Ungewisses Schicksal. Infiziert sich ein Fötus im Mutterleib mit Zika, entsteht oft eine Mikrozephalie. Wie sich diese Kinder langfristig entwickeln, kann noch niemand sagen. Foto: Ricardo Moraes, REUTERSp

Folgen von Zika Auch andere Länder müssen mit Mikrozephalie-Babys rechnen

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Wie hoch ist das Risiko für den Fötus, wenn sich die Mutter während der Schwangerschaft mit Zika infiziert? Die Daten einer brasilianischen Fallkontrollstudie sind beunruhigend.

Egal wie viele tragische Fälle geschädigter Babys Ärzte beschrieben, egal wie viele Versuche im Labor den Zusammenhang zwischen der Zika-Epidemie und den Hirnschäden bei Föten belegten – in Brasilien blieb die Öffentlichkeit bisher skeptisch. Schließlich wurden vor allem im Nordosten des Landes Babys mit zu kleinen Köpfen (Mikrozephalie) geboren. Insektizide seien schuld, hieß es. Umweltgifte, schlechte Ernährung, andere Viren. Auch die WHO interessiert, ob dort ein weiterer Faktor die Folgen der Infektion verschärft oder ob neurologische Einschränkungen bei Neugeborenen in dieser Region nur zuerst auffielen, weil die aktuelle Zika-Epidemie dort begann.

Die Daten einer ersten Fallkontrollstudie in Recife deuten nun darauf hin, dass der Nordosten Brasiliens schlicht und ergreifend zuerst betroffen war. Die Gesundheitssysteme in anderen Ländern sollten sich ebenfalls auf die Mikrozephalien und anderen Schäden bei Neugeborenen vorbereiten, mahnen das Team um Thalia Araujo von der Universität von Pernambuco in Recife im Fachblatt „Lancet Infectious Diseases“.

Die Ärzte und Forscher haben von Januar bis Mai 2016 in acht Krankenhäusern in Recife alle 32 Neugeborenen mit Mikrozephalie registriert. Für jeden Fall haben sie zwei Babys mit normalgroßem Kopf gesucht, die am Morgen danach geboren wurden, etwa zur gleichen Zeit gezeugt worden waren und aus der gleichen Gegend stammten. Sie untersuchten alle Mütter und Kinder auf weitere Infektionen, entnahmen den Babys Blut und Hirnwasser, schauten sich die Gehirne im Computertomographen (CT) und mit Ultraschall an. Der unmittelbare Vergleich soll den Forschern helfen, unbeabsichtigte Verzerrungen der Ergebnisse zu vermeiden.

Nicht alle Mikrozephalie-Babys hatten weitere Hirnschäden

Kinder, deren Mütter sich während der Schwangerschaft mit Zika infiziert hatten, hatten 50 Mal so oft eine Mikrozephalie als die anderen Babys, schreibt das Team. Allerdings handele es sich um eine vorläufige Auswertung der Daten, es sollen insgesamt 200 betroffene und 400 „normale“ Babys untersucht werden.

Bei den Müttern von Mikrozephalie-Babys hatten sich 80 Prozent während der Schwangerschaft mit Zika infiziert, bei den anderen 64 Prozent. Aber während bei keinem Kind aus der Kontrollgruppe Zika in Blut oder Hirnwasser nachweisbar war, fanden die Forscher es bei 13 der 32 Babys mit zu kleinem Kopf (41 Prozent). Interessant sei, dass nur sieben der 27 Kinder mit Mikrozephalie weitere Hirnschäden hatten - bis hin zu Epilepsien.

Die Rolle einer vorherigen Dengue-Infektion ist weiter unklar

„Aber es bleiben Fragen offen, etwa nach der Rolle einer vorherigen Dengue-Infektion“, sagt Thalia Araujo. Dengue gehört wie Zika zu den Flaviviren. Es ist unklar, ob Antikörper gegen Dengue das Problem für den Fötus verschlimmern, ihn schützen oder ob sie gar keine Auswirkungen haben. Fast 60 Prozent aller Mütter hatten sich in der Vergangenheit damit angesteckt, allerdings unterschied sich deren Häufigkeit nicht.

Die Diagnose-Kriterien für eine Mikrozephalie sollten dringend überdacht werden, mahnen die Forscher. Einige Föten wachsen wegen einer Zika-Infektion generell nicht so gut, sie haben ein geringeres Geburtsgewicht. Ihr Kopf sei jedoch im Verhältnis zum Körper nicht ungewöhnlich klein. Beide Gruppen können Hirnschäden erleiden, doch möglicherweise haben sie jeweils eine andere Prognose. Um diese Unterschiede zu analysieren, müsse die Definition sie zunächst voneinander trennen.

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