Grieche in Ägypten. Ptolemaios I. war der erste ptolemäische Herrscher Ägyptens. Foto: Wikipedia
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Klima macht Geschichte Vulkane beeinflussten Revolten im Alten Ägypten

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Dürren am Nil, verursacht durch vulkanische Eruptionswolken, trugen zu Aufständen in der Zeit der Ptolemäer bei.

Starke Vulkanausbrüche schwächten in den letzten 2500 Jahren immer wieder die sommerliche Nilschwemme. Dadurch könnten die Vulkane gesellschaftliche Konflikte beeinflusst haben, zum Beispiel Kriege und Aufstände zu Zeiten der Ptolemäer in Ägypten. Das berichtet ein Forscherteam um den Historiker Joseph Manning von der Yale-Universität in New Haven jetzt im Wissenschaftsjournal „Nature Communications“. Die makedonischen Ptolemäer beherrschten Ägypten nach der Eroberung durch Alexander den Großen bis zur Zeitenwende.

Heutzutage unterdrücken Staudämme die Nilschwemme. Früher lieferte diese den Nährboden für das Aufkommen und Fortbestehen der Zivilisation in der trockenen Region. Wie hoch die sommerlichen Überflutungen ausfallen, wird bereits seit dem Jahr 622 schriftlich festgehalten. In diesen Daten lässt sich ein Einfluss von Vulkanen feststellen.

Stärke und Datum besonders heftiger Vulkanausbrüche in der Vergangenheit hat Michael Sigl vom Paul-Scherrer-Institut in Villigen rekonstruiert. Die Eruptionswolken hinterließen nämlich Schwefelspuren in Bohrkernen, die aus den Eisschilden von Grönland und der Antarktis geborgen worden waren.

Schleudern Vulkane große Mengen Schwefeldioxid besonders hoch in die Atmosphäre, reagieren Wetter und Klima darauf. Aus dem Gas werden dann Tröpfchen der Schwefelsäure, die sich als Schleier rings um den Erdball verteilen. Der Schleier fängt einen Teil der Sonnenstrahlung ab und kühlt so den Erdboden darunter. Das verringert im Sommer den Temperaturunterschied zwischen Kontinenten und Meeren, wodurch die Monsunwinde verschoben werden. In der Folge regnet es am Blauen Nil weniger.

Vulkane ließen den Regen versiegen

Zwischen 622 und 1902, vor dem Bau der ersten Assuan-Staumauer, war die Nilschwemme in Jahren mit einer heftigen Vulkaneruption im Schnitt 22 Zentimeter niedriger als in den übrigen Jahren. Dieser Zusammenhang zwischen den 60 untersuchten Vulkanausbrüchen und den Überflutungen tritt in den Daten deutlich hervor. Für das 20. Jahrhundert hat das Forscherteam die Wirkung von Vulkanausbrüchen auf die Atmosphäre außerdem mithilfe von Klimamodellen nachgewiesen.

Auf der Basis dieser Kenntnisse haben die Forscher die Zeit der Ptolemäer zwischen 305 und 30 vor Christus neu interpretiert. In Papyrus-Dokumenten und Inschriften fanden sie etliche Hinweise, dass auch damals nach einem starken Vulkanausbruch oft die Nilschwemme ausfiel. Außerdem reagierte die Gesellschaft anscheinend empfindlich auf diese Ereignisse. Mehrfach gab es Aufstände im Innern, wohingegen Kriege mit Nachbarstaaten zum Erliegen kamen. „Wir denken, dass die Herrscher in Dürrejahren Kriege beendeten, weil die Volksaufstände und die Not im eigenen Land die Weiterführung des Krieges behinderten“, sagt Sigl. Außerdem nahmen mit einer gewissen Verzögerung die Landverkäufe zu. Offenbar setzten nach der Dürre Probleme mit der Landwirtschaft ein.

Die Ägypter haben von den Vulkanausbrüchen, die zu den Wirren im Lande führten, nie etwas mitbekommen. Die Ausbrüche ereigneten sich in weit entfernten Regionen. Die Dürren am Nil sollten nicht als alleinige Ursache der historischen Ereignisse betrachtet werden, warnen die Forscher. Denn viele gesellschaftliche Faktoren haben die Konflikte zusätzlich beeinflusst. Zum Beispiel kam es zu Spannungen zwischen ägyptischen und griechischen Eliten; es entstanden Probleme mit der wachsenden Bevölkerung und der Besteuerung; außerdem stiegen wiederholt die Kosten des Militärs. Einen starken Einfluss auf die Umbrüche unter den ptolemäischen Pharaonen dürften die ausbleibenden Nilschwemmen trotzdem ausgeübt haben.

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