Heiß und Kelt. Exoplanet Kelt-9b kreist um eine Sonne im Sternbild Schwan. Grafik: Nasap

Neuer Riesenplanet Schnell, heiß und mit Schweif

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"Kelt-9b" umrundet seine Sonne in nur 36 Stunden - und heizt sich auf mehr als 4300 Grad auf. Damit ist er heißer als mancher Stern.

Es ist kein Exoplanet, auf dem Forscher außerirdisches Leben vermuten würden: Zwar böte „Kelt-9b“ genug Platz. Immerhin ist der 650 Lichtjahre entfernte Planet im Sternbild Schwan etwa so groß wie Jupiter. Aber Oberflächentemperaturen von über 4300 Grad Celsius – heißer als so mancher Stern – und eine massive UV-Bestrahlung von seiner Sonne, die er in anderthalb Tagen umrundet, zeugen von einem eher lebensfeindlichen Ort. Trotzdem äußern sich die Forscher von der Vanderbilt- und Ohio-State-Universität in den USA begeistert über ihre ungewöhnliche Entdeckung, die sie diese Woche im Fachblatt „Nature“ vorstellen.

„Allen typischen Definitionen nach ist es ein Planet“, sagt Scott Gaudi von der Ohio-State-Universität. „Aber seine Atmosphäre ist ziemlich sicher die ungewöhnlichste, die wir je gesehen haben.“ Kelt-9 ist gerade mal 900 Grad Celsius kühler als die Sonne unseres Sonnensystems – viel zu heiß, als dass sich Wasser, Kohlendioxid oder Methan bilden könnten. Am außergewöhnlichsten aber ist die starke UV-Strahlung, die Kelt-9b von seinem Stern (Kelt-9) einstecken muss, der etwa doppelt so groß und heiß ist wie unsere Sonne. Sie wirkt wie ein kosmischer Grill auf den Planeten und bläht ihn und seine Atmosphäre auf wie einen Ballon, sodass Kelt-9b zwar etwa 2,8 Mal so massiv wie Jupiter ist, aber nur halb so dicht.

Der Planet kann eines Tages verdunsten

Teile der heißen Atmosphäre werden beim rasenden Ritt um die Sonne sogar weggerissen, sodass er einen kometenartigen Schweif auf seiner Umlaufbahn hinter sich herzieht. Die Strahlung sei so stark, dass der Planet irgendwann sogar komplett verdunsten könnte, sagt Keivan Stassun, Astronom an der Vanderbilt-Universität. „Wenn Gas-Riesenplaneten wie Kelt-9b einen soliden Kern aus Stein haben, wie einige Theorien annehmen, dann könnte der Planet auch bis auf einen nackten Stein, wie Merkur, heruntergekocht werden.“ Möglich wäre auch, dass Kelt-9b von seiner Sonne geschluckt wird, da die Umlaufbahn sehr nah an dem Stern verläuft, der in etwa einer Milliarde Jahren ein Roter Riese werden wird, meint Stassun: „Die Langzeitprognosen für Leben – oder eine günstige Eigentumswohnung – sind nicht gut auf Kelt-9b.“

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