Flüchtlinge werden an einer Hochschule beraten. Foto: Karl-Josef Hildenbrand /dpap

Flüchtlinge Langer Weg an die Uni

Valentin Feneberg
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Wie integriert man Geflüchtete an den Hochschulen? Studentische Helfer haben sich in Berlin darüber ausgetauscht.

Ali Daioub weiß, wie schwer es ist, sich im Dickicht einer deutschen Universität zu orientieren. Vor zwei Jahren kam der 25-jährige Syrer mit einem Studienvisum nach Sachsen. Mittlerweile studiert er im Master Wirtschaftsingenieurwesen an der Hochschule Leipzig – und berät dort studieninteressierte Geflüchtete. Die Zahl der studentischen Initiativen zur Integration Geflüchteter an deutschen Hochschulen ist in den vergangenen zwei Jahren stark gewachsen. Sie geben Sprachkurse, beraten Geflüchtete oder begleiten sie als Mentorinnen. Jetzt fand an der Humboldt-Universität Berlin das erste bundesweite Vernetzungstreffen der Initiativen statt, organisiert von den Studierenden des Programms „Refugees Welcome an der HU“.

Unterstützt werden die Initiativen seit 2016 vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) – im Programm „Welcome - Studierende engagieren sich für Flüchtlinge“. Über 160 sind es aktuell. Normalerweise sei diese Art der Förderung nicht die Aufgabe des DAAD, sagt Katharina Fourier, die Leiterin des Referats Hochschulprogramm für Geflüchtete. „Aber wir haben uns die Frage gestellt: Wie können wir am besten umgehen mit dem großen Potenzial, das da zu uns kommt?“. Mittlerweile erreiche der DAAD etwa 50 000 Geflüchtete in Deutschland, die von über 900 studentischen Hilfskräften betreut werden.

Unbedingt studieren - oder doch lieber eine duale Ausbildung?

Doch was können die Studierenden über die Angebote der offiziellen Studienberatungen hinaus leisten? Bisher sei viel über das „Learning by Doing“-Prinzip gelaufen, sagt Jérôme Dolling, einer der Organisatoren der Konferenz. Jetzt wolle man sich vernetzen und sich etwa über Beratungsstrategien austauschen. Muss zum Beispiel jeder, der sich für die Uni interessiert, tatsächlich gleich studieren? Die Mentoren diskutieren, wie sie den jungen Frauen oder Männern aus Syrien, dem Iran oder Afghanistan eine duale Berufsausbildung als Alternative schmackhaft machen können. Vielen Geflüchteten sei das deutsche Ausbildungssystem gar nicht bekannt.

Auch über die Beratungssprache wird nachgedacht: Ideal wäre es, die Gespräche in den Muttersprachen der Geflüchteten führen zu können. Das bestätigt auch Ali Daioub: Er berät häufig auf Arabisch. Für die erste Orientierung sei das eine echte Erleichterung. Für das eigentliche Studium müsse dann natürlich die deutsche Sprache erlernt werden. Die meisten Hochschulen fordern das Niveau C1.

Es werden auch Erfolgsgeschichten erzählt

Es ist unter anderem dieses hohe Sprachniveau, das den Weg an die Hochschulen in die Länge zieht. Immer wieder ist auf der Konferenz zu hören, dass es deshalb noch viel zu früh sei, Bilanz zu ziehen, ob die Integration an den Hochschulen geglückt sei. Doch es werden auch Erfolgsgeschichten erzählt: An der Technischen Hochschule Brandenburg etwa beginnen jetzt gut zwanzig Flüchtlinge ein Vollzeitstudium. Salah Alden Alshami ist einer von Ihnen, darüber hinaus arbeitet er als studentische Hilfskraft im Zentrum Internationales und Sprachen – auf einer der DAAD-geförderten Stellen. Das Engagement der Studierenden für ihre neuen Kommilitonen trägt also erste Früchte.

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