Jean-Claude Juncker (re.), Präsident der Europäischen Kommission, und Tibor Navracsics, EU-Bildungskommissar. Fotos: Georges Boulougouris/EU; Stefan Wermuth/Reuters
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Bildung und Kultur in der EU Die europäische Identität stärken

Jean-Claude Juncker Tibor Navracsics
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Selbstbewusst und mobil durch Bildung und Kultur: Was die EU dazu bis 2025 plant, erklären der Kommissionspräsident und der Bildungskommissar in einem Gastbeitrag.

Wenn man alles noch einmal machen müsste, würde ich mit der Kultur anfangen.“ Dieses Zitat, das fälschlicherweise Jean Monnet zugeordnet wird, wurde jetzt wieder brandaktuell, als die 28 europäischen Staats- und Regierungschefs im schwedischen Göteborg zusammenkamen. Für den ersten Zwischenstopp auf ihrer Reise, die am 9. Mai 2019 in Hermannstadt (Rumänien) endet, hatten die Staats- und Regierungschefs ein Thema ausgewählt, das den Kern der Zukunft Europas verkörpert: Bildung und Kultur. Mit Bildung und Kultur verwandeln wir Umstände in Chancen, Spiegel in Fenster. Sie bilden die Wurzeln unserer europäischen Identität.

Zwar verfügt die EU im Bereich Bildung und Kultur über keine direkten Befugnisse, doch nutzt sie die ihr zur Verfügung stehenden Instrumente, um die Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten zu fördern und den Künstlern und Lehrkräften die grenzübergreifende Arbeit in der EU zu erleichtern. Und das ist angesichts der vielen Herausforderungen, die eine grenzübergreifende Dimension haben und eine gemeinsame Antwort erfordern, ganz entscheidend.

Für Pressevielfalt, Medienvielfalt und Qualitätsjournalismus

Wie können wir den 44 Prozent Europäern aller Altersgruppen, die nicht über digitale Grundkenntnisse verfügen, helfen? Wie können wir weiterhin Pressefreiheit, Medienvielfalt und Qualitätsjournalismus gewährleisten? Wie können wir angesichts von Populismus und Fremdenfeindlichkeit unsere Werte der Freiheit und Demokratie durchsetzen? Bildung und Kultur müssen Teil der Lösung sein. Daher wird die Europäische Kommission konkrete Maßnahmen in diesem Bereich vorlegen, die bis 2025 umgesetzt werden sollen.

Eine Lösung, die zweifelsohne dazu gehört, ist „Erasmus+“. Das Programm, das dieses Jahr sein 30. Jubiläum feiert, hat dazu beigetragen, dass über neun Millionen Menschen – Studierende, Auszubildende, Praktikanten oder Lehrkräfte – einen Aufenthalt in einem anderen EU-Land wahrnehmen konnten. Hinter diesem Erfolg steckt der Wunsch der Europäerinnen und Europäer, noch mobiler zu sein und zu erfahren, wie Menschen in anderen Ländern leben, arbeiten und studieren. Bis 2025 könnte sich die Zahl der „Erasmus+“-Teilnehmer verdoppeln – auf mindestens 7,5 Prozent aller Europäer.

Mobiler mit dem EU-Studierendenausweis

Um die Mobilität von Studierenden zu fördern, werden wir im Jahr 2019 einen „elektronischen europäischen Studentenausweis“ mit Daten über Abschlüsse und Qualifikationen herausgeben. Die Anerkennung von Diplomen und Graden in Europa ist heute noch alles andere als ein Selbstläufer. Aufbauend auf dem „Bologna-Prozess“, der den Weg für die gegenseitige Anerkennung von Abschlüssen ebnete, könnte der „Sorbonne-Prozess“ noch einen Schritt weitergehen und dazu führen, dass die gegenseitige Anerkennung von Sekundar- und Hochschulabschlüssen reibungsfreier verläuft und die grenzübergreifende Validierung von Weiterbildungsnachweisen und Zeugnissen zur Formsache wird. Die Kommission plant, bereits im Mai 2018 einen Vorschlag zu unterbreiten, um diese Vision in die Praxis umzusetzen.

Zu einer engeren Zusammenarbeit zwischen Mitgliedstaaten gehört auch, ein europäisches Netz von Universitäten, ebenso wie echte europäische Universitäten zu gründen. Dazu würde insbesondere eine neue Fakultät für europäische und transnationale Governance gehören, die im Europäischen Hochschulinstitut mit Sitz in Florenz (Italien) angesiedelt wäre.

2018 als Jahr des kulturellen Erbes

Im Kulturbereich hat sich das seit 1991 existierende MEDIA-Förderprogramm als Erfolgsmodell für das europäische Kino bewährt. Insgesamt wurden 2,5 Milliarden Euro in die Produktion und Vorführung europäischer Filme investiert. Auch die Kulturhauptstädte Europas haben in den vergangenen 32 Jahren dazu beigetragen, den Tourismus in 56 Städten zu fördern und die Modernisierung dieser Städte voranzutreiben.

Die Kultur ist für Europa ein wertvoller Schatz, den wir in diesen immer schnell- und kurzlebigeren Zeiten hüten müssen. Aus dem Grund haben wir das Jahr 2018 dem kulturellen Erbe gewidmet – ob Geschichte, Architektur, Literatur, Film oder Kunst. Und schließlich möchte die Kommission den Sender Euronews, den sie seit jeher unterstützt, als Anbieter von Informationen in Europa und darüber hinaus stärken.

Wenn die Europäer ihre Zukunft gestalten, müssen Bildung und Kultur den Anfang bilden. Denn sie schaffen Arbeitsplätze und Wachstum, fördern die soziale Gerechtigkeit und sind das beste Mittel, um die Europäer zusammenzuschweißen.

Jean-Claude Juncker ist Präsident der Europäischen Kommission und Tibor Navracsics EU-Bildungskommissar.

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