Geehrt. Joachim Frank (77) in seiner New Yorker Wohnung. Foto: Brendan McDermid/REUTERS
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Chemie-Nobelpreis Joachim Frank: Aus Siegen nach New York

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Der deutsch-amerikanische Nobelpreisträger wurde in die USA abgeworben - wie so viele andere Spitzenforscher.

Deutscher ist er noch. Aber den größten Teil seiner wissenschaftlichen Karriere hat der frisch gebackene Chemie-Nobelpreisträger Joachim Frank in den USA zugebracht. Seit 1997 besitzt er auch deren Staatsangehörigkeit. Frank gehört zur wachsenden Zahl von Spitzenforschern, die Deutschland nicht wie zur NS-Zeit aus politischen Gründen Richtung Amerika verließen. Sondern ganz einfach, weil die USA nun einmal die besseren Bedingungen bieten. Andere Beispiele sind die Physik-Nobelpreisträger Wolfgang Ketterle (2001), Herbert Kroemer (2000) und Horst Störmer (1998) sowie die Medizin-Preisträger Thomas Südhof (2013) und Günter Blobel (1999).

Geboren wurde Frank 1940 in Siegen. Früh stellte er chemische Experimente unter der Veranda seines Elternhauses an, später wurde er zum Elektronikbastler. „Als ich zwölf oder 13 war, habe ich Teile gekauft, um ein Radio zu bauen“, erinnerte er sich in einem Interview. „Später nahm ich alte Radios auseinander und setzte sie wieder zusammen.“

Frank studierte Physik in Freiburg und München, wo er auch promovierte. Bald zog die Elektronenmikroskopie ihn in ihren Bann. Er war fasziniert von der Idee, mit Hilfe von Elektronen Moleküle zu „fotografieren“. Sie ließ ihn sein ganzes Forscherleben nicht los.

Eine Studie als Türöffner in die USA

Nach der Promotion ermöglichte ein Stipendium dem jungen Wissenschaftler einen ersten USA-Aufenthalt an mehreren Spitzeneinrichtungen wie der Universität Berkeley und der Cornell-Universität. In Berkeley schrieb Frank eine viel beachtete Studie über moderne Methoden der Elektronenmikroskopie. Sie wurde letztlich zu seiner „Eintrittskarte“ in die USA.

Zurückgekehrt nach Deutschland, fand er zunächst keinen beruflichen Wiedereinstieg und ging an das Cavendish-Laboratorium der britischen Universität Cambridge, an dem 1953 Francis Crick und James Watson die Struktur der DNS-Doppelhelix „geknackt“ hatten. Hier bekam er ein Stellenangebot des Wadsworth Centers, eines großen staatlichen Forschungslabors in Albany, New York.

Frank wechselte 1975 an das Wadsworth Center und verfeinerte hier seine Methode, die räumliche Gestalt von Molekülen mit Hilfe vieler einzelner elektronenmikroskopischer Aufnahmen zu erschließen. 1986 nahm er eine Professur an der Universität von Albany an, Gastaufenthalte führten ihn an das Labor für Molekularbiologie in Cambridge (1987) und das Max-Planck-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg (2004).

2008 wechselte Frank an die New Yorker Columbia-Universität, wo er Professor für Biochemie, molekulare Biophysik und biologische Wissenschaften ist. 2006 wurde er zum Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften der USA ernannt. Frank ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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