidern, Steckdosen oder unter loser Tapete. Sobald jemand das Licht einschaltet, huschen die „Tapetenflundern“ in ihre Verstecke. Selbst für Schädlingsbekämpfer sind sie kaum zu entdecken. Nun sollen Hunde mit ihrer feinen Nase Cimex lectularius aufspüren.

Wanzenplage hat mit mangelnder Hygiene nichts zu tun

Das ist dringend nötig, denn der zunehmende internationale Warenhandel und die Reisefreude des Menschen fördern die Ausbreitung der Wanze. Mit mangelnder Hygiene habe das „nicht das Geringste zu tun“, sagt Vander Pan. „Einer Bettwanze ist es völlig egal, ob es schmuddelig oder sauber ist.“ Einer kürzlich veröffentlichten Studie im Fachblatt „Scientific Reports“ zufolge werden die Wanzen von menschlichlichem Körpergeruch angezogen. Den strömt auch schmutzige Wäsche aus, die in Jugendherbergen ebenso wie in Fünf-Sterne-Hotels herumliegt und im Koffer mitsamt Wanzen die Welt bereist.

Entsprechend kann ein Hotel nichts dafür, wenn ein Gast sie einschleppt. „Trotzdem fürchten die Unternehmen, dass Bilder von Wanzen in ihrem Haus im Internet landen und dem Ruf schaden“, sagt Larry Hansen, der die Bettwanzen-Spürhundestaffel am Frankfurter Flughafen ausbildet.

Seit 2007 siebenfach mehr Bettwanzeneinsätze in Berlin

In den USA gehe man mit dem Problem offener um: „Es heißt, in New York seien von zehn Hotels sieben betroffen“, sagt Hansen. Bei Berliner Schädlingsbekämpfern haben sich die Bettwanzeneinsätze zwischen 2007 und 2015 versiebenfacht. „Vor 25 Jahren konnten wir unsere jährlichen Einsätze noch an einer Hand abzählen“, berichtet der Berliner Landesverbandsvorsitzende Mario Heising. „Inzwischen sind wir bei rund 1500.“ Es waren die Schädlingsbekämpfer, die auf das Bettwanzen-Spürhundprogramm am Frankfurter Flughafen drängten: „Sie hatten die Bettwanzenstiftung um Hilfe gebeten“, erzählt Larry Hansen, der bei der „Bed Bug Foundation“ im Vorstand sitzt. Sie wünschten sich eine professionelle Hundeausbildung, wie es sie bis dahin nur in den USA gab.

Vier Hunde und einen in Ausbildung hat die Fraport-Staffel zurzeit zur Verfügung, um Hotels, Flugzeuge und Koffer am Flughafen zu untersuchen. Aber auch von außerhalb werden die Hunde gebucht: „Wir kommen kaum hinterher“, sagt Hansen. „Auf unserer Warteliste stehen zurzeit 550 Wohnungen.“ Heino Pollmann hat sich mit Mono als Bettwanzenaufspürer selbständig gemacht und will bald den nächsten Spürhund ausbilden. „Die Suche nach Bettwanzen hat gerade erst begonnen.“

Zur Startseite