Für Kinder, die gern nach Scherben im Sand buddeln, gibt es eine Grabung, diesmal im Garten des Topoi-Hauses. Foto: Bernd Wannenmacherp

Lange Nacht der Wissenschaften Buntes Programm für Archäologie-Fans

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Nach Keramikscherben graben und altrömisch essen: In Dahlem wird der Alltag in der Antike lebendig, aber auch der von Forschenden und Studierenden heute.

„Für eine Nacht in die Antike“ – so beginnt die Lange Nacht der Wissenschaften am Sonnabend im Audimax der Freien Universität. Prominente Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler messen sich bei der Eröffnungsfeier im Quiz mit Schülern, wer mehr über das Leben in der Antike weiß. Nun gilt auch an der Uni, dass man hinterher immer schlauer ist. Was für die Quiz-Teams zu spät kommt, können die Gäste vom späten Nachmittag bis kurz vor Mitternacht von der Pieke auf lernen: Die FU bietet ein Altertums-Studium in einer Nacht, hinzu kommen Angebote auch anderer Standorte wie der Humboldt-Uni und der Hochschule für Technik und Wirtschaft.

Selber nach Keramikscherben graben, altrömisch essen und Vorträgen etwa über die Mathematik in Mesopotamien lauschen – so geht „Lange Nacht“! Mitmachaktionen, allgemeinverständliche Referate und Fingerfood, das zum Erforschten passt, gehören traditionell dazu. Zum 17. Mal lädt die Lange Nacht in der ganzen Region an 100 Standorten zu 2000 Veranstaltungen ein.

Die "Lange Nacht" soll nicht nur Kindern Spaß machen

Die Altertumsforscher haben in diesem Jahr den Anspruch, neue, tiefere Einblicke zu geben. Im und um das Haus des Exzellenzclusters Topoi zu Raum und Wissen in antiken Kulturen wollen sie den Alltag der Menschen in der Antike ebenso erfahrbar machen wie den Alltag der Forschenden und Studierenden. „Oft wird die Lange Nacht ja als Kinderveranstaltung wahrgenommen, die vor allem Spaß machen soll“, sagt Topoi-Geschäftsführer Hauke Ziemssen, der das Programm „Alltägliches aus Altertum und Wissenschaft“ organisiert hat. „Wir wollen in diesem Jahr den Informationsgehalt erhöhen: Alle Aktivitäten sind an die Forschung gebunden.“

Das geht schon los bei der Kinder-Grabung. Die Kleinsten dürfen im Garten an der Hittorfstraße 18 weiter im Sand nach Scherben und Münzen buddeln, aber die Größeren werden in die Kunst der stratigrafischen Grabung eingewiesen. Auf der Suche nach den Grundmauern eines antiken Hauses müssen sie den Boden Schicht für Schicht abtragen und Funde genau zuordnen – wie echte Archäologen. „Wir zeigen, dass wir nicht nur Schätze freilegen, sondern auch deren Kontext bestimmen“, sagt Ziemssen.

Am Rande der Grabung hält eine Professorin für Klassische Archäologie Kurzvorträge zum Alltag der Feldforschung und wie er sich verändert hat. So werden heute die Schichten zunächst mit Laserscanning dreidimensional erfasst. Das interessiert auch die Eltern der kleinen Ausgräber. Zu den Mitmachkursen zählt – neben dem Basteln antiker Kinderpuppen oder Bogenschießen – die anspruchsvolle Aufgabe, Fundstücke mithilfe von Fotos in 3-D-Modelle zu verwandeln. Erklärt wird dabei, wie die Technik genutzt wird, um ganze Gebäude und Landschaften zu rekonstruieren. Wie historische Bauforscher dabei genau vorgehen, erklärt das Architekturreferat des Deutschen Archäologischen Instituts, das im Topoi- Haus zu Gast ist.

Auch der Weg an andere Standorte lohnt sich

Für Archäologie-Fans lohnt sich auch der Weg an andere Standorte – etwa an die Hochschule für Technik und Wirtschaft. Auf dem Campus in Oberschöneweide präsentieren Studierende der Grabungstechnik ihr „Steinzeitbaby aus der Ucker“. Die Überreste eines sechs Monate alten Kindes, das vor etwa 8400 Jahren in der Uckermark geboren wurde, werden ebenso gezeigt wie das daraus erstellte 3-D-Modell. Und der Ausgräbernachwuchs erklärt, was Grab und Knochen über unsere Vorfahren, die Steinzeitmenschen in Mitteleuropa, verraten.

Was Kinder um 2000 v. Chr. in der Mongolei spielten, lässt sich an der Humboldt-Uni entdecken. Das Knöchelspiel Sagai aus Fersenknochen von Schafen und Ziegen wurde jahrtausendelang von Nomaden gespielt, geriet zum Ende des 20. Jahrhunderts in Vergessenheit und wurde 2014 durch die Unesco zum Kulturerbe der Menschheit erklärt. Beim Workshop auf der Wiese im Innenhof der HU lebt es wieder auf.

Auch im Dahlemer Topoi-Haus steht eine Art Quiz am Ende des Schnell-Studiums. Studierende fragen das Vorwissen der Besucher ab – und das, was sie in der Langen Nacht über Altertumsforschung gelernt haben. Dass sie hinterher mehr wissen, dürfte aber schon feststehen. Wer Lust auf ein echtes Archäologie-Studium bekommt, kann sich gleich bei der Studienberatung informieren, wie viele Richtungen es gibt. Und welche Sprachkenntnisse man etwa mitbringen oder erwerben muss, um eine gute Archäologin oder ein guter Archäologe zu werden.

Mehr Infos zum Programm der 17. Langen Nacht der Wissenschaften finden Sie hier.

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